Köln - Für den Hamburger SV geht es darum, die enttäuschende Saison mit dem Klassenerhalt zu beenden. Der Karlsruher SC hingegen will sich für seine starken Leistung in der 2. Bundesliga mit dem Aufstieg belohnen. Bevor beide Teams am Donnerstag im Hinspiel der Relegation aufeinandertreffen, macht bundesliga.de den Fakten-Check:

Relegationserfahrung

Der Hamburger SV strebt die Relegations-Titelverteidigung an - ein Novum. Erstmals spielt ein Bundesligist zwei Mal in Folge die Relegation. Der 1. FC Nürnberg spielte 2009 und 2010 zwar ebenfalls zwei Mal in Serie die große Relegation (beide Male setzte sich der FCN durch), allerdings ein Mal als Zweitligist.

Der KSC spielt 2015 erstmals die "große" Relegation. 2012 zog der Zweitligist KSC unter Markus Kauczinski gegen den Drittligisten Jahn Regensburg überraschend den Kürzeren (damaliger Trainer beim Jahn war Markus Weinzierl).

Mutmacher...

…für den HSV: Gegen Karlsruhe feierten die Hamburger ihre beiden höchsten Bundesliga-Siege der Historie (8:0 am 12. Februar 1966 und 7:0 am 17. Mai 2008).

…für den KSC: Seit Wiedereinführung der Relegation setzte sich alle drei Jahre der Zweitligist durch: 2009, 2012 - und 2015?

Hennings im Fokus

Die Badener sind ziemlich abhängig von Rouwen Hennings: Der schussstarke Linksfuß ist Top-Torjäger der 2. Bundesliga und schoss 37 Prozent aller KSC-Treffer (17 von 46) - höchster Anteil im Unterhaus. Nach der Winterpause schoss Hennings sogar zwölf der 18 Treffer des KSC, also 67 Prozent. Außer Hennings schoss kein Karlsruher mehr als sechs Tore.

Standard-Stärke des HSV

40 Prozent aller Tore markierte der HSV nach Standards (zehn von 25) - dritthöchster Anteil in der Bundesliga. Vor allem gegen Ende der Saison belebte Bruno Labbadia die Torgefahr bei ruhenden Bällen: Die letzten fünf Saisontore des HSV fielen alle nach Standards und in sechs Partien unter Labbadia gelangen auch alle vier Kopfballtore des HSV 2014/15. Die neue Standard- und Kopfballstärke könnte auch gegen den KSC wichtig sein, denn die Badener kassierten überdurchschnittliche acht Kopfballgegentore und damit fielen 35 Prozent aller Gegentore per Kopf - höchster Anteil der Liga.

Der KSC kassierte über ein Drittel aller Gegentreffer nach ruhenden Bällen (neun von 26) - vierthöchster Anteil in der 2. Bundesliga.

Gefährliche KSC-Ecken

Karlsruhe schoss zwar die deutliche Mehrzahl der Tore aus dem laufenden Spiel heraus, gab aber auch nach Ecken ligaweit die meisten Torschüsse ab (91), was gegen den HSV durchaus zur Waffe werden könnte: Die Hamburger ließen im Oberhaus die zweitmeisten Abschlussaktionen nach Eckbällen zu (70) und kassierte überdurchschnittliche fünf Gegentore.

HSV braucht van der Vaart und Olic

Rafael van der Vaart ist nach abgesessener Gelb-Sperre in der Relegation wieder spielberechtigt, und gegen den KSC glänzte der Niederländer bisher: In zwei Ligaspielen gegen die Badener war van der Vaart an fünf Toren beteiligt (ein Treffer, vier Torvorlagen). Ivica Olic schoss in drei Bundesliga-Spielen gegen den KSC sogar drei Tore und zeigte sich schon zuletzt gegen Schalke als Mann der wichtigen Tore.

Vorsicht Konter!

Der HSV war in der Bundesliga das konteranfälligste Team der Liga (zwölf Gegentore), der KSC gehörte im Unterhaus hingegen zu den konterstärksten Mannschaften (neun Treffer).

Schlüsselspieler im Umschaltspiel der Badener sind Rouwen Hennings und Hiroki Yamada: Ex-HSVer Hennings erzielte sieben der neun KSC-Kontertore und wurde dabei fünf Mal vom Japaner eingesetzt.

Schwächste Offensive gegen beste Defensive

Der KSC stellt gemeinsam mit Darmstadt die beste Defensive der 2. Bundesliga und empfängt mit dem HSV die klar schwächste Offensive der Bundesliga.

Karlsruhe schoss im Unterhaus 21 Tore mehr (46) als der HSV eine Etage höher (25).

Zudem kassierten die Badener auch 24 Gegentreffer weniger (26) als die Hamburger (50) - der KSC schloss die Saison also mit einer Tordifferenz von +20 und der HSV von -25 ab.

Hamburg kann zu Hause vorlegen

Der HSV schoss 64 Prozent aller Tore in den Heimspielen (16), während Karlsruhe 73 Prozent aller Gegentreffer in den Gastpartien kassierte - vielleicht können die Hamburger im Hinspiel vor heimischer Kulisse schon für eine Vorentscheidung sorgen.

Spielstarke Karlsruher

Karlsruhe ist durchaus spielstark und erzielte 80 Prozent aller Tore aus dem laufenden Spiel heraus (37 von 46) - dritthöchster Anteil in Liga zwei. Der HSV kassierte fast drei Viertel aller Gegentreffer aus dem laufenden Spiel heraus (36 von 50). Beim HSV taten sich vor allem im Zentrum Lücken auf: 56 Prozent aller Gegentreffer entstanden durch die Spielfeldmitte (höchster Anteil in der Bundesliga) - dies könnte der KSC mit seinem guten Passspiel ausnutzten.