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Wagt den Sprung aus seiner Komfortzone: Jonathan Tah will in München vorangehen
Wagt den Sprung aus seiner Komfortzone: Jonathan Tah will in München vorangehen - © IMAGO/Bernd Feil/M.i.S.
Wagt den Sprung aus seiner Komfortzone: Jonathan Tah will in München vorangehen - © IMAGO/Bernd Feil/M.i.S.
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"Sehe mich in der Rolle des Organisators"

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Jonathan Tah hat beim FC Bayern eine neue Rolle gefunden – als Spieler und als Führungspersönlichkeit. Im Gespräch erzählt er, wie er sich in einem Team voller Weltklasse-Spieler behauptet, welche Vorbilder ihn prägen und warum ihm Offenheit im Umgang mit gesellschaftlichen Themen wichtig ist.

Neuer Verein, noch größere Verantwortung: Jonathan Tah ist beim FC Bayern angekommen – und möchte sofort vorangehen. "Es war für mich ein Sprung raus aus meiner Komfortzone", sagt der 28 Jahre alte Innenverteidiger über seinen Wechsel von Bayer 04 Leverkusen nach München. Zehn Jahre am Rhein hätten ihn geprägt, doch jetzt sei die Zeit reif gewesen: "Man muss sich selbst immer wieder hinterfragen: Was kann ich tun, um noch einmal einen Schritt zu machen?"

Die Erwartungshaltung beim Rekordmeister ist riesig. Viele sehen den Nationalspieler schon jetzt als Leader in der Defensive. Tah nimmt die Herausforderung an, bleibt aber realistisch: "Man kommt nicht einfach her und sagt: ‚Hier bin ich, ich übernehme jetzt Verantwortung.‘ Da muss man Leistung bringen – dann wächst die Rolle mit der Zeit." Sein Ansatz: Vorbild sein. "Meine Philosophie lautet ‚leading by example‘. Du kannst nicht von anderen etwas fordern, was du selbst nicht lebst." Tah beschreibt sich als Spieler, der viel kommuniziert, ohne der Lauteste zu sein. Wichtiger sei es, in entscheidenden Momenten den Überblick zu behalten.

Der Nationalspieler sieht sich als Organisator in der Bayern-Abwehr - IMAGO/Heuler Andrey

"Ich sehe mich in der Rolle des Organisators"

Gerade im Starensemble des FC Bayern ist das keine leichte Aufgabe. "Hier sind so viele Spieler, die schon viel gewonnen und erlebt haben – das ist definitiv noch mal etwas anderes" sagt er. Trotzdem weiß er um seine Qualitäten: "Ich sehe mich selbst am stärksten in der Rolle des Organisators innerhalb der Abwehrkette, aber auch davor. Ich möchte dafür sorgen, dass wir unser Mittelfeld und den Angriff defensiv bestmöglich absichern und gleichzeitig offensiv unterstützen."

Geprägt wird dieses Selbstverständnis auch von den Vorbildern, die ihn seit seiner Kindheit begleiten. Besonders Ronaldinho beeindruckte Tah nachhaltig: "Er hatte einfach Spaß am Spiel. Diese spezielle Leidenschaft – die hat er für mich repräsentiert." Auch heute noch orientiert er sich an Sportgrößen wie LeBron James. Darüber hinaus schöpft er Inspiration aus Persönlichkeiten außerhalb des Sports: "Für mich ist Nelson Mandela bis heute jemand ganz Großes, der sehr viel bewegt hat."

Auch wenn es um gesellschaftliche Themen geht, bezieht Jonathan Tah Stellung - IMAGO/Scott W. Coleman

"Wir dürfen uns nicht wegducken"

Wenn es um gesellschaftliche Fragen geht, bezieht Tah klar Stellung. Vor allem beim Thema Rassismus macht er seine Stimme hörbar: "Wir dürfen uns bei vermeintlichen Tabuthemen nicht wegducken. Wir müssen offen darüber sprechen – auch über unsere Gefühle.“ Besonders im privaten Umfeld habe er gemerkt, wie wichtig dieser Austausch sei: "Als ich mit meiner Frau zusammenkam, wusste sie vieles noch nicht, beispielsweise beim Thema Alltagsrassismus. Deshalb war es extrem wichtig, dass ich ihr erklärt habe, wie ich mich in bestimmten Situationen fühle und warum mich manches verletzt."

Tahs Einstellung spiegelt sich auch in seinem Wunsch wider, am Ende seiner Karriere als jemand in Erinnerung zu bleiben, der auch abseits des Platzes präsent war: "Dass ich ein authentischer Mensch war. Einer, der mutig war. Der immer versucht hat, Verantwortung zu übernehmen. Und der immer sein Bestes für den FC Bayern gegeben hat."

Quelle: FC Bayern München