Die Weltmeisterschaft in Südafrika (11. Juni bis 11. Juli) bietet neben dem Sport jede Menge Randgeschichten. bundesliga.de präsentiert diese täglich in den WM-Splittern:

++++ Trainer Sven-Göran Eriksson vom Geheimfavoriten Elfenbeinküste hat enormen Respekt vor der deutschen Nationalmannschaft. Es sei ein unglaubliches Phänomen, "dass die Deutschen vor jedem Turnier jammern, wie schlecht sie sind und dass sie keine Chance haben, und am Ende kommen sie nach einem durchschnittlichen Start doch wieder ins Halbfinale oder Finale", sagte der Schwede in einem Interview der Tageszeitung "Die Welt".

"Deswegen darf Deutschland nie unterschätzt werden! Nie, nie, nie!", sagte Eriksson weiter und fügte mit Blick auf seinen ehemaligen Arbeitgeber an: "Bei den Deutschen ist das anders als in England, wo die Leute denken, dass ihr Team das beste der Welt ist, und dann scheitert es früh." Diesmal allerdings traut er dem Weltmeister von 1966 dern großen Wurf zu: "Brasilien und Spanien sind sicherlich die Favoriten. Aber auch meine ehemalige Mannschaft hat gute Chancen. England hat fast dieselben Spieler wie vor vier Jahren, nur dass sie jetzt erfahrener und gefestigter sind. Und England hat einen Wayne Rooney in Topform." ++++

++++ Keeper Mark Schwarzer vom deutschen WM-Vorrundengegner Australien sieht in der deutschen Nationalmannschaft eine Schwäche bei den Torhütern. "Ich denke nicht, dass irgendeiner der drei im deutschen Kader stehenden Torhüter eine große Persönlichkeit ist", sagte der 37-Jährige der Sport Bild: "Es ist nicht mehr so, dass Deutschland einen Oliver Kahn oder einen Jens Lehmann hat, der einen sehr großen Einfluss auf die Mannschaft und die Leistung hat."

Vor der neuen Nummer 1 Manuel Neuer hat der Schlussmann des englischen Premier-League-Clubs FC Fulham wenig Respekt. "Deutschland hatte nach dem tragischen Tod von Robert Enke und der Verletzung von Rene Adler Probleme auf der Torhüter-Position", sagte Schwarzer: "Das sieht man ja daran, dass es zuletzt offene Debatten gab, wer die Nummer 1 bei der WM sein sollte." ++++

++++ Südafrikanische Tanz- und Musikgruppen haben am Mittwoch die slowakische Nationalmannschaft bei ihrer Ankunft auf dem Flughafen in Johannesburg empfangen. Die Maschine aus Paris landete mit 20-minütiger Verspätung, ansonsten erlebte der WM-Debütant eine reibungslose Anreise.

"Für uns alle geht mit der Teilnahme an dieser WM ein Traum in Erfüllung", sagte Slowakeis Co-Trainer Michal Hipp. Am Nachmittag stand für die Mannschaft ein erstes Training in Pretoria auf dem Gelände gegenüber der US-Botschaft auf dem Programm. Grund zur Freude hatten die Slowaken bereits am Tag zuvor, als Abwehrchef Martin Skrtel vom FC Liverpool bekannt gab, dass er seine Knöchelverletzung bis zum Auftaktspiel am Dienstag gegen Neuseeland auskuriert haben würde. ++++

++++ Zwei Tage vor dem WM-Eröffnungsspiel zwischen Gastgeber Südafrika und Mexiko befürchten die Organisatoren ein Verkehrschaos. "Es könnte zu Verkehrsproblemen kommen", sagte Rich Mkhondo, Sprecher des lokalen Organisations-Komitees. "Wir bitten die 90.000 Zuschauer, ihr Auto wenn möglich stehenzulassen. Es gibt Busse und Züge, die die Fans direkt vor dem Stadion absetzen."

