
Teamcheck FC Schalke 04: Halten die Knappen die Klasse?
Am 28. August geht es endlich wieder los! Vor dem Auftakt nimmt bundesliga.de alle Vereine im Teamcheck unter die Lupe, diesmal: der FC Schalke 04. Die Knappen sind nach drei Jahren zurück in der Bundesliga. Nun gilt es, sich wieder im Oberhaus zu etablieren.
Die vergangene Zweitligasaison war Balsam für die geschundene Schalker Seele: Nach zwei gelinde gesagt überschaubaren Spielzeiten auf den Rängen zehn und 14 kletterten die Königsblauen unter Trainer Miron Muslić an die Spitze und damit als Meister zurück in die Bundesliga. Was für eine Energieleistung!
Nachdem in den Vorjahren keine klare Spielphilosophie auf dem Platz zu erkennen war, entwickelte die sportliche Führung eine Schalke-DNA mit den Kernattributen "aggressiv, intensiv, mutig". Mit Muslić wurde ein sowohl menschlich als auch fachlich idealer Trainer gefunden, um die neue Idee einer runderneuerten Mannschaft einzuimpfen.
Nun wollen die Königsblauen anders als vor drei Jahren mit einem stabilen Gerüst und gezielten Verstärkungen in der Bundesliga bestehen. "Wir müssen dieses Jahr zwei Gänge höherschalten", gibt Muslić die Richtung vor.
Positiver Gesamteindruck der Vorbereitung
Die Vorbereitung lief aus Sicht des FC Schalke 04 größtenteils zufriedenstellend. Mit dem Trainingslager in Österreich zeigte sich Muslić sehr zufrieden: "Wir haben die Woche optimal genutzt im Stubaital. Wir hatten Top-Bedingungen, aber wir haben auch jeden Tag maximiert, mit drei Spielen in sechs Tagen. Die Jungs haben wieder diese Widerstandsfähigkeit gezeigt, diesen Schweinehund überwunden. Wir sind froh mit dem Abschluss und jedem Tag im Trainingslager."
Von den bisher sechs Testspielen haben die Gelsenkirchener vier gewonnen und zwei verloren. Die Niederlage gegen Gütersloh zum Vorbereitungsstart darf als Ausrutscher verbucht werden, das jüngste 0:3 gegen Atalanta war auch der mangelnden Chancenverwertung und Qualität der Gäste geschuldet. Vor dem Pflichtspielauftakt im DFB-Pokal gegen den Halleschen FC wartet noch das Highlightspiel gegen Real Madrid in der Veltins-Arena.
Ein Wermutstropfen vor Saisonbeginn: die beiden Verletzungen von Neuzugang Robin Gosens (Oberschenkel) und Adrian Gantenbein (Syndesmoseband). Gosens fehlt "bis auf Weiteres", Gantenbein fällt "mehrere Wochen" aus.

Der wichtigste Neuzugang: Junior Dina Ebimbe
Fünf externe Transfers hat Schalke 04 bislang getätigt: Satoshi Tanaka (Fortuna Düsseldorf), Junior Adamu (SC Freiburg), Robin Gosens (AC Florenz), Maximilian Wöber (Leeds United), Edin Džeko (vereinslos) und Junior Dina Ebimbe (Eintracht Frankfurt). Zusätzlich wurden Kevin Müller nach Leihe fest von Heidenheim verpflichtet und Luca Vozar aus der U19 hochgezogen. Weitere Transfers sind geplant, auf der Zugangs- und Abgangsseite.
"Es wird noch ein bisschen was passieren bis zum 1. September", kündigte Sportvorstand Frank Baumann beim "Schalke-Tag" an und nennt zwei Aspekte, die dabei im Vordergrund stehen: "Das Thema Laufstärke und Intensität ist ganz wichtig." Vorstellbar ist vor allem ein neuer Flügelspieler oder Halbraumzehner, der im 3-4-3-System Torgefahr und Aggressivität gegen den Ball ausstrahlt.
Der wichtigste Neuzugang ist zum aktuellen Zeitpunkt nicht etwa einer der Stars wie Gosens oder Džeko, sondern der rechte Schienenspieler Ebimbe. Sportdirektor Youri Mulder erklärte: "Wir haben uns schon länger mit seinem Profil befasst und hatten jetzt nach guten Gesprächen mit Eintracht Frankfurt die Gelegenheit, Junior Dina Ebimbe zu verpflichten."
Der 25-Jährige verfügt über Dynamik und Handlungsschnelligkeit, kann zudem auch auf der linken Seite und im zentralen Mittelfeld auflaufen. "Unsere Spielidee stellt grundsätzlich hohe physische Anforderungen. Dafür bringt Junior alles mit", so Mulder weiter. Insbesondere nach der Verletzung von Gantenbein ist der Bundesliga-erfahrene Ebimbe goldwert (57 Spiele, 14 Scorerpunkte).

Der Schlüsselspieler: Nikola Katić
In der vergangenen Saison war über weite Strecken vor allem die Kompaktheit der Schlüssel zum Erfolg. Mit nur zehn Gegentoren nach der Hinrunde kassierten die Königsblauen die wenigsten Gegentore in Deutschland – sogar drei weniger als Bayern München. In der Rückrunde wurde das Schalker Spiel etwas modifiziert und mit offensiven Komponenten angereichert. Ein Grund, warum in der zweiten Halbserie 21 Gegentore hingenommen werden mussten.
In der Bundesliga wird S04 vermutlich eine ähnliche, defensivere Taktik fahren wie im ersten Halbjahr unter Muslić. Hierbei kommt es ganz besonders auf Abwehrchef Nikola Katić an, die Dreier- respektive Fünferkette zusammenzuhalten und das vorwärtsgerichtete Verteidigen zu koordinieren. Bei Standards ist der bosnische Nationalspieler mit seiner Kopfballstärke zudem eine Waffe. Als verlängerter Arm des Trainers ist Katić der Schlüsselspieler bei der Mission Klassenerhalt.
Die mögliche Startelf
Vor der klaren Nummer eins Loris Karius spielt Schalke mit einer Dreierkette, in der maximal eine Position offen scheint. Vizekapitän und Identifikationsfigur Timo Becker und Anführer Katić sind gesetzt, daneben streiten Top-Talent Mertcan Ayhan und Hasan Kuruçay um den dritten Platz.
Im zentralen Mittelfeld ist Dauerbrenner Soufiane El-Faouzi für die laufintensive Spielweise von Königsblau unverzichtbar. Neben ihm entscheidet es sich zwischen Tanaka, der in der Vorbereitung überzeugte, und dem Leistungsträger der Vorsaison, Ron Schallenberg. Auf der rechten Außenbahn wird Dina Ebimbe spielen, die linke Seite wird Vitalie Becker mindestens bis zur Rückkehr von Gosens bekleiden.
In den offensiven Halbräumen hat Kapitän Kenan Karaman seinen Platz sicher, sein Gegenüber dürfte nach aktuellem Stand Zauberfuß Adil Aouchiche sein. Die größte Treffsicherheit im Schalker Kader bringt Superstar Džeko mit, der je nach Fitnesszustand den Vorzug vor Adamu erhalten dürfte.
Voraussichtliche Aufstellung am 1. Spieltag:
Karius – T. Becker, Katić, Ayhan (Kuruçay) – Dina Ebimbe, El Faouzi, Schallenberg (Tanaka), V. Becker – Karaman, Aouchiche – Džeko (Adamu)
Philipp Pachollek