Wolfsburg - Die Hinrunde des VfL Wolfsburg verlief sehr durchwachsen, doch mit vier Zählern aus den ersten beiden Spielen in der Rückrunde schöpft man bei den "Wölfen" wieder Mut.

Den 1:0-Erfolg in Mainz - der erste Sieg nach sieben Remis in Serie - besiegelte Simon Kjaer mit seinem Kopfball-Tor in der 82. Minute.

Vor dem Spiel gegen Tabellenführer Borussia Dortmund spricht der dänische Innenverteidiger exklusiv bei bundesliga.de über den Saisonverlauf der Wolfsburger, seinen Defensiv-Kollegen Arne Friedrich und wieso er eine gewisse Eingewöhnungszeit in der Bundesliga brauchte.

bundesliga.de: Herzlichen Glückwunsch zum ersten Bundesliga-Tor Ihrer Karriere. Wie haben Sie Ihren Treffer und den 1:0-Sieg gegen den 1. FSV Mainz 05 erlebt?

Simon Kjaer: Natürlich war es etwas Besonderes, das erste Tor in der Bundesliga zu schießen und dann auch noch ein entscheidendes! Aber wichtiger ist, dass wir in Mainz gewonnen haben und auf dem richtigen Weg sind. Wir haben hart gearbeitet, um die Rückrunde erfolgreich zu beginnen und in den letzten beiden Spielen haben wir die ersten Schritte gemacht.

bundesliga.de: Sie haben sich am Donnerstag im Training verletzt. Was ist passiert und ist Ihr Einsatz am Samstag gegen Borussia Dortmund gefährdet?

Kjaer: Ich bin mit dem Fuß umgeknickt und musste das Training beenden. Ich habe Probleme mit dem Sprunggelenk und man muss abwarten, ob es bis zum Samstag reicht.

bundesliga.de: Seit dem Rückrundenstart spielen Sie gemeinsam mit Arne Friedrich in der Innenverteidigung der "Wölfe". Wie verstehen Sie beide sich?

Kjaer: Wir brauchen natürlich Zeit, um uns aufeinander einstellen zu können. Die ersten beiden Spiele sind schon sehr gut gelaufen und wir haben schnell zueinander gefunden, aber es gibt auch noch vieles zu verbessern. Arne ist ein guter Spieler mit großer Erfahrung und ich kann viel von ihm lernen. Wir können uns mit der Zeit auf jeden Fall noch steigern, aber ich blicke sehr optimistisch in die Zukunft.

bundesliga.de: In der Hinrunde hatte es öfter den Anschein, als müssten Sie sich noch an die Bundesliga und die Art, wie hier Fußball gespielt wird gewöhnen. Was war neu?

Kjaer: Schwierig zu sagen. Ich brauchte persönlich einfach ein bisschen Zeit, um mich an die Veränderungen anpassen zu können und ein Teil des Teams zu werden. Es wurden von Anfang an hohe Erwartungen in mich gesteckt, aber ich brauchte einfach eine Weile, um mich einzuleben. Die Hinrunde ist ja generell für das Team nicht so gut gelaufen, wir haben Spiele unnötig verloren und unglückliche Tore kassiert. Da war natürlich das Selbstvertrauen nicht allzu groß. Ich bin aber insgesamt zufrieden mit meiner persönlichen Entwicklung. Ich bin auf dem richtigen Weg und die letzten Partien sind sehr gut gelaufen.

bundesliga.de: Bei der Weltmeisterschaft im vergangenen Sommer waren Sie im Alter von 21 Jahren einer der großen Geheimtipps. Was hat Sie damals bewogen, in die Bundesliga zu wechseln?

Kjaer: Ich wollte mich verändern und neue Erfahrungen sammeln. Ich habe in Italien sehr viel über Verteidigungsspiel und Taktik gelernt und dachte eigentlich, dass ich diese Erfahrungen hier anwenden kann. Doch dies ist nicht der Fall, denn in Deutschland wird eine ganz andere Art von Fußball gespielt und natürlich auch ganz anders verteidigt. In Italien ist die ganze Ausrichtung viel defensiver und es bleibt auch mehr Zeit, um dann in die Offensive umzuschalten. Es war also schon eine sehr große Veränderung, aber deswegen habe ich diesen Schritt auch gemacht, um mich weiterzuentwickeln. Ich konnte mich in Italien durchsetzen und jetzt auch in Deutschland.

bundesliga.de: Also haben Sie sich mittlerweile eingelebt?