Im Vorfeld der WM hatten Staus bei Veranstaltungen im Soccer-City-Stadion dafür gesorgt, dass viele Fans zu spät gekommen waren. Aus diesem Grund hatten die Organisatoren immer wieder auf den öffentlichen Personennahverkehr verwiesen. So bat am Dienstag Sibongile Mazibuko, WM-Koordinatorin der Stadt Johannesburg, die Zuschauer, frühzeitig anzureisen. "Gehen Sie vorher nicht in die Kneipe. Fahren Sie rechtzeitig ins Stadion, gucken Sie sich das Spiel an und gehen Sie dann in die Kneipe", sagte Mazibuko. ++++

++++ Der niederländische Kronprinz Willem-Alexander und 10.000 Oranje-Fans unterstützen die "Elftal" bei ihrem Auftaktspiel am Montag (14. Juni) gegen Dänemark. "Wir erwarten zu jedem Spiel rund 10.000 niederländische Zuschauer. Wir als Verband haben für jedes Vorrundenspiel 5000 Karten verkauft. Hier in Südafrika wohnen sehr viele Niederländer. Auch halten sich viele Touristen im Land auf", sagte Henk Kesler, Sportdirektor des niederländischen Fussballverbandes KNVB, bei einem Pressemeeting in Johannesburg. Kesler erwartet, dass sich viele Oranje-Fans Eintrittskarten vor Ort besorgen. ++++

++++ Für acht Stars der brasilianischen Nationalmannschaft war die Nacht in ihrem WM-Quartier in Randburg nahe Johannesburg am Mittwochmorgen früh beendete. Um 6 Uhr baten Dopingkontolleure des Fußball-Weltverbandes FIFA unter anderem die beiden Champions-League-Sieger Maicon und Julio Cesar von Inter Mailand zu einem unangekündigten Test.

"Für mich ist das nichts Neues, das kenne ich aus Europa. Das einzige Problem war, dass wir so früh geweckt wurden", sagte der ebenfalls kontrollierte Ersatztorhüter Gomes (Tottenham Hotspur) am Mittwochmittag und klagte schmunzelnd: "Ich musste auch noch als Erster ran." ++++

++++ Fabio Capello hat zum zweiten Mal innerhalb von drei Tagen die Fassung verloren. Der Trainer der englischen Nationalmannschaft reagierte am Mittwoch mit einem Wutausbruch und einer Schimpftirade auf die Fotografen, die das Training der "Three Lions" auf dem Royal Bafokeng Sports Campus in Rustenburg verfolgten. Nach dem verbalen Angriff stellten die Reporter vorübergehend die Arbeit ein. Bereits am Montag hatte Capello zwischenzeitlich die Beherrschung verloren. In der Halbzeitpause des Testspiels zwischen seiner Mannschaft und dem südafrikanischen Erstligisten Platinum Stars (3:0) schrie er seine Spieler wegen ihres angeblich mangelnden Einsatzes an.

Zu einem Zwischenfall kam es auch am Mannschaftshotel der Engländer. Nach einer filmreifen Verfolgungsjagd bei hohem Tempo verhafteten die zur Bewachung des Quartiers abgestellten Polizisten einen Kollegen, der gerade dienstfrei hatte. Der hochrangige Beamte wurde wegen Trunkenheit und Gefährdung der Verkehrssichertheit angeklagt. Er war auf der Straße vor dem englischen Quartier mit hoher Geschwindigkeit auf der falschen Fahrbahnseite gerast. ++++

++++ Die USA geht gestärkt von einer ungewöhnlichen Motivationsspritze in ihr erstes Spiel bei der WM gegen England am Samstag. Der legendäre Helikopter-Pilot Dan Jollota, dessen Einsatz in Somalia den Hollywood-Streifen "Blackhawk Down" inspiriert hat, hielt vor der Mannschaft von Coach Bob Bradley eine Rede über Tapferkeit und Teamwork.

Unter dem Motto "keiner wird zurückgelassen" referierte Jollota über den schwersten Kampfeinsatz der US Army seit dem Vietnam-Krieg. Mit der Mission "Blackhawk Down" versuchten Einheiten der USA und der UNO im Oktober 1993 in Mogadishu den Kriegsherrn Mohammed Farrah Aidid dingfest zu machen. 18 Mitglieder der Task-Force-Einheit und angeblich mehr als 1000 Somalier verloren dabei ihr Leben.

