Zusammenfassung

  • Schalke erkämpft sich gegen Mönchengladbach in Unterzahl einen Punkt

  • Mentalität ist Trumpf auf dem Weg zurück in die Champions League

  • Tedesco: Punkt in Unterzahl "wertvoller als solide drei Punkte"

Gelsenkirchen – Das große Ziel musste der FC Schalke 04 noch einmal vertagen, doch als Gewinner dürfen sich die Königsblauen trotzdem fühlen. Zwar ist die Qualifikation für die Champions League nach dem 1:1 gegen Gladbach noch nicht unter Dach und Fach. Aber der Punktgewinn in Unterzahl war ein taktisches Glanzstück – und ein Muster an Moral für die Schalker „Mentalitätsmonster“.

Als Nabil Bentaleb nach zwölf Minuten wegen einer Tätlichkeit den Platz verlassen musste, ahnten die Fans in der Veltins-Arena nichts Gutes. Als dann auch noch 20 Minuten später Raffael zur Gladbacher Führung traf, schien nicht nur Schalkes angepeilte Rückkehr in Europas Königsklasse für diesen Tag erledigt. Es drohte auch die dritte Saisonniederlage im heimischen Stadion.

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Doch die Leidenschaft und die Moral, die die Mannschaft schon so erfolgreich durch diese Saison getragen haben, sollten auch in diesem Fall fast Berge versetzen. Schalke lebt von der Mentalität und die Spieler haben sich längst die Überzeugung erarbeitet, dass man mit Kampfgeist und unbedingtem Willen so ziemlich jede Aufgabe erfolgreich lösen kann. „Wenn es eine Mannschaft so lange in Unterzahl schaffen kann, dann sind wir das“, verriet Leon Goretzka nach der Partie, was sich die Mannschaft in der Pause geschworen hatte. Alle hätten schlicht alles aus sich herausgeholt – auch dank der Unterstützung von den Rängen. „Das ist Gold wert. Es setzt nochmal Kräfte frei, wenn du denkst, dein Tank ist leer“, lobte der scheidende Nationalspieler.

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"Glücksfall" Platzverweis

Am Ende war nicht nur Elfmeter-Torschütze Daniel Caligiuri beim 1:1-Endstand der Meinung, dass „hier auf jeden Fall ein Sieg drin gewesen wäre“. Zwar war Gladbach die dominante Mannschaft, was sich auch in einem Ballbesitz von 68 Prozent ausdrückte. Doch Schalke konterte gefährlich und verbuchte dabei sogar die größeren und klareren Chancen – und lieferte damit quasi ein Musterbeispiel für die königsblaue Spielweise, die Domenico Tedesco seinem Team so erfolgreich eingepflanzt hat. Der Platzverweis habe den Schalkern in gewisser Weise sogar in die Karten gespielt, ärgerte sich Gladbachs Christoph Kramer und verband seine Analyse auch mit anerkennenden Worten für den Gegner: „So konnten sie sich auf ihre Defensivstärke verlassen und kontern – und das können sie hervorragend.“

Daniel Caligiuri versenkte gegen Gladbach den Elfmeter zum 1:1-Ausgleich © gettyimages / Lars Baron

"Diesen Traum lassen wir uns nicht mehr nehmen"

Tedesco hatte die Mannschaft dabei in der Halbzeit-Pause mit seinem taktischen Umbau nahezu perfekt eingestellt auf die Unterzahl-Situation. „Wir haben den Vorteil, einen Trainer zu haben, der dir taktisch einen guten Plan mit an die Hand geben kann“, freute sich Goretzka. Domenico Tedesco beorderte Yevhen Konoplyanka und Amine Harit auf die Achter-Positionen und zeigte sich nach der Partie höchst angetan von dem, was beide Offensivkräfte in ungewohnter Rolle geleistet haben: „Es war sehr schön, zu sehen, wie sie sich für die Mannschaft aufgeopfert haben. Das war sehr wichtig für das Team und die Entwicklung dieser Spieler. Entsprechend stolz können wir sein.“

So eine Leistung, dozierte Schalkes Trainer, sei sogar „manchmal mehr wert als solide drei Punkte zu holen.“ Das konnte er ganz entspannt so sagen, weil die angestrebte Qualifikation für die Champions League für die Knappen jetzt tatsächlich nur noch Formsache zu sein scheint. Einen Zähler benötigt Schalke aus den letzten beiden Partien in Augsburg und gegen Frankfurt noch, um sicher wieder dabei zu sein, wenn sich Europas Beste miteinander messen. Und „diesen Traum werden wir uns nicht mehr nehmen lassen“, ist Leon Goretzka überzeugt. „Wir haben so viel gearbeitet und jetzt wollen wir den letzten Schritt auch noch gehen.“

Aus Gelsenkirchen berichtet Dietmar Nolte