Zusammenfassung

  • Erstmals gehen die Bayern 2018 in einem Pflichtspiel nicht als Sieger vom Platz.

  • Jupp Heynckes lobt das Engagement seiner Spieler und stark verteidigende Berliner.

  • Robert Lewandowski verpasst den alleinigen Torrekord.

München - Ob er nun stolz sei, dass er sich weiterhin mit Robert Lewandowski den Rekord teile, wurde Jupp Heynckes noch gefragt. "Ich hätte Lewy das gerne gegönnt, dass er heute ein oder zwei Tore erzielt", antwortete der Trainer des FC Bayern München lachend. Doch selbst der Toptorjäger, der zuvor in allen elf Heimspielen erfolgreich war und damit Heynckes‘ Rekord aus der Saison 1972/73 egalisiert hatte, ging am Samstag leer aus. Erstmals seit Heynckes‘ Rückkehr teilten die Bayern die Punkte, dennoch herrschte hinterher Zufriedenheit im Lager der Münchner.

Zweifelsohne hätte der Rekordmeister gegen Hertha BSC liebend gerne den 15. Pflichtspielsieg in Serie eingefahren, doch die tapfer verteidigenden Berliner hatten etwas dagegen. "Das hat die Hertha sehr clever, geschickt und professionell gemacht", musste auch Heynckes anerkennen. "Wir können auch mit dem einen Punkt leben, weil ich meiner Mannschaft überhaupt keinen Vorwurf machen kann - nur dass wir unsere Chancen nicht genutzt haben. Das ist eigentlich ungewöhnlich bei uns, aber solche Tage gibt es im Fußball. Das muss man auch akzeptieren."

Video: Die Analyse des Robben-Moves

Ergebnis mit Seltenheitswert

Dass die Bayern vorne das Tor nicht treffen, hat in der Tat Seltenheitswert. Einzig bei der 0:2-Niederlage am 3. Spieltag bei der TSG 1899 Hoffenheim blieben die Münchner in dieser Saison ohne eigenen Treffer. "Es gibt solche Tage, an denen der Ball nicht reingeht", sagte Arjen Robben. "Das passiert nicht oft, vor allem nicht hier in der Allianz Arena." Das bisher letzte Bundesliga-Spiel ohne ein Bayern-Tor vor eigenem Publikum datiert vom 9. Mai 2015 (0:1 gegen den FC Augsburg). Ein torloses Remis in der heimischen Arena gab es zuletzt gar vor fast sechs Jahren: Am 14. April 2012 gegen Mainz. Damals hieß der Bayern-Trainer ebenfalls Jupp Heynckes.

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Trotz des Pechs im Abschluss stellte der Coach seinem Team nach der Partie am Samstag ein gutes Leistungszeugnis aus - insbesondere seinem sonst so zuverlässigen Goalgetter Lewandowski. "Er hat sehr engagiert gespielt, war sehr laufstark und hat sich Chancen erarbeitet. Deswegen ist es schade, dass er nicht getroffen hat", sagte der 72-Jährige über seinen Stürmer, der allein zehn Mal aufs Tor schoss.

Kälte keine Ausrede

Mats Hummels kommt zum Kopfball. Aber auch der Abwehrchef trifft nicht
Mats Hummels kommt zum Kopfball. Aber auch der Abwehrchef trifft nicht © imago

Dennoch blieb die Anzahl der wirklich hundertprozentigen Möglichkeiten überschaubar. "Wir haben uns nicht so viele Chancen herausspielen können. Wir haben es immer wieder versucht, ohne ein Chancen-Feuerwerk abbrennen zu können", sagte Abwehrchef Mats Hummels. Immerhin fingen sich die Bayern im Gegenzug erstmals in diesem Jahr in einem Liga-Heimspiel auch kein Gegentor.

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"Das 0:0 nehmen wir alle hin. Das ist in Ordnung, zumal Berlin auch ein, zwei Mal gefährlich war", analysierte Hummels. "Alles in allem fühlte es sich relativ früh schon nach einem 0:0 an." Bei Minusgraden und eisigem Wind fühlte es sich auf dem Rasen vor allem ungemütlich an - doch das wollte Robben nicht als Ausrede geltend machen. "Wenn man einmal warm ist, geht es schon. Du musst viel laufen und dich viel bewegen, dann wird es dir auch nicht kalt", sagte der Niederländer.

Konkurrenzkampf hält Spannung hoch

Rune Jarstein ist der Spielverderber - der Hertha-Keeper pariert alles, was auf seinen Kasten kommt
Rune Jarstein ist der Spielverderber - der Hertha-Keeper pariert alles, was auf seinen Kasten kommt © imago

Um für die kommenden Aufgaben wieder top in Form zu sein, stehen die Bayern nun vor einer langen Trainingswoche. Erst am nächsten Sonntag geht es mit dem Auswärtsspiel beim SC Freiburg weiter. Für Robben kann es aber gar nicht schnell genug gehen. "Wir spielen nächste Woche erst wieder am Sonntag. Das ist eine lange Zeit. Da muss man durch und einfach bis zum nächsten Spiel Geduld haben", sagt der 34-Jährige.

Aufgrund des großen Konkurrenzkampfes um die begehrten Plätze in der Startelf, besteht auch keine Gefahr eines Spannungsabfalls im Training. "Wir haben die großen Aufgaben im Kopf", sagt Sportdirektor Hasan Salihamidzic und lobt in diesem Zusammenhang die Trainingssteuerung des Teams um Chefcoach Heynckes. "Jeder Spieler muss auch im Training Vollgas geben. Wir müssen die Fitness und die Spannung halten. Das weiß aber auch jeder, der Trainer spricht es oft an, deswegen mache ich mir da keine Sorgen."

Aus München berichtet Maximilian Lotz