Köln - Seine Tage als Einzelkämpfer sind gezählt. Seit dem 1. August 2010 wird Werder Bremens langjähriger Fanbeauftragter Dieter Zeiffer durch eine Kollegin und einen Praktikanten in der vielfältigen und zeitintensiven Fanarbeit unterstützt.

Das nun dreiköpfige Team, das als offizielle Abteilung "Fan- und Mitgliederbetreuung" bei Werder eingeführt wurde, repräsentiert gleichzeitig einen typischen Querschnitt durch die Bremer Fanszene.

Ideale Kandidatin

Julia Ebert leitet die neue Abteilung. Die 32-Jährige ist gebürtige Bremerin, Werder-Fan seit Kindesbeinen und studierte Politikwissenschaftlerin. Ideale Voraussetzungen, um die von Werder-Geschäftsführer Klaus-Dieter Fischer angekündigten Aufgaben und Ziele der Abteilung umzusetzen:

"Mit diesem Neubeginn wollen wir das gute Verhältnis zwischen Werder und seinen Anhängern - und dort bei allen Gruppierungen - weiter verbessern. Wir unterstreichen damit, welchen Stellenwert und welche Bedeutung wir der Kommunikation und Kooperation mit unseren Fans einräumen."

Mehr als 500 offizielle Werder-Fanclubs

Vor allem im letzten Jahrzehnt hat sich Werder Bremen von einem eher regional unterstützten Club zu einem der populärsten Vereine in der Bundesliga entwickelt. Mit der Folge, dass die Zahl der Fans, Mitglieder und Sympathisanten nahezu explosionsartig in die Höhe geschossen ist. Mehr als 500 offizielle Fanclubs, fast 40.000 Mitglieder und geschätzte 28 Millionen Sympathisanten wissen die Grün-Weißen hinter sich.

"Allein diese Zahlen verdeutlichen, dass eine Person mit der Aufgabe der Fanbetreuung überfordert ist. Jetzt können wir den Dialog und die Kommunikation mit allen Fangruppen durch unser größeres Team verbessern und den Service ausbauen. Es wird nun auch ein intensiverer Austausch mit dem Fanprojekt Bremen und dem Dachverband Bremer Fanclubs möglich sein. Es ist uns sehr wichtig, immer ein Ohr für die Wünsche und Ideen der Fans zu haben und diese Meinungen in den Verein weiterzutragen", sagt Julia Ebert.

"Immer ein Traum, für Werder zu arbeiten"

Die Entscheidung, ihre politische Arbeit als wissenschaftliche Referentin im Deutschen Bundestag gegen den aktuellen Beruf bei Werder Bremen zu tauschen, fiel Ebert nicht schwer: "Es war immer für mich ein Traum, für Werder zu arbeiten und für die Belange der Fans zuständig zu sein. Die Reaktionen aus der Fanszene waren auch durchweg positiv. Die meisten finden es gut und wichtig, dass Werder im Fan-Bereich aufgestockt hat."

In der von Männern dominierten Szene der Fanbetreuung mag eine Frau noch recht exotisch erscheinen: Doch nicht nur auf den Tribünen des Weserstadions machen Mädchen und Frauen inzwischen mehr als 30 Prozent der Besucher aus. Till Schüssler, der Praktikant der Abteilung "Fan- und Mitgliederbetreuung", kommt aus der Ultra-Gruppierung von Werder und bringt somit die Erfahrung dieser sehr aktiven Fanszene mit in die Vereinsarbeit.

DFL begrüßt Entwicklung

Thomas Schneider, Koordinator Fanangelegenheiten der DFL, begrüßt die Entwicklung bei Werder ausdrücklich: "Die Bremer beweisen mit ihrer Personalpolitik einmal mehr, dass man sich in einer integrativen Gestalterfunktion wohl fühlt und an nachhaltiger Partizipation interessiert ist. Damit ein Club in diesen Zeiten tatsächlich solche Prozesse moderieren und mitgestalten kann, ist es richtig, dafür auch die entsprechend ausgebildeten Fachkräfte einzustellen. Die DFL und unsere qualifizierten Netzwerke freuen sich jedenfalls schon sehr auf die Zusammenarbeit mit diesen exzellenten Fachleuten, von denen wir uns weitere Impulse für die Fanarbeit in der Bundesliga versprechen."