Köln - Der FC Augsburg lässt weiter die Puppen tanzen. Beim 1. FC Köln gelang den Schwaben mit dem 2:1-Erfolg der vierte Sieg in Folge und der sensationelle Sprung auf Platz 3. Und wie schon in der Vorwoche gegen den Hamburger SV sicherte sich die Elf von Trainer Markus Weinzierl die drei Punkte trotz eines Pausenrückstandes. Jetzt wartet am kommenden Samstag mit dem FC Bayern die ultimative Herausforderung auf den Underdog.

Der FCA ist derzeit in aller Munde. Die Mannschaft eilt von Sieg zu Sieg und stellte gerade mit dem vierten Dreier am Stück einen neuen Vereinsrekord auf, Halil Altintop war zu Gast im Aktuellen Sportstudio des ZDF. Und nun auch noch das: als Tabellen-Dritter fordern die Fuggerstädter auch noch Rekordmeister Bayern München zum absoluten Topspiel heraus. Die Bayern übrigens kassierten ihre letzte Auswärtsniederlage im April diesen Jahres in – Sie ahnen es - Augsburg.

Augsburg auch gegen Topteams ebenbürtig

"Die Bayern sind damals mit der C-Elf angetreten. Das können wir nicht werten, das war außer Konkurrenz", versucht Daniel Baier die letzte Begegnung herunterzuspielen. Aber die Zahlen lügen ja nicht. Die aktuellen Augsburger Werte sind top. Der FCA hat die drittmeisten Siege (acht) auf dem Konto, stellt die viertbeste Abwehr (erst 14 Gegentore), die viertbeste Heim- und auch Auswärtsmannschaft. Die Augsburger sind die einzige Truppe unter den Top 12 (!), die erst sechs Heim- aber schon acht Auswärtsspiele bestritten hat.

Diese Augsburger muss man inzwischen ernst nehmen, da sie eine Klassesaison auf konstant hohem Niveau spielen und eigentlich nur am 1. Spieltag bei der 0:2-Niederlage in Hoffenheim ihrem Gegner deutlich unterlegen waren. Selbst bei den danach folgenden knappen 0:1-Niederlagen bei Topteams wie Leverkusen, Wolfsburg und Schalke war die Weinzierl-Truppe ein mindestens ebenbürtiger Gegner.

"Wir schauen gerne auf die Tabelle, wissen aber auch, dass wir erst den 14. Spieltag haben", betreibt Daniel Baier Understatement. "Halil Altintop hat mal in Frankfurt eine Hinrunde mit 26 Punkten gespielt und ist noch abgestiegen. Wir haben mal eine Hinrunde mit neun Punkten gespielt und den Klassenerhalt geschafft. Es ist alles möglich. Wir halten den Ball flach."

Taktische Umstellung führt zum Auswärtsdreier

Damit ist der FCA bisher sehr gut gefahren. Die Truppe hat dieses von Spiel-zu-Spiel-schauen verinnerlicht und konzentriert sich nur auf den nächsten Gegner, den sie variabel bespielt. In Köln hieß die Marschroute zunächst einmal abwarten, den Ball hintenrum spielen und vermeiden, in die gefährlichen Kölner Konter zu laufen. Der Plan ging eine Halbzeit in die Hose, die Geißbockelf war die klar bessere Mannschaft und führte verdient. Nach dem Seitenwechsel änderte Augsburg die Taktik. Die Mannschaft  spielte zielstrebig nach vorne, drückte dem nun zaudernden FC ihr Spiel auf und kam auf 70 Prozent Ballbesitz im zweiten Durchgang. Die Tore fielen beinahe zwangsläufig.

Aber ein Sieg in Köln ist das Eine, Bayern München eine ganz andere Hausnummer. "Wir nehmen aus jedem Spiel noch mehr Selbstvertrauen mit und genießen es einfach. Wir werden jetzt alles in die Waagschale werfen, um gegen die Bayern einen Punkt mitzunehmen oder vielleicht sogar zu gewinnen", blickt Siegtorschütze Alexander Esswein voraus.

"Wir korrigieren unsere Ziele nicht"

"Halil Altintop hat ja letzte Woche schon gesagt, wenn wir gegen die Bayern gewinnen, spielen wir um die Meisterschaft“, lacht Daniel Baier. "Ich bin gespannt, wie er aus der Nummer wieder rauskommt. Also haben wir nächste Woche ein Sechs-Punkte-Spiel gegen die Bayern."

Trotz des bislang überragenden Abschneidens werden in Augsburg aber keine neuen Saisonziele ausgeben. Etwaige Champions-League-Ambitionen werden ins Reich der Fabel verwiesen. "Wir lassen uns jetzt einen Keks zu Weihnachten schmecken, dann schauen wir weiter", sagt Keeper Alexander Manninger. "Wir korrigieren unsere Ziele nicht. Erst wenn wir die Punkte haben, dass wir mit unten nichts mehr zu tun haben, können wir uns noch einmal zusammensetzen", ergänzt Daniel Baier. Das könnte schneller passieren, als er denkt.

Aus Köln berichtet Tobias Gonscherowksi