Neben Jollota sprach auch Bill Russell zu den US-Boys, mit elf Meisterschaften der erfolgreichste Spieler in der nordamerikanischen Basketballliga NBA. "Das war cool. Es war gut, das gemacht zu haben, das schweißt das Team zusammen. Sie haben uns gelehrt, unsere Egos zu vergessen, dass es ums Team geht", sagte Stürmer Clint Dempsey über den Besuch der beiden Legenden. ++++

++++ Die Nationalmannschaft von Honduras ist am Mittwoch in Südafrika gelandet. Die Mannschaft wurde von einigen Fans in traditioneller honduranischer Kleidung am Flughafen von Johannesburg begrüßt. Honduras reist ohne Verletzungssorgen an. Auch die zuletzt angeschlagenen Wilson Palacios und David Suazo sollen nach Angaben des Teamarztes am Kap wieder voll ins Training einsteigen. ++++

++++ Die algerische Nationalmannschaft kann bei der WM in Südafrika nun doch von Beginn an auf Torwart Fawzi Chaouchi zurückgreifen. Wie der algerische Fußball-Verband FAF mitteilte, hob die FIFA die Sperre des Keepers für die Begegnung am Sonntag gegen Slowenien und das anschließende Gruppenspiel gegen England auf.

Chaouchi hatte im Halbfinale des Afrika-Cups, das die Algerier gegen den späteren Sieger Ägypten verloren, die Rote Karte gesehen und war für drei Spiele gesperrt worden. Algeriens Nummer 1 hatte die Strafe bereits im anschließenden Spiel um Platz 3 und zwei Qualifikationsspielen für den nächsten Afrika-Cup verbüßt. Offenbar hatte die afrikanische Fußball-Konföderation CAF aber vergessen, die FIFA darüber zu informieren. ++++

++++ Fußball-Länderspiele erhöhen das Risiko eines Herzinfarkts nicht - außer in München. Mit dieser erstaunlichen Erkenntnis wartet das Gesundheitsökonomie und Klinische Epidemologie der Universität Köln rechtzeitig vor Beginn der WM auf. In der Studie wurden die Daten von 7,2 Millionen Versicherten ausgewertet und nach der Ursache von akuten Herzproblemen während der WM 2006 gefahndet.

"Im Ergebnis lässt sich außerhalb Münchens kein statistischer Zusammenhang zu den Länderspielen herstellen", sagte der Kölner Institutsleiter Markus Lüngen der Süddeutschen Zeitung. Die Zahl der Herzprobleme sei bei Länderspielen mit deutscher Beteiligung sogar signifikant niedriger gewesen. Das habe selbst beim Viertelfinalsieg des deutschen Teams gegen Argentinien nach Elfmeterschießen gegolten.

"Für die deutsche Gesamtbevölkerung außerhalb der Region München besteht kaum ein erhöhtes Risiko für kardiovaskuläre Ereignisse durch spannungsgeladene Sportveranstaltungen", wird in der Studie bilanziert. Über die Ursache der besonderen Gefährung von München gibt Lüngen nur augenzwinkernd Vermutungen ab. Zum Beispiel könne es sein, dass die Einwohner spannungsgeladene Fußballspiele schlichtweg nicht gewohnt seien, weil Bayern München in der Dekade vor der WM sechs von zehn Meistertiteln gewonnen habe. ++++

++++ Ein geheimnisvolles Virus hat den dänischen Nationaltrainer Morten Olsen auch am Mittwoch ans Bett gefesselt. Der 60-Jährige konnte am Morgen nicht wie geplant mit seiner Mannschaft im WM-Quartier im südafrikanischen Knysna am Ausflug in das örtliche Township teilnehmen.

"Morten durfte auch heute wieder länger schlafen", sagte der dänische Assistenz-Trainer Peter Bonde über seinen Chef, der wegen der Erkrankung schon am Dienstag das Mannschaftstraining verpasst hatte. Ob Olsen weiter an Fieber leidet und ob er womöglich für das Auftaktspiel am Montag gegen die Niederlande (13.30 Uhr/ARD und Sky live) ausfällt, wollte Teamarzt Sören Kaalund nicht kommentieren. Die Tageszeitung Politikken schrieb vom "rätselhaften Olsen-Fieber".

Gute Nachrichten gab es indes von Thomas Sörensen. Der Torwart, der sich vor einigen Wochen schwer am Ellenbogen verletzt und daher keines der Vorbereitungsspiele bestritten hatte, kann gegen Oranje wie erwartet spielen. "Ich habe keine Schmerzen mehr und fühle mich fit. Ich habe zwar ein paar Einheiten und die Spiele verpasst, aber ich bin bereit", sagte der Keeper von Stoke City Ekstrabladet. ++++

++++ Australien bangt vor seinem WM-Auftaktspiel gegen die deutsche Nationalmannschaft um seinen wichtigsten Spieler. Tim Cahill vom FC Everton, Dreh- und Angelpunkt in der Offensive der Socceroos, musste fünf Tage vor dem Duell in Durban am Sonntag (20.30 Uhr/live im ZDF und bei Sky) nach dem Aufwärmen das Training mit der Mannschaft abbrechen.

