Manchester - Der Presseraum des Etihad Stadiums in Manchester ist wie fast alles dort in den Vereinsfarben hellblau-weiß gehalten, so auch die Ledersitze, auf die sich am Montagabend Gladbachs Trainer Andre Schubert und Spieler Havard Nordtveit setzten. Beide freuten sich sichtlich auf das bevorstehende Duell mit "Citizens". Mit einem Sieg bei Manchester City kann Borussia Mönchengladbach aus eigener Kraft noch Dritter werden und sich für die Europa League qualifizieren. Das ist auch das erklärte Ziel.

Trotz Euphoriewelle: Die Fohlen sind geerdet

Seit seinem Amtsantritt am 21. September schwimmt Andre Schubert auf einer Erfolgswelle. Die Borussia hat er innerhalb kürzester Zeit vom letzten auf dem dritten Platz katapultiert. Vorläufiger Höhepunkt war das 3:1 am Samstag zuhause gegen den bis dato noch ungeschlagenen FC Bayern. In der Bundesliga hat Schubert aus zehn Partien 26 Punkte geholt (acht Siege, zwei Remis). Im Pokal setzte sich seine Mannschaft Ende Oktober gegen Schalke durch und auch in drei von vier Champions League-Spielen blieben die Fohlen unbezwungen.

Die Euphorie bei den Fans ist riesig. "Wir werden den Teufel tun und die Euphorie der Fans bremsen, aber wir wissen unseren Leistungsstand sehr gut einzuschätzen. Wir sind geerdet, bleiben cool und solange wir wissen, welches unsere Ziele sind, ist das alles okay. Wir werden alles geben und versuchen gegen diesen tollen Gegner zu bestehen", bilanzierte Schubert gewohnt nüchtern.

Schubert: Keine Rechnung mit City offen

Bisher nur einmal musste sich selbst Schubert mit einer Niederlage abfinden. Am 30. September setzte es im Borussia Park gegen Manchester City die einzige Pleite. 1:2 nach einem verwandelten Strafstoß des Argentiniers Sergio Agüero in der Schlussminute. "Eine Rechnung habe ich deswegen mit Manchester City nicht offen", erklärte Schubert, "uns geht es einzig um drei Punkte, um weiter international dabei zu sein."

Um den Weltklasse-Stürmer Agüero muss sich Schubert dieses Mal allerdings keine Gedanken machen, der Argentinier fällt verletzt aus. Auch der Ex-Bayer Martin Demichelis, der im Hinspiel zum 1:1 traf, wird wahrscheinlich am Dienstagabend nicht mit von der Partie sein. Für die Citizens geht es "nur" noch um den Gruppensieg, qualifiziert ist die Mannschaft von Trainer Manuel Pelligrini bereits.

Ausgangslage: Daumen drücken für Juventus

Für Gladbach ist die Ausgangslage denkbar einfach. Gewinnen die Fohlen sind sie auf jeden Fall Dritter. Bei einem Remis oder einer Niederlage muss die Borussia hoffen, dass im Parallel-Spiel Juventus Turin beim FC Sevilla punktet. "Das Spiel in Sevilla können wir ja nicht beeinflussen, aber wir drücken Juventus Turin natürlich die Daumen. Grundsätzlich wollen wir auch immer offensiv ausgerichtet sein. Wie und ob uns das gegen diesen starken Gegner gelingt, werden wir sehen. Wir wollen es aus eigener Kraft schaffen, international zu überwintern", erklärte Schubert selbstbewusst.

Mit welcher Taktik er das tun wolle, verriet der 44-Jährige noch nicht. Gegen die Bayern praktizierten die Fohlen erstmals ein 3-5-2-System. "Ich kann die Taktik natürlich noch nicht verraten, aber ein 3-5-2, wie wir es gegen die Bayern gespielt haben, ist sicher eine Option. Das Spiel gegen Manchester hat mit dem Bayern-Spiel aber nichts zu tun. Wir wissen aber jetzt, dass wir auch gegen eine der besten Mannschaften überhaupt bestehen konnten. Und das würden wir natürlich gerne auch zeigen. Aus dem Bayern-Spiel haben wir natürlich viel Kraft und Selbstvertrauen ziehen können, die wir auch mit ins Spiel nehmen wollen", so Schubert.

Nordtveit freut sich auf die Atmosphäre

Der Norweger Havard Nordtveit, der seit zwei Spielen auf der ungewohnten Position des Innenverteidigers spielt, freut sich schon ganz besonders auf das letzte Champions League-Gruppenspiel gegen den englischen Meister von 2014: "Das ist eine Top-Mannschaft, auch wenn sie seit dem letzten Wochenende nicht mehr Tabellenerster sind. Sie haben große individuelle Qualitäten, und wir müssen gut aufpassen. Aber in erster Linie freuen wir uns, dass wir hier sind. Das wird ein geiles Spiel - für uns und für die Fans."

Apropos Fans, insgesamt knapp 3.000 Gladbach-Anhänger werden im Etihad Stadium erwartet. Eine enorme Anzahl, das weiß auch der Norweger zu würdigen: "Unsere Fans sind immer bei uns. Ob in Italien, England oder sonstwo – sie sind immer da. Das ist eine tolle Unterstützung. Ich bin auch sicher, dass wir unsere Fans morgen im ganzen Stadion hören werden. Hoffentlich können wir auf dem Rasen auch dazu beitragen, dass die Stimmung gut sein wird."

Aus Manchester berichtet Alexander Barklage