Mönchengladbach - Nach der unglücklichen 1:2-Heimniederlage gegen den Hamburger SV überwintert Borussia Mönchengladbach als Schlusslicht der Bundesliga-Tabelle. Die fünfte Pleite nacheinander lässt die Hoffnungen auf den Klassenerhalt weiter sinken. Doch aufgeben wollen die Borussen deshalb noch lange nicht.

Sie sind derzeit nicht zu beneiden, die Verantwortlichen von Borussia Mönchengladbach. Sportlich läuft nicht viel zusammen und von allen Seiten prasselt Kritik auf sie ein. Aber sie gehen offensiv mit der Krise um, stellen sich und reden Klartext. Allen voran Sportdirektor Max Eberl und Trainer Michael Frontzeck.

Eberl stärkt Frontzeck den Rücken

"Die Hinrundenbilanz ist katastrophal", gesteht Max Eberl offen. "Wir haben nur 10 Punkte und viel zu viele Gegentore bekommen. Wir haben uns alle gemeinsam in diese Situation gebracht. Der Sportdirektor mit der Kaderzusammenstellung, der Trainer mit der Arbeit auf dem Platz und die Spieler auch. Jeder hat seinen Teil dazu beigetragen. Deshalb ist es mir zu einfach, jetzt einen zu opfern, weil der es gewesen sein soll. Wir müssen alle gemeinsam aus der Misere herauskommen."

Eberl stellt sich demonstrativ hinter seinen Trainer und stärkt ihm den Rücken. Denn auch er kennt die Gründe für den anhaltenden Misserfolg. "Es sind Fakten, dass wir viele Verletzte haben. Das kann man ein paar Wochen kompensieren, aber nicht eine komplette Hinrunde", sagt Michael Frontzeck.

"In der Rückrunde durchstarten"

Zum unglaublichen Verletzungspech gesellen sich immer wieder haarsträubende individuelle Fehler. Doch im Gegensatz zu vielen anderen Spielen in dieser Saison, fiel die Borussia gegen den HSV nach dem ersten Gegentor nicht auseinander. Die Truppe wehrte sich, glich postwendend aus und hatte genügend Chancen, das Spiel zu gewinnen. Erst nach dem 1:2 war der Widerstand gebrochen.

Jetzt steht noch das Pokal-Achtelfinalspiel in Hoffenheim an, dann geht es in die kurze Winterpause. "Im Urlaub wird sich jeder seine Gedanken machen", meint Borussia-Mittelfeldspieler Thorben Marx. "Ich hoffe, dass wir dann die Köpfe frei haben und in der Rückrunde durchstarten."

Hoffnung auf die Rückkehrer

Die Pause kommt der Borussia gelegen. Alle Hoffnung wird nun darauf gesetzt, dass viele der verletzten Spieler zum Rückrundenstart wieder fit sind. Mit einem vollständigen Kader und ein bis zwei Verstärkungen soll in der Rückserie die große Aufholjagd gestartet werden.

"Es wird eine knüppelharte Rückrunde bei unserer Ausgangssituation. Aber wir haben noch die Möglichkeit, die Klasse zu halten", ist Frontzeck überzeugt. "Mit dem kompletten Kader haben wir eine Qualität, mit der es möglich ist, wesentlich mehr Punkte zu holen als in der Hinrunde", glaubt auch Max Eberl. "Wie weit wir es schaffen, wird man sehen."

Denn bei allem Optimismus sind die Borussen auch nicht blauäugig. Dass die Sache auch schiefgehen kann, ist ihnen voll bewusst. "Es wird verdammt schwer und lang", sagt der Sportdirektor. "Die Chancen werden von Spieltag zu Spieltag geringer. Die Chance ist gering, aber sie ist da."

Relegationsplatz noch in Sichtweite

Für die "Fohlenelf" spricht, dass sie eine vergleichbare Situation vor zwei Jahren gemeistert hat. Damals standen nach der Hinrunde nur 11 Punkte zu Buche, jetzt sind es 10 Zähler. Platz 16, der über die Relegationsspiele auch für den Klassenerhalt reichen könnte, ist bei derzeit fünf Punkten Rückstand noch in Sichtweite.

Vor zwei Jahren landete die Borussia mit vier Wintertransfers (Logan Bailly, Dante, Paul Stalteri und Tomas Galasek) vier Volltreffer. Der Abstieg wurde vermieden. "Damals ist es uns gelungen. Auch diesmal haben wir Spieler, die uns helfen können und wollen, im Visier. Ich hoffe, wir können die Abschlüsse vermelden, bevor wir ins Trainingslager gehen", kündigt Max Eberl an.

Aus Mönchengladbach berichtet Tobias Gonscherowski