München - Lange Zeit haben sie an der Säbener Straße den Begriff "Europa League" bewusst nicht in den Mund genommen. In München ist man anderes gewohnt, als den vormals von Franz Beckenbauer titulierten "Verlierer-Cup".

Dass der FC Bayern München keinen Champions-League-Platz erreichen würde, ausgerechnet wenn das Finale in der Allianz Arena steigt, schien außerhalb der Vorstellungskraft. Außerdem war Rang 3 ja immer in Reichweite - und die Saison noch lange. Doch auch mit fortschreitender Spielzeit konnte der FC Bayern seinem eigenen Anspruch nicht gerecht werden und den lästigen Mitbewerber Hannover 96 abschütteln.

Zwei Niederlagen gegen Schalke

Drei Spieltage vor Schluss stellt sich an der Isar nun das mulmige Gefühl ein, dass es mit Platz 3, der zumindest für die Qualifikationsspiele der "Königsklasse" berechtigt, nichts werden könnte. Hannover (3:1 in Freiburg) liegt seit dem vergangenen Wochenende wieder einen Punkt vor dem Münchner Starensemble, das beim 1:1 aus Frankfurt nur einen Zähler entführte.

Dass die Münchner den Spieß nach dem kommenden Spieltag wieder zu ihren Gunsten umdrehen könnten, erscheint zumindest auf dem Papier fraglich. Während die Niedersachsen am Samstag Abstiegskandidat Borussia Mönchengladbach zu Gast haben, muss sich der FCB mit Schalke 04 herumplagen - ausgerechnet der Mannschaft, gegen die sie im Laufe der Saison schon zwei Mal den Kürzeren gezogen hatten.

"Vielleicht bleibe ich für immer hier"

Für Arjen Robben, der nach seiner Sperre zurück in den Bayern-Kader stößt, spielen Revanchegelüste im Spiel gegen die "Königsblauen" jedoch keine Rolle: "Ich glaube nicht, dass es eine besondere Motivation ist, Schalke zu schlagen. Wir müssten noch drei Spiele gewinnen, damit wir noch in die Champions League kommen. Das ist unsere größte Motivation - und nicht, dass wir schon zwei Mal gegen Schalke verloren haben."

Der Außenstürmer sieht sich nach seiner Sperre in der Pflicht: "Ich fühle eine Verantwortung gegenüber der Mannschaft und den Fans. Ich habe sie für zwei Spiele allein gelassen. Das tut mir wirklich leid." Für Robben ist der FC Bayern nach mittlerweile fast zwei Spielzeiten an der Isar zur Herzensangelegenheit geworden. Der 27-Jährige kann sich sogar vorstellen, seine Karriere in der bayerischen Landeshauptstadt zu beenden. "Vielleicht bleibe ich für immer hier. Nichts ist ausgeschlossen im Leben", sagt Robben bei "Sport1".

Der Niederländer ist vor allem von der familiären Umgebung des deutschen Vorzeigeclubs beeindruckt: "Die Atmosphäre hier ist richtig schön und die Reha ist ein super Beispiel dafür, wie man mit mir umgegangen ist, und dafür bin ich sehr dankbar. Sie haben mir alle Zeit gegeben und mich vom ersten Tag an unterstützt. Ich fühle mich sehr wohl hier und das hat auch viel zu tun mit den Leuten, die hier arbeiten."

Kopf-an-Kopf-Rennen mit Hannover

Doch nun wartet Schalke - und für Anatoliy Tymoshchuk gilt es im Spiel gegen die "Knappen", an die Leistung des letzten Heimspiels anzuknüpfen. "Wir müssen spielen wie gegen Leverkusen, nicht wie gegen Frankfurt", fordert der Ukrainer. "Aggressiv nach vorne, mit der gesamten Mannschaft - und nicht individuell." "Tymo" ist von der Leistung des Champions-League-Konkurrenten beeindruckt: "Ich habe sie gegen Freiburg gesehen, da haben sie schnell nach vorne gespielt und verdient gewonnen."

Dass der FC Bayern auf fremde Hilfe angewiesen ist, wurmt Robben am meisten. "Wir können nur unsere drei Spiele gewinnen und schauen, was Hannover macht. Das ist die Situation im Augenblick, wir können das nicht ändern. Die beiden Teams haben schon oft die Plätze gewechselt, ich hoffe, dass es noch einmal passieren wird."

Während der FCB am Ende noch auf St. Pauli und Stuttgart trifft, hat es Hannover ebenfalls mit Stuttgart sowie dem 1. FC Nürnberg zu tun. "Ich hoffe, sie holen nicht neun Punkte aus den letzten drei Spielen. Wenn es am Ende aber so sein sollte, dann haben sie es auch verdient und wir müssen ihnen gratulieren." Mit dieser Schreckensvision müssen sich die Bayern-Spieler befassen - noch bleibt an der Säbener Straße jedoch Zeit, sie zu verhindern.

Johannes Fischer