Kjaer: Ich denke ja. Ich habe viel gelernt seit meinen ersten Spielen in der Bundesliga. Und je schneller du aus schweren Zeiten kommst, umso stärker bist du danach. Das Team und ich haben hoffentlich diese schweren Zeiten überstanden und wollen jetzt weitere Schritte machen.

bundesliga.de: Mit nur 26 Gegentoren stellt Wolfsburg die fünftbeste Defensive der Liga. Wo liegen die Gründe dafür?

Kjaer: Ganz ehrlich, ich persönlich bin nicht zufrieden mit den 26 Gegentoren. Es gibt noch viel zu verbessern und wir arbeiten hart daran. Wir haben, wie gesagt, in der ersten Saisonhälfte viele unnötige Tore bekommen und ich hoffe, wir können den positiven Trend aus den Spielen gegen Bayern und Mainz fortsetzen. Denn schlussendlich zählen nicht die Gegentore, sondern die Punkte.

bundesliga.de: In der Offensive hapert es oft noch in Sachen Spielaufbau und Chancenauswertung. Wieso?

Kjaer: Gute Frage. Wenn wir die Antwort hätten, dann hätten wir diese Probleme nicht. Das liegt einerseits natürlich auch am fehlenden Selbstvertrauen, andererseits haben wir mit Edin Dzeko einen guten Stürmer verloren. Jetzt brauchen wir auch ein bisschen Zeit und mehr Spiele, um uns auf die neue Situation einstellen und uns mit harter Arbeit auch hier verbessern zu können.

bundesliga.de: Davon abgesehen, wie muss sich das Team Ihrer Meinung nach verbessern?

Kjaer: Wir können uns noch in vielen Bereichen verbessern. Natürlich müssen wir mehr Tore schießen, besseren Fußball spielen. Fußball, den die Zuschauer sehen wollen. Wir haben die Qualität in der Mannschaft, um auch das Spiel zu machen und zu gestalten und nicht nur in der eigenen Hälfte auf den Gegner zu warten und zu verteidigen. Aber wie schon gesagt: Wir sind auf dem richtigen Weg und zurzeit ist es einfach wichtig zu sehen, dass wir drei Punkte einfahren.

bundesliga.de: Sie, Grafite und Sascha Riether sind angeschlagen, Tolga Cigerci fehlt wegen eines Mittelfußbruchs. Sind Verletzungen ein entscheidender Grund, warum es nicht so gut läuft?

Kjaer: Natürlich macht es die Aufgabe nicht einfacher. Uns fehlen jetzt einige wichtige Spieler, aber vielleicht besteht bei dem einen oder anderen doch die Möglichkeit auf einen Einsatz am Samstag.

bundesliga.de: Mit Borussia Dortmund kommt am Samstag die Mannschaft der Saison in die VOLKSWAGEN Arena. Was für ein Spiel erwarten Sie?

Kjaer: Ich erwarte ein gutes Spiel. Wir spielen gegen das Topteam der Liga, die wirklich eine gute Saison spielen und dafür verdienen sie Respekt. Aber es ist unser Heimspiel, wir brauchen Punkte und da muss es uns egal sein, wer kommt. Egal ob Dortmund oder ein anderes Team. Es ist eine Fußballmannschaft wie jede andere auch. Ich persönlich möchte, wenn ich zuhause spiele, immer auch gewinnen.

bundesliga.de: Der Vorsprung auf die Abstiegsränge beträgt nur vier Zähler, die internationalen Plätze sind zehn Punkte enfernt - Schauen Sie eher nach oben oder nach unten?

Kjaer: Ich persönlich schaue weder nach oben noch nach unten. Ich schaue immer nur von Spiel zu Spiel und hoffe, dass ich am Samstag spielen kann. Aber ich weiß natürlich, dass der Punktestand nach unten kleiner ist als der nach oben.

bundesliga.de: Trotzdem scheint das internationale Geschäft nicht außer Reichweite zu sein.

Kjaer: Wir hatte eine harte Hinrunde haben viele Punkte liegen gelassen. Also sollten wir derzeit nicht über die Europa League oder andere Dinge sprechen, denn noch sind wir zehn Punkte davon entfernt.

bundesliga.de: Welche Ziele haben Sie mit dem VfL Wolfsburg?

Kjaer: Mein Ziel ist es, ein Top-Verteidiger zu werden. Ich möchte Meisterschaften gewinnen und Champions League spielen. Das war auch der Grund für meinen Wechsel nach Wolfsburg. Ich möchte mit dem VfL Titel gewinnen.

Die Fragen stellte Gregor Nentwig