Hamburg - Wenn Klaus Thomforde eines nicht hatte, dann Motivationsprobleme: "Es ist einfach unheimlich geil, in der Bundesliga Bälle zu halten. Da geht mir voll einer ab!", genoss St. Paulis Ex-Keeper jedes seiner exakt 100 Bundesliga-Spiele.

In 317 Spielen zwischen 1983 und 1999 stand Thomforde in einem Bundesliga-Duell gegen den "großen Nachbarn" Hamburger SV fünf Mal zwischen den Pfosten. Drei Mal hielt "Das Tier im Tor" ein Remis fest.

Derby ist einziges Thema

"Die Derbys brachten immer noch einen Extra-Kick", erinnert sich dass Motivationswunder. "Immerhin ist das Tage vorher und nachher das einzige Thema in der Stadt. Jeder spricht einen darauf an. Und als Verlierer ist es ein wahres Spießrutenlaufen."

Der mittlerweile 47 Jahre alte Kult-Keeper, von den Fans in die Jahrhundertelf des FC St. Pauli gewählt, bedauert, "dass ich nie ein Derby am Millerntor spielen durfte. Jetzt freu' ich mich drauf, das Spiel von der Tribüne zu erleben."

"Spieler werden alles geben"

"Es wird ein hartes Spiel, aber hoffentlich fair. Die Spieler werden alles geben, und die Fans werden sie nach vorn peitschen", so Thomforde, der heute seine Erfahrung als Torwarttrainer der U-16-Auswahl des DFB an den Nachwuchs weitergibt, in einem Gespräch mit bundesliga.de.

"Ich tippe auf ein 1:1", rechnet er nicht mit einem Sieg seines Ex-Clubs. "Der HSV ist gespickt mit Nationalspielern. Die lassen sich durch die Stimmung am Millerntor nicht so leicht verunsichern."

Nach dem Spiel gemeinsame Welle

Für das Duell am Sonntag hofft Thomforde auf eine Wiederholung des Lokal-Derbys vom 5. Mai 1996. Damals endete die Partie vor 51.432 Zuschauern im Volksparkstadion 1:1.

"Obwohl wir uns auf dem Platz nichts geschenkt haben, haben beide Mannschaften nach dem Spiel gemeinsam mit den Zuschauern die Welle gemacht. So sollen Derbys sein."

Jürgen Blöhs