Ungeschlagen nach vier Spieltagen. Dazu punktgleich mit dem Tabellenführer - Bayer Leverkusen hat einen echten Traumstart in die Bundesliga-Saison 2009/10 hingelegt. Auch die Offensivabteilung zaubert unter der Leitung von Jupp Heynckes. Allen voran Stefan Kießling.

Der Stürmer harmoniert blendend mit seinen neuen Kollegen im Angriff. Zeugnis seiner hervorragenden Frühform sind die vier Tore, die Kießling bereits erzielte und damit ganz oben in der Torjägerliste steht.

Mit bundesliga.de spricht der Blondschopf über seine Leistungen und den gelungenen Saisonstart der Werkself. Auch das Thema Nationalmannschaft kommt zur Sprache - ebenso wie der nächste Gegner der Leverkusener, der VfL Wolfsburg. Dabei wird es ein wenig haarig…

bundesliga.de: Herr Kießling, Bayer Leverkusen hat einen Traumstart hingelegt. Wie ist die Stimmung in der Mannschaft?

Stefan Kießling: Gut natürlich. Wenn man so erfolgreich wie wir die Saison beginnt, wäre schlechte Stimmung wohl auch kaum nachvollziehbar. Aber unabhängig davon würden wir uns auch mit ein paar Punkten weniger noch keine Sorgen machen. Wir wissen, was wir können.

bundesliga.de: Für gepflegten Offensivfußball war Bayer ja schon immer bekannt. Aber was ist anders unter Jupp Heynckes?

Kießling: Wir spielen kontrollierter nach vorn als zuvor. Wir nehmen zur angemessenen Zeit auch mal das Tempo aus dem Spiel, üben mehr Kontrolle aus. Ständig am Anschlag zu spielen, kann auch dazu führen, im entscheidenden Moment nicht die optimale Konzentration zu haben.

bundesliga.de: Was dachten Sie, als Sie von der Verpflichtung Heynckes' als Trainer gehört haben?

Kießling: Ein sehr guter Trainer mit viel Erfahrung. Genau das hat sich bestätigt.

bundesliga.de: Schon in den vergangenen beiden Jahren spielte Bayer in der Hinrunde famos auf, brach am Ende aber ein. Was haben Sie daraus gelernt?

Kießling: Dass eine Saison eben sehr lang ist. Da genügt es nicht, im Hurra-Stil loszulegen, wenn man sich am Ende nicht ins Ziel retten kann. Nach hinten raus noch zulegen zu können - das zeichnet gute Mannschaften aus. Daran arbeiten wir und ich glaube, wir sind auf einem guten Weg.

bundesliga.de: Nun haben Sie sich gesagt, "Wer rasiert, verliert". Erst nach einer Niederlage soll der Bart ab. Wie kamen Sie auf diese Idee und erkennen Sie sich denn morgens im Spiegel noch?

Kießling: Ich hab die Sache ja nicht erfunden, im Eishockey ist das in den Playoffs doch die Regel. Andere Leute wechseln ihre Hemden nicht oder tragen immer dieselbe Uhr, bis eine Niederlage kommt. Ich verzichte jetzt einfach mal auf die Rasur. Die Welt hat schon Dramatischeres erlebt, glaube ich.

bundesliga.de: Sie selbst haben bislang an jedem der vier Spieltage getroffen. Würden Sie sagen, Sie sind in bestechender Form?

Kießling: Ich muss mir jedenfalls keine Vorwürfe machen, dass ich nichts reiße. Aber meine Form hängt natürlich im Wesentlichen von der Leistung der Mannschaft ab. Die spielt momentan erfolgreich und gut. Davon profitiere ich.

bundesliga.de: Haben Sie an irgendetwas in der Vorbereitung speziell gearbeitet, um besser zu werden?

Kießling: Ich arbeite immer daran, besser zu werden. Dabei sollte man sich nicht auf spezielle Dinge beschränken. Das hieße, andere Dinge schleifen zu lassen.

bundesliga.de: Sind Sie enttäuscht darüber, dass Sie nicht für das Länderspiel gegen Südafrika und das Qualifikationsspiel gegen Aserbaidschan nominiert wurden?

Kießling: Natürlich. Aber deshalb resigniere ich nicht. Ich muss mich eben weiter über meine Leistung im Verein anbieten.

bundesliga.de: Aber sicher ist die WM 2010 ein Thema für Sie?

Kießling: Eine Weltmeisterschaft ist für jeden Spieler ein Traum. Wenn man etwas erreichen will, muss man sich hohe Ziele setzen. Südafrika 2010 ist solch ein Ziel.

bundesliga.de: Nach der Länderspielpause geht es mit einem Gastspiel in Wolfsburg weiter. Kann Leverkusen auch dort punkten? Oder mit anderen Worten: Bleibt der Bart dran?

Kießling: Ich würde es mir wünschen. Jedenfalls fahren wir nicht nach Wolfsburg, um devot drei Punkte abzuliefern. Wir haben eine gute Mannschaft, Wolfsburg hat eine gute Mannschaft - da ist alles drin.

Die Fragen stellte Sebastian Stolz