Augsburg - Der Ärger über den verpassten Sieg gegen den 1. FC Köln hielt sich in Grenzen. Die Erfolgsmeldungen verkündete der FC Augsburg schließlich schon vor dem Anpfiff. Mit den Vertragsverlängerungen von Halil Altintop, Paul Verhaegh und Alex Manninger bindet der Verein wichtige Schlüsselspieler, die ihrerseits mit ihren Unterschriften Zeichen setzen.

"Es ist für uns ganz wichtig, dass der Kern erhalten bleibt", sagte Stefan Reuter. "Sie sind absolute Führungsspieler, die der Mannschaft mit ihrer Erfahrung einfach guttun." Dem Geschäftsführer Sport, der unlängst selbst einen langfristigen Vertrag bis 2020 unterzeichnet hat, gelang es, Manniger ein weiteres Jahr, Altintop bis 2017 und Kapitän Verhaegh bis 2018 an den FCA zu binden.

Altintop vom Gesamtpaket überzeugt

Entsprechend groß war der Jubel der Fans, als die neuen Vertragslaufzeiten des Trios unmittelbar vor dem Anstoß auf der Videoleinwand der SGL Arena verkündet wurden. Stolz waren die Verantwortlichen des FC Augsburg vor allem auf Altintops Treuebekenntnis. "Wir haben viele Gespräche geführt", gewährte Markus Weinzierl einen Einblick in die Verhandlungen mit Altintop. "Jeder will wissen, wie die Planungen in den nächsten Jahren aussehen. Es waren gute Gespräche und Halil weiß auch, wie wichtig er für uns ist", ergänzte der Trainer.

Bei Altintops Entscheidung für den FC Augsburg spielte auch sein Coach eine wichtige Rolle. "Er hatte schon ein Zeichen gesetzt mit einem langfristigen Vertrag", sagte Altintop über Weinzierl, der zeitgleich mit Reuter bis 2019 verlängert hatte. "Ich habe mich dafür entschieden, was im Gesamtpaket das Beste für meine Familie und mich ist", betonte der 32-Jährige, der 2013 von Trabzonspor an den Lech wechselte.

Verhaegh muss nicht lange überlegen

Bereits seit 2010 spielt Kapitän Verhaegh für die Augsburger, über eine vorzeitige Ausdehnung seines ursprünglich bis 2016 datierten Arbeitspapiers musste der 31-Jährige nicht lange nachdenken. "Das ging alles ziemlich flott. Ich spiele mittlerweile fünf Jahre hier und habe bisher eine wunderbare Zeit erlebt", sagte der Niederländer. "Dieser Verein hat in den letzten Jahren enorme Schritte gemacht. Ich will den Weg mit dem FCA weiterverfolgen."

Und der führt womöglich für die Augsburger erstmals in die Europa League. Obwohl die Fuggerstädter bei der Nullnummer gegen Köln nicht zum ersten Mal in den vergangenen Wochen Punkte liegenließen, behaupteten sie gegenüber der weitgehend sieglosen Konkurrenz Platz sechs in der Tabelle. Die Aussicht auf das internationale Geschäft war auch für Routinier Manninger ein Grund, noch ein Jahr dranzuhängen. "So etwas zu schaffen, ist für diesen Verein wie ein kleiner Titel", sagte der Torhüter.

Mit Ü30-Trio in die Zukunft

Mit 37 Jahren ist Manninger der Älteste im Team, auch Altintop und Verhaegh sind bereits über 30. Die Vertragsverlängerungen des Trios erscheinen daher auf den ersten Blick nicht als Zeichen für die Zukunft. Doch Weinzierl entgegnet: "Die Jungs haben einen tollen Charakter, sind Führungsspieler und sind fit - von daher werden wir keine Probleme bekommen." Es sei eben schwer Spieler dieser Qualität im Alter von 22 oder 23 Jahren einzukaufen. "Von daher sind wir froh was wir haben und uns erarbeitet haben."

Mit einem Durchschnittsalter von 26,2 Jahren liegt der Kader des FC Augsburg in der Top 5 der ältesten Mannschaften in der Bundesliga. Manninger sieht die Sache mit dem Alter jedenfalls gelassen. "Das hindert einen nicht, alles zu geben. Es motiviert nur", betonte der Österreicher. "Es wird auch im nächsten Jahr so sein, dass ich vielleicht den einen oder anderen Zentimeter weniger hochspringe, dafür aber mehr Motivation mitbringe."

Reuter sieht es wie Beckenbauer

Und Manager Reuter ergänzte: "Beckenbauer hat einmal gesagt: Spielt, solange es geht, es gibt nichts Schöneres." Der ehemalige Rechtsverteidiger Reuter beendete erst kurz vor seinem 38. Geburtstag seine aktive Karriere. "Ich bin 2002 noch mal Meister geworden, da war ich deutlich älter als die Jungs jetzt."

Vom Meistertitel sind die Augsburger allerdings ein gutes Stück entfernt. Am kommenden Samstag geht es zum neuen und alten Titelträger Bayern München. Im Vorjahr gelang dem FCA allerdings gegen die damals bereits als Meister feststehenden Münchner ein Sieg. Und Altintop rechnet sich auch jetzt wieder Chancen aus: "In der letzten Saison haben wir in so einer Phase gezeigt, dass wir - wenn alles passt - gegen sie gewinnen können. Hoffentlich erwischen wir wieder so einen Sahnetag." Dabei spielt das Alter keine Rolle.

Aus Augsburg berichtet Maximilian Lotz