Zusammenfassung

  • Die Ex-Hoffenheimer Sebastian Rudy und Niklas Süle sorgen gemeinsam für das 1:0

  • Corentin Tolisso überzeugt nicht nur aufgrund seines Treffers

  • Innenverteidiger Süle sieht noch viel Luft nach oben

München - Seit dem 1. Juli ist Niklas Süle offiziell Angestellter des FC Bayern München, doch mit den Räumlichen seines neuen Arbeitgebers ist er noch nicht so gut vertraut. Auf dem Weg zu den Journalisten bog Süle aus Versehen in den Bereich für die Gästespieler ab. "Das wusste ich noch nicht, das ist für mich auch neu hier", gestand der 21-Jährige. Auf dem Platz hat der Neuzugang die Laufwege hingegen auf Anhieb verinnerlicht.

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Mit seinem dritten Ballkontakt erzielte der 1,95 Meter große Abwehrrecke beim 3:1-Auftaktsieg des Titelverteidigers im Eröffnungsspiel gegen Bayer 04 Leverkusen per Kopf die frühe Führung (9.). Die Vorlage kam von seinem früheren Hoffenheimer Mannschaftskollegen Sebastian Rudy, der ebenfalls seine ersten Bundesliga-Minuten im Bayern-Trikot absolvierte. "Dass es eine Co-Produktion war, ist für uns beide natürlich sehr schön", sagte Süle. Und Vorbereiter Rudy ergänzte: "Es hat mich natürlich gefreut, dass ich ihm eins servieren durfte und dass wir uns so gut einfügen durften."

Rudys Freistöße bringen neue Qualität

Bereits beim Triumph im Supercup war Rudy bei den Bayern-Toren in der regulären Spielzeit gegen Borussia Dortmund entscheidend beteiligt. Vor allem seine präzisen Freistoßflanken verleihen dem Spiel der Münchner eine neue Qualität. Dass ausgerechnet sein Kumpel aus Hoffenheimer Zeiten seine erste mit einem Tor veredelt, war laut Rudy Zufall: "Wir haben so gute Kopfballspieler vorne drin. Ich versuche einfach den Ball in ihre Laufwege zu bringen und das hat sehr gut funktioniert."

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Auch der dritte Neuzugang in der Startelf ragte heraus: Mit seinem ersten Tor zum zwischenzeitlichen 2:0 machte Corentin Tolisso (18.) den Traumeinstand der Neu-Bayern perfekt. Zehn Jahre ist es her, dass gleich zwei Neuzugänge in ihrem ersten Bundesligaspiel für die Münchner trafen. Beim 3:0-Sieg gegen Hansa Rostock 2007 hießen die erfolgreichen Debütanten Miroslav Klose und Luca Toni. Tolisso feierte mit seinem Treffer eine weitere Premiere: Als erster Franzose traf er gleich in seinem ersten Bundesligaspiel für die Bayern - das schaffte nicht einmal Franck Ribery.

Sonderlob für Tolisso

"Er war spielfreudig, wollte immer die Bälle haben und war sehr präsent", lobte Rudy seinen Nebenmann im Mittelfeld. "Wenn man neben so jemandem spielt, macht es noch mehr Spaß." Als Vertreter des verletzt fehlenden Taktgebers Thiago zeigte der von Olympique Lyon gekommene Tolisso seine Qualitäten als Spielgestalter. In den Statistiken des Spiels führte der 23-Jährige Mittelfeld-Allrounder anschließend in nahezu jeder wichtigen Kategorie: Er absolvierte die meisten Sprints aller Bayern-Spieler (26), spielte die meisten erfolgreichen Pässe, gab die meisten Torschüsse ab (4) und hatte am häufigsten den Ball (82 Ballbesitzphasen).

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Corentin Tolisso bejubelt seinen Treffer zum 2:0
Corentin Tolisso bejubelt seinen Treffer zum 2:0

"Für mich war er der beste Spieler auf dem Platz. Er hat ein überragendes Spiel gemacht, nicht nur wegen seines Tores. Er hat sehr viele Zweikämpfe gewonnen und musste sehr viel laufen", sagte Joshua Kimmich, der den neuen Kilometerfresser Tolisso (11,16 Kilometer) mit seiner Laufleistung (11,79 Kilometer) sogar noch auf den zweiten Platz verwies.

Süle sieht noch Luft nach oben

Dass das neue Trio um Tolisso, Rudy und Süle auf Anhieb so gut eingeschlagen hat, freut auch Bayerns Sportdirektor Hasan Salihamidzic. "Wir sind glücklich, dass wir solche Jungs verpflichtet haben", sagte Salihamidzic. "Sie haben sich sehr gut eingelebt und sind von der Mannschaft super aufgenommen worden." Gerade Süle und Rudy benötigten trotz ihrer durch die Teilnahme am Confed Cup verkürzten Vorbereitung keine lange Anlaufzeit.

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Dennoch sieht Süle, dessen schnelles Startelfdebüt auch mit den Verletzungen der Defensivleute Jerome Boateng und Javi Martinez zusammenhängt, noch Luft nach oben. "Wir haben noch nicht so häufig in der Konstellation gespielt. Es haben viele Neuzugänge gleich gespielt. Das muss sich auch erst finden", sagt der Nationalspieler und sprach vor allem die Defensivleistung in der zweiten Hälfte an, die den Leverkusenern viele Torchancen ermöglichte. "Als Team müssen wir kompakter verteidigen, daran müssen wir in den nächsten Wochen arbeiten." Mit Blick auf das kommende Auswärtsspiel beim SV Werder Bremen forderte Süle: "Wir müssen ein anderes Gesicht zeigen." Die Neuzugänge stehen den Bayern jedenfalls schon jetzt gut zu Gesicht.

Aus München berichtet Maximilian Lotz