Gelsenkirchen - Zehn Punkte aus vier Spielen, Tabellenplatz zwei und beim 3:1-Erfolg auf Schalke ein Musterbeispiel an Effektivität – da darf der FC Köln schon mal träumen. Die Spieler bleiben allerdings ganz cool und nehmen lieber das nächste Ziel ins Visier. Am Sonntag kommt’s zum Spitzenspiel gegen Leipzig.

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Die Kölner Fans sangen nach dem 3:1 auf Schalke vom Europapokal. Matthias Lehmann konnte sich ein Grinsen nicht verkneifen. "Die Fans können ruhig feiern, die soll man auch gar nicht bremsen. Für die Jungs auf den Rängen und in der Stadt gibt es ordentlich Grund zu feiern", meinte Kölns Kapitän mit Blick auf die fast optimale Punktausbeute zum Saisonstart. Noch ist der 1. FC Köln ohne Niederlage, hat erst ein Gegentor kassiert und nach dem Punktgewinn in Wolfsburg jetzt auch bei den ambitionierten Schalkern auswärts ein dickes Ausrufezeichen gesetzt.

Bayern-Jäger Nummer eins

Köln ist derzeit als Tabellenzweiter Bayern-Jäger Nummer eins und feiert Karneval schon im September. Klub-Ikone Lukas Podolski twitterte im Glücksgefühl schon ein "1. FC Leicester City" und erinnerte damit an den englischen Überraschungsmeister der vergangenen Saison. Zu sehr anstecken lassen von der Euphorie im Umfeld wollen sich die Kölner Spieler aber dann doch nicht. "Wir nehmen das natürlich auch mit und saugen das auf. Klar sind wir glücklich, aber wir drehen jetzt nicht durch. Es gibt noch keinen Grund, auf den Tischen zu tanzen", stellte Lehmann klar.

Allerdings gibt es gleich mehrere Gründe,  "sehr, sehr zufrieden zu sein", wie es Peter Stöger formulierte. Der Trainer machte mit dem 3:1-Sieg den Kölner Hattrick auf Schalke perfekt; drei Mal in Folge verließ der Club die Arena als Sieger. Und lieferte in dieser Partie einmal mehr den Beweis, dass Stöger zurzeit ganz offensichtlich das richtige Maß an defensiver Stärke und offensiver Effektivität gefunden hat. "Reinarbeiten, Räume besetzen, wenig zulassen, Umschaltspiel konsequent fertig spielen" – so einfach es in den Worten des Österreichers klingt, so perfekt setzt es die Mannschaft um.

Mannschaft wirkt sehr stabil

"Köln hat es taktisch richtig gut gemacht. Wir konnten ihre massive Defensive nicht aushebeln – und das ist ein Kompliment an die Kölner", analysierte Schalkes Manager Christian Heidel fast ein wenig neidisch. Ein ganz entscheidender Schlüssel ist dabei die Geschlossenheit. "Jeder ackert für jeden", bringt es Lehmann auf den Punkt, "der Teamgeist und der Wille zu arbeiten machen uns so erfolgreich."

Dazu kann Köln auf eine gewachsene Mannschaft setzen. Selbst umworbene Leistungsträger wie Timo Horn und Jonas Hector konnten gehalten werden. Die Mannschaft musste nur punktuell ergänzt werden und strahlt eine große Stabilität aus. "Wir sind eingespielt, jeder kennt die Abläufe. Da greifen die Automatismen einfach besser und das sieht man dann auch", bestätigt Lehmann. Neuzugänge wie Konstantin Rausch fühlen sich schon nach kurzer Zeit voll integriert: "Wir sind eine echte Einheit, jeder bringt sich hier total gut ein."

Offensiv profitiert der 1. FC Köln von seinem schnellen Umschaltspiel und einer zumindest auf Schalke fast schon gnadenlosen Effektivität. Die Statistik wies die Gelsenkirchener nach dem Spiel in fast allen Punkten als Sieger aus. Köln hatte nur 33 Prozent Ballbesitz und zielte fünf Mal direkt auf das gegnerische Tor – drei Mal klingelte es prompt. Auch Anthony Modeste reihte sich wieder in die Torschützen ein, schraubte sein Konto auf jetzt vier Saisontore und dient seinen Mitspielern durchaus als Ruhepol der besonderen Art. "Es gibt uns ein gutes Gefühl, wenn man weiß, dass der Toni aus einer noch so kleinen Chance ein Tor machen kann", verrät Lehmann.

Leipzig auf Abstand halten

Mit dem guten Gefühl und viel Selbstbewusstsein geht es nun am Sonntag gegen den noch ungeschlagenen Aufsteiger aus Leipzig, der in der Tabelle nur zwei Zähler hinter dem FC rangiert. "Leipzig ist stark, aber wir spielen zuhause. Und wir haben gerade ein sehr gutes Momentum", meint Verteidiger Frederic Sörensen. Lehmann sieht‘s ähnlich: "Natürlich geben uns die ersten Spiele eine breite Brust und sehr viel Selbstvertrauen. Wir nehmen das mit und wollen gucken, dass wir am Sonntag wieder punkten – möglichst dreifach."

Dietmar Nolte