Der 30-Jährige konnte lediglich leichte Läufe absolvieren, während der Rest des Teams im Trainingsspiel voll zur Sache ging. Cahill hatte im WM-Test gegen die USA eine Verletzung der Nackenmuskulatur erlitten, die ihn nach wie vor behindert. Harry Kewell (Galatasaray Istanbul) und Brett Emerton (Blackburn Rovers) dagegen absolvierten wieder das volle Programm. ++++

++++ Der Weltmeister ist da: Die italienische Nationalmannschaft ist am Mittwochmorgen in Südafrika angekommen. Trainer Marcello Lippi und sein 24-köpfiger Kader landeten um 8:53 Uhr mit einer Boeing 777 der Fluggesellschaft Alitalia zehn Minuten früher als geplant. Die Mannschaft wurde von rund 20 fahnenschwenkenden Fans empfangen und unter erheblichen Sicherheitsvorkehrungen zum Bus geleitet.

Andrea Pirlo, wie alle Teamkollegen in einen piekfeinen Designer-Anzug gekleidet und mit Sonnenbrille auf der Nase, humpelte aus dem Flieger. Der Mittelfeldstar vom AC Mailand leidet an einer Wadenzerrung, Andrea Cossu von Cagliari Calcio ist als potenzieller Ersatz mitgereist.

Die "Squadra Azzurra" bezog am Vormittag ihr nobles Quartier Leriba Lodge in Centurion bei Pretoria. Am Nachmittag war das erste Training in Südafrika angesetzt. ++++

++++ Neuseelands stellvertretender Kapitän Tim Brown hat von den Teamärzten grünes Licht für die WM erhalten. Der 28 Jahre alte Mittelfeldspieler bestand 13 Tage nach seiner Schulter-Operation einen eineinhalbstündigen Härtetest in Auckland und wird am Donnerstag nach Südafrika reisen. Die Ärzte sprachen von einem kleinen medizinischen Wunder.

Brown hatte sich am 24. Mai im WM-Test der Neuseeländer gegen Australien in Melbourne den Oberarmknochen gebrochen. Der Bruch wurde drei Tage später mit drei Schrauben fixiert. Üblicherweise trägt man nach solch einem Eingriff den Arm sechs Wochen lang in einer Schlinge, Brown wurde sie bereits nach einer Woche los. Die Sorgen der Öffentlichkeit kommentierte er mit Humor: "Jeder sagt ständig nette Dinge über mich. Ich fühle mich wie bei meiner eigenen Beerdigung. ++++

++++ Mehrere bewaffnete Täter haben in der Nacht zu Mittwoch das Hotel Nutbush Boma Lodge überfallen, in dem während der WM in Südafrika vorwiegend portugiesische Journalisten untergebracht sind. Der Fotograf Antonio Simone von der Zeitschrift O Jogo soll eine halbe Stunde lang mit einer Pistole bedroht worden sein. Nach Angaben spanischer und portugiesischer Medien entwendeten die Täter zudem sämtliches Bargeld, sowie die Arbeitsausrüstung und Koffer der Journalisten.

Verletzt wurde bei dem Überfall nach ersten Angaben niemand. 40 Polizisten rückten erst an, als die Täter schon geflohen waren. Die Beamten haben mit den Ermittlungen und Zeugenaussagen begonnen. Der Fußball-Weltverband FIFA wurde über den Vorfall informiert. Durch den Überfall ist die Sicherheitsdiskussion in Südafrika neu entfacht worden. ++++

++++ Die südafrikanische Regierung hat ein hartes Durchgreifen im Kampf gegen den Verkauf illegaler Tickets bei der WM angekündigt. Regierungssprecher Themba Maseko hielt die Fans dazu an, die Stadien, Fanparks und Public-Viewing-Zonen nicht ohne gültiges Ticket zu betreten.

"Personen, die in Besitz illegaler Karten sind, werden strafrechtlich verfolgt", teilte Maseko mit. Auch gegen Krawallmacher will Südafrika scharf vorgehen. "Die Regierung wird kein ungebührliches, unruhestiftendes und gefährliches Verhalten dulden, das die Besucher von öffentlichen Veranstaltungen stören könnte", heißt es weiter in der Mitteilung. ++++

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