München - Sein Arbeitstag endete auf Krücken. Humpelnd verließ David Alaba unmittelbar nach dem 2:0-Sieg des FC Bayern München gegen den AS Rom die Allianz Arena. Erst am Donnerstagnachmittag wird die genaue Diagnose erwartet, eine Knieverletzung droht eine mehrwöchige Pause nach sich zu ziehen. Ein Ausfall, der Trainer Pep Guardiola besonders schmerzt und die Freude über den vorzeitigen Achtelfinaleinzug in der Champions League trübt.

"Ich gratuliere meinen Spielern zur Qualifikation für das Achtelfinale nach vier Spielen", sagte Guardiola. "Aber die Verletzung von David ist sehr schade. Mit ihm verlieren wir einen super Typen, der auf allen Positionen spielen kann. Mit seiner Flexibilität ist er sehr wichtig für uns."

Defensivspieler mit Offensivdrang

Das zeigte der 22-Jährige auch wieder gegen die Roma. Auf dem offiziellen Aufstellungsbogen wurde der Österreicher noch als linker Verteidiger in der Dreierkette geführt. Doch bereits kurz nach dem Anpfiff wurde deutlich, dass Guardiola eine andere Rolle für ihn vorgesehen hatte. Alaba ordnete sich im zentralen Mittelfeld ein, suchte dabei immer wieder den Weg Richtung Strafraum und kurbelte vor allem im Zusammenspiel mit Franck Ribery das Offensivspiel der Bayern an.

Folgerichtig resultierte der Führungstreffer aus einer Kombination der beiden, die einst unter Jupp Heynckes eine gefürchtete Achse auf dem linken Flügel bildeten. Kein Wunder also, dass Alaba die meisten seiner Pässe zu Ribery spielte. Aber nicht nur als Passgeber trat Alaba gegen die Roma in Erscheinung, er suchte auch häufig selbst den Abschluss und hatte hinter Robert Lewandowski (fünf) die zweitmeisten Torschüsse (drei) aller Spieler zu verzeichnen. Obendrein sorgte er als Freistoßschütze für Gefahr.

In allen Pflichtspielen in der Startelf

"David ist ein kompletter Fußballspieler", lobte Guardiola seinen Schützling, der bis zu seiner Verletzung auch noch in die Rolle des zuvor ausgewechselten Xabi Alonso im zentralen defensiven Mittelfeld geschlüpft war. "Er beklagt sich nie und gibt immer 100 Prozent", ergänzte sein Coach. Das 1,80 Meter große Multitalent zählte zu einer der größten Stützen in Guardiolas System. Als einziger Feldspieler stand Alaba in allen 17 Pflichtspielen in dieser Saison in der Startformation.

Diese Serie wird nun reißen. Für die kommenden Wochen muss Guardiola seine ohnehin von Verletzungen gebeutelte Mannschaft umbauen. Immerhin soll Bastian Schweinsteiger in der Länderspielpause wieder ins Mannschaftstraining einsteigen.

Eine Rückkehr ins Wettkampfgeschehen ist beim Weltmeister aber noch nicht abzusehen, genauso wenig wie bei Thiago Alcantara. Nach Alabas Ausfall klafft daher gerade im Mittelfeld der Bayern eine Lücke. "Wir müssen uns dieser Situation anpassen und ich hoffe sehr, dass die anderen Spieler zurückkommen", sagte Guardiola.

Chance für Rückkehrer Rode

Eine Option für das kommende Spiel bei Eintracht Frankfurt ist auch Sebastian Rode. Der 24-Jährige feierte nach Alabas Ausfall sein Debüt in der Champions League und kennt sich in Frankfurt bestens aus. Vier Jahre spielte der defensive Mittelfeldspieler für die Eintracht, ehe er im Sommer dieses Jahres den Schritt zum Rekordmeister wagte.

Und er weiß, was die Bayern am Samstag erwartet. "Es wird kein einfaches Spiel. Bayern hat sich immer schwer getan in Frankfurt, das kann ich selbst bezeugen", unterstrich Rode. Er selbst zieht ein positives Zwischenfazit seiner ersten Monate bei den Bayern, auch wenn es in der Liga bislang nur zu fünf Einsätzen gereicht hat. "Ich habe gut hinein gefunden in die Mannschaft", sagte Rode. "Jetzt will ich weiter fit bleiben, im Training Gas geben und weitere Einsätze bekommen."

Nach dem frühzeitig gesicherten Gruppensieg in der Königsklasse, liegt bei den Bayern nun der Fokus voll und ganz auf der Bundesliga. "Wir haben nach der Länderspielpause noch einen Monat, den wir richtig durchziehen müssen", forderte Kapitän Philipp Lahm. "Dann haben wir zwei Wochen Urlaub, danach steht die Vorbereitung an und dann gehen wir wieder fit in die Rückrunde." Dann ist auch David Alaba wieder ohne Krücken unterwegs.

Aus München berichtet Maximilian Lotz