Hannover - Tristesse bei Hannover 96: Auch das sechste Rückrundenspiel konnten die Roten nicht gewinnen. Nicht einmal zuhause gegen den Tabellenletzten VfB Stuttgart. Gemeinsam mit den Schwaben sind die 96er im Jahr 2015 noch sieglos (zur Tabelle). Das Wort Abstiegskampf wollen die Verantwortlichen bei Hannover aber dennoch nicht in den Mund nehmen.

"Die Mannschaft ist intakt und hat nach dem 0:1 eine Reaktion gezeigt. Unter der Woche haben wir extrem konzentriert gearbeitet", lobte 96-Trainer Tayfun Korkut seine Mannschaft nach dem faden 1:1 in der HDI-Arena. Mehr als den Teamgedanken in den Fokus zu rücken, bleibt dem Coach derzeit auch nicht über.

"Nervosität war zu spüren"

Die Niedersachsen wirkten verunsichert und ohne das nötige Selbstvertrauen, was angesichts sieben Spielen ohne Sieg aber auch normal zu sein scheint. "Das war kein gutes Spiel von uns, eine gewisse Nervosität war zu spüren", gab Korkut hinterher zu. Der Trainer vermied das Wort Abstiegskampf und sprach stattdessen von einer "Ergebniskrise".

"Arbeiten, arbeiten und nochmals arbeiten", lautete die Devise von Abwehrspieler Christian Schulz nach dem Spiel. Den unbedingten Siegeswillen ließen die Hannoveraner vor allem zu Beginn der Partie vermissen. Der Gast aus Stuttgart war die spielerisch bessere Mannschaft und auch in puncto Einstellung eher auf den Abstiegskampf eingestellt. "Dass das hier kein Fußballfest werden würde, war uns klar", sagte Ron-Robert Zieler nach dem Spiel. Positiv sei allerdings, "dass wir nach dem 0:1 zurückgekommen sind und dann auch noch das Siegtor erzielen wollten", so der 96-Keeper weiter.

Erfolgserlebnis erarbeiten

Sportchef Dirk Dufner ergänzte: "Wenn einer Mannschaft über einen gewissen Zeitraum die Erfolge fehlen, geht sie eben nicht mit breiter Brust in die Spiele. Wir müssen das durch Erfolgserlebnisse vergessen machen." Trotz der angespannten Situation und nur vier Punkten Vorsprung auf den Relegationsplatz nahm das Wort Abstiegskampf noch kein Hannoveraner in den Mund. Viel mehr sprachen Spieler und Trainer von schwierigen Wochen, die dem Team nun bevorstehen.

Hannover vor schwierigen Wochen

In der Tat heißen die nächsten Gegner FC Bayern München, Borussia Mönchengladbach und Borussia Dortmund. Doch vor Ehrfurcht erstarren wollen die Niedersachsen nicht. "Angst ist ein schlechter Ratgeber. Klar, haben wir jetzt starke Gegner vor der Brust, aber wir werden uns der Herausforderung stellen", so Zieler.

Schon am Samstag kommt es zum Duell mit dem Rekordmeister. Das Hinspiel in München verloren die 96er deutlich mit 0:4. Derzeit spricht nichts dafür, dass es am kommenden Wochenende besser laufen sollte. Trotzdem bleibt Trainer Korkut realistisch: "Es geht auch gegen Bayern bei 0:0 los. Keiner von uns wird sich vorher schon ergeben. Wir werden ruhig weiterarbeiten." Der gegen den VfB eingewechselte Leonardo Bittencourt hat auch gegen die schier übermächtigen Bayern ein Fünkchen Hoffnung auf Punkte. "Es wird nicht leicht, aber nichts ist im Fußball unmöglich. Wir müssen Bayerns klitzekleine Schwächen nutzen."

Optimismus ist weiter da

Einen Bärendienst erwies Lars Stindl mit seiner Gelb-Roten Karte seinem Team. Der Kapitän fehlt jetzt ausgerechnet im Duell mit den Bayern. Es war im 146. Bundesliga-Spiel sein erster Platzverweis (Topdaten zum Spiel H96 - VfB). Der Mittelfeldspieler stellt aber mit seinem Treffer zum 1:1-Ausgleich seinen persönlichen Torrekord ein. Vier Tore hat er nun auf seinem Konto, so viele Treffer hatte er bisher nur einmal in einer Saison erzielt (Torjägerliste).

Stindl darf erst wieder beim Auswärtsspiel in Mönchengladbach mitwirken. "Ich bin weiterhin optimistisch. Wir haben eine charakterstarke Mannschaft und werden die Köpfe nicht hängen lassen. Gegen Gladbach und Dortmund haben wir in der näheren Vergangenheit schon gewonnen. Es wäre schön, wenn wir mal in Führung gehen würden", erklärte Bittencourt stellvertretend für die Mannschaft abschließend.

Aus Hannover berichtet Alexander Barklage