Drei großartige Tore, zwei riesige Komplimente und ein ambitioniertes Versprechen an die Fans. "In dieser Verfassung ist Grafite ein Weltklassestürmer", schwärmte Juande Ramos, neuer Trainer von ZSKA Moskau, nach der 1:3 (0:2)-Niederlage seines Teams.

Und als ob der Torjäger es gehört hätte, nutzte der Brasilianer das siegreiche Champions-League-Debüt des VfL Wolfsburg, um den neuen sportlichen Konkurrenten in der "Königsklasse" vollmundig den Kampf anzusagen: "Wir sind einer der besten Clubs. Europa lernt jetzt Wolfsburg kennen."

Glänzende Ausgangslage

Eiskalt wie eine Hundeschnauze hatte der Südamerikaner in der 36. Minute einen Alleingang abgeschlossen, fünf Minuten später einen Foulelfmeter absolut unhaltbar versenkt. Zwar konnten die Gäste durch Alan Dzagoev (77.) verkürzen, zehn Minuten später aber narrte der Bundesliga-Torschützenkönig gleich zwei Gegenspieler und staubte ungerührt ab. Da durfte auch ein großes Lob vom eigenen Coach nicht fehlen. Armin Veh: "Grafite hat drei Mal vor dem Tor die richtige Entscheidung getroffen, das macht einen Top-Stürmer aus."

Gegen den russischen Vize-Meister machte der 30-Jährige damit auch den entscheidenden Unterschied. Die Ausgangslage der Niedersachsen für die kommenden Wochen auf der internationalen Bühne ist glänzend. Am 30. September in "Old Trafford" gegen Manchester United kann der VfL als klarer Außenseiter ganz unbelastet aufspielen. Gelingt dann am 21. Oktober gegen Besiktas Istanbul ein weiterer Heimsieg, ist das Erreichen des Achtelfinals schon ganz nah.

"Die letzten Wochen waren nicht einfach"

Und auch für die Bundesliga soll der Erfolg gegen Moskau wieder neuen Rückenwind geben. "Endlich haben wir wieder den Offensiv-Fußball gezeigt, der uns stark macht", analysierte Nationalspieler Marcel Schäfer, der einräumte, dass die Pleitenserie von drei Niederlagen hintereinander an den Nerven gezerrt habe: "Die letzten Wochen waren nicht einfach."

Veh jedoch wollte die klare Leistungssteigerung des Bundesliga-Zehnten nicht nur an seiner neu strukturierten Taktik festmachen.

"Drei Stürmer allein sind kein Allheilmittel. Wichtig für unseren Erfolg war auch, dass alle drei auch gut nach hinten gearbeitet haben", erläuterte er. Auch Grafite kann sich mit gleich zwei Sturmpartnern - Edin Dzeko und Obafemi Martins - durchaus anfreunden, auch wenn dieses Spielsystem für ihn anstrengender ist: "Man muss da ganz schön viel rennen."

Jetzt wartet Schalke mit Magath

Möglicherweise wird dies der bullige Goalgetter, der die Hoffnung auf eine Berufung in die brasilianische Nationalmannschaft immer noch nicht ganz aufgegeben hat, bereits am Freitag (ab 20 Uhr im Live-Ticker/Liga-Radio) erneut tun müssen.

Denn dann kommt es auf Schalke zum Wiedersehen mit dem einstigen Wolfsburger Meistertrainer Felix Magath, der ihn vor zwei Jahren aus der zweiten französischen Liga in die Autometropole geholt hatte.