München - Vier Jahre lang trug Roy Makaay das Trikot von Bayern München. "Das war eine Superzeit", sagt der Angreifer, der zwischen 2003 und 2007 in 129 Bundesligaspielen satte 78 Tore markierte.

Im Interview mit bundesliga.de spricht der Niederländer über seinen neuen Job, die Champions-League-Aussichten der deutschen Clubs (Deutsche Europacup-Gegner schwächeln) und die niederländischen Stars in der Bundesliga.

bundesliga.de: Herr Makaay, Sie haben Ihre aktive Laufbahn im Sommer beendet und arbeiten jetzt im Nachwuchsbereich von Feyenoord Rotterdam. Was genau tun Sie dort?

Roy Makaay: Ich bin Trainer der U 13 zusammen mit einem Herrn, der den Job schon seit fünf Jahren macht. Dazu absolviere ich noch ein Praktikum bei der U 17, das ich für den Trainerschein brauche, den ich gerade mache. Ich bin also zwei, drei Mal in der Woche bei der U 17 dabei und belege ein Jahr lang Seminare beim Verband.

bundesliga.de: Wann ist die Entscheidung gereift, Trainer werden zu wollen?

Makaay: Die Idee ist erst spät gewachsen, in den letzten Jahren der Laufbahn. Wenn ich den Schein habe, darf ich alle Jugendmannschaften trainieren, alle Teams im Amateurbereich und als Co-Trainer bei Proficlubs arbeiten.

bundesliga.de: Haben Sie denn Ambitionen, später im Profibereich zu arbeiten?

Makaay: Bei so einem großen Club wie Feyenoord arbeitet man ja in der Jugendarbeit schon darauf hin, den Nachwuchs für den Profisport auszubilden. Insofern bin ich quasi schon im Profibereich tätig.

bundesliga.de: An welchem Trainer orientieren Sie sich?

Makaay: Es gibt viele, unter denen ich gerne trainiert habe. Von jedem Trainer nimmt man zwar etwas mit, aber einen eigenen Stil muss man trotzdem entwickeln.

bundesliga.de: Wie bewerten Sie denn die Arbeit Ihres Landsmanns Louis van Gaal in München?

Makaay: Ich hatte ihn nur als Trainer bei der Nationalmannschaft. Aber meine ehemaligen Mitspielern beim FC Bayern sagen mir, dass er sehr intensiv arbeitet und fast ausschließlich mit dem Ball trainieren lässt. Es ist offensichtlich, dass er gerne offensiv spielen lässt. Im Vorjahr sind die Bayern nach dem ersten Drittel der Saison ins Rollen gekommen und haben ihre Linie bis ins Champions-League-Finale durchgehalten. Daran hat van Gaal sicher einen großen Anteil.

bundesliga.de: Sind die Bayern deshalb nun für Sie in der neuen Champions-League-Saison der Favorit?

Makaay: Nein, das ist der FC Barcelona. Ich habe vor zwei Wochen sein erstes Ligaspiel gesehen, das war sehr stark. Inter wird wieder um den Titel mitmischen, auch Manchester United. Arsenal spielt immer schön, droht aber regelmäßig in Schönheit zu sterben, wenn es in die finale Phase geht. Dann Real Madrid - Mourinho bleibt eben Mourinho. Bayern sehe ich wieder als Außenseiter wie im letzten Jahr.

bundesliga.de: Wie schwierig schätzen Sie die Münchner Gruppe mit Rom, dem FC Basel und CFR Cluj ein?

Makaay: Es darf normalerweise kein Problem sein, die Gruppenphase zu überstehen.

bundesliga.de: Werder Bremen bekommt es mit Inter Mailand, Tottenham und dem FC Twente zu tun...

Makaay: Inter ist als Titelverteidiger Favorit in der Gruppe. Jeder der anderen drei hat die Fähigkeit, in die zweite Runde vorzustoßen. In Enschede pflegt man klug die Außenseiterrolle. Twente hat sich in den vergangenen drei, vier Jahren sehr gut entwickelt und ist zum zweiten Mal in Folge in der Champions League dabei, auch wenn es im Vorjahr nicht für die Gruppenphase gereicht hat. Der Club hat sehr gut eingekauft. Das ist eine richtig gute Mannschaft. Wenn ich Bremer wäre, würde ich nicht den Fehler machen, Twente zu unterschätzen.

bundesliga.de: Schalke spielt gegen Olympique Lyon, Benfica Lissabon und Hapoel Tel Aviv. Ist es ein Problem, dass Schalke mit Lyon gleich zum Auftakt auf den wohl stärksten Gegner trifft?

Makaay: Das Problem ist, dass Schalke mit drei Niederlagen in die Bundesliga gestartet ist. Da gibt es schon einen gewissen Druck, deshalb ist das Spiel gegen Lyon nicht ganz einfach. Aber wenn man gegen solch einen guten Gegner etwas holt, kann das natürlich auch Vertrauen in die eigene Stärke geben. Schalke hat einen guten Trainer, das weiß ich aus eigener Erfahrung. Aber bei den vielen Neuzugängen muss man erstmal abwarten, wie sich das einspielt.

bundesliga.de: Einer dieser Neuzugänge ist Klaas Jan Huntelaar. Was trauen Sie ihm aktuell zu?

Makaay: Klaas Jan ist ein guter Stürmer, keine Frage. Aber hat in den vergangenen beiden Jahren nicht viel gespielt bei Real Madrid und Milan. Er muss sich jetzt auf Schalke beweisen und weiß, dass viele Augen auf ihn gerichtet sind.

bundesliga.de: Haben Sie damit gerechnet, dass Ruud van Nistelrooy in Hamburg noch einmal so gut auf die Beine kommt?

Makaay: Ja, schon. Ruud ist ein wunderbarer Stürmer. Man weiß zwar nie, wie man nach so einer Verletzungspause zurückkommt. Aber es war für mich nicht überraschend, dass er in der letzten Saison schon eine ganz gute Figur abgegeben hat. Jetzt hat er eine komplette Vorbereitung mitgemacht. Ich habe ihn letzte Woche bei einer Hochzeit getroffen und muss sagen: Er sieht richtig fit aus.

bundesliga.de: Die Zahl der Niederländer in der Bundesliga ist zuletzt deutlich gestiegen. Wie erklären Sie sich, dass sich Ihre Landsleute vermehrt für deutsche Clubs entscheiden?

Makaay: Sie haben mitbekommen, dass in Deutschland in wunderschönen Stadien gespielt wird, die immer voll sind. Dann sind Bayern und Bremen in den letzten Jahren in den Europapokalen weit gekommen. Das hat sicherlich dazu beigetragen, das Image der Bundesliga weiter zu verbessern.

Das Gespräch führte Martin van de Flierdt