Rein rechnerisch ist der Klassenerhalt zwar noch nicht perfekt.

Doch allen Beteiligten war klar, dass der 1. FC Köln dank eines verdienten 1:0-Heimsieges gegen Werder Bremen für die neue Bundesliga-Saison planen kann.

Glückwünsche werden nicht angenommen

Bei neun Punkten Vorsprung auf den Relegationsplatz und nur noch vier Spieltagen wird bei den auf Rang 11 notierten Kölnern nichts mehr anbrennen.

Nur aussprechen wollten sie es noch nicht so richtig. Weder die Spieler, noch Trainer Christoph Daum oder Manager Michael Meier wollten Glückwünsche zum Klassenerhalt annehmen.

Rockige Rhythmen in der Kabine

Aber dass Borussia Mönchengladbach in den letzten vier Spielen alle zwölf Punkte holt, Arminia Bielefeld zehn, Energie Cottbus neun und der VfL Bochum acht während die Domstädter alle Partien verlieren, ist nicht sehr wahrscheinlich.

Und so feierten die Kölner Spieler ausgelassen auf dem Rasen mit ihren Fans den ersten Heimsieg seit November des vergangenen Jahres und auch später in der Kabine. Während die Medienvertreter in der Mixed Zone auf ihre Gesprächspartner warteten, dröhnten aus der Kölner Kabine rockige Rhythmen. Der Mannschafts-DJ hatte aufgelegt, und auch vereinzelte Freudenschreie waren unüberhörbar.

"Ein Zeichen gesetzt"

Der Druck war von allen Kölnern abgefallen, der nach zuletzt vier Niederlagen in Serie doch langsam zugenommen hatte. Der vermeintlich letzte fehlende Dreier zur Rettung wollte einfach nicht gelingen. Da kam die Rumpftruppe von Werder Bremen gerade recht.

"Wir feiern einen wichtigen Heimsieg. Es war wichtig, wieder daheim ein Zeichen zu setzen", freute sich Christoph Daum. "Wir haben uns einen Abstand zu den unteren Mannschaften verschafft, sind zwei Tabellenplätze höher gekommen. Es gibt sehr viele Gründe zum Feiern. Aber die Saison ist noch nicht zu Ende. Wir wollen noch einige Punkte holen, müssen vielleicht noch Punkte holen."

Novakovic bedankt sich

Matchwinner war wieder einmal Kapitän Milivoje Novakovic. Mit seinem 16. Saisontor sicherte der Torjäger den Kölner den Dreier.

"Es war wichtig, jetzt einen Sieg zuhause nachzulegen, nachdem wir so lange nicht mehr gewonnen haben", meinte der Slowene. "Ich kann mich nur bei der Mannschaft und den Fans bedanken, die hinter uns gestanden haben. Wir haben einen großen Schritt nach vorne gemacht, trotz des Ausfalls einiger wichtiger Spieler."

"Nicht der finale Dreier"

Bei der Freude über den Erfolg kam sogar FC-Manager Michael Meier ein wenig durcheinander, als er wiederholt vom ersten Heimsieg seit einem Jahr sprach. Ganz so lange mussten die Fans dann doch nicht darauf warten, aber immerhin acht Spiele, von denen fünf meist deutlich verloren gingen, darunter auch die prestigeträchtigen Derbys gegen Borussia Mönchengladbach (2:4) und Bayer Leverkusen (0:2).

"Wir haben dem Publikum viel zurückzugeben für die Loyalität, die Ausdauer und Leidensfähigkeit", atmete Meier auf. "Das krönt die Bemühungen, die wir die ganze Zeit auch in der Phase, in der wir eine Negativserie zu beklagen hatten, unternommen haben. Und es war das Wichtigste, dass der Erfolg im RheinEnergieStadion stattgefunden hat. Es ist der entscheidende Dreier, aber noch nicht der finale."

Matip spricht es doch aus

Die Spieler gelobten derweil, dass sie die restlichen vier Saisonspiele professionell angehen werden. "Wir müssen probieren, bis zum Saisonende gut zu spielen und diesen 11. Platz zu erreichen", forderte Milivoje Novakovic. Abwehrspieler Marvin Matip ergänzte: "Ich hoffe, dass wir die Saison nun endlich genießen können, weil wir mit dem Abstieg jetzt nichts mehr zu tun haben."

Hoppla, da hatte doch noch einer offen gesagt, was Sache ist. Der 1. FC Köln wird die Klasse halten und damit auch die Verpflichtung von Lukas Podolski endgültig perfekt machen. Noch ein Grund zum Feiern. Und das verstehen sie in Köln wie in kaum einer anderen deutschen Stadt.

Aus Köln berichtet Tobias Gonscherowski