Bruno Labbadia zählt derzeit zu den gefragtesten Personen im deutschen Fußball. Für seinen Ex-Club Arminia Bielefeld nahm sich der Trainer von bayer Leverkusen dennoch Zeit für ein ausführliches und ehrliches Interview.

Frage: Die Vorstellung von "Ihrem" Fußball können Sie als Trainer, der das große Ganze lenkt, vermutlich besser umsetzen als zu Spielerzeiten, als Sie einer von Elfen waren.

Bruno Labbadia: Man kann beide Jobs nicht miteinander vergleichen. Als Spieler hatte ich den schönsten Beruf, jetzt habe ich den zweitschönsten. Der Spieler kann Erfolgserlebnisse mehr auskosten, der Trainer ist sofort auf der Suche nach dem richtigen Ansatz für die Fortführung des Erfolgs. Das Ganze im Blick zu haben, kann sehr schön sein, es kann aber auch sehr belasten, wenn es nicht läuft.

Frage: Vor allem die Offensive der Leverkusener wird allseits gelobt. Dabei wird beinahe übersehen, dass Bayer zudem die zweitbeste Defensive der Liga aufweist. Ist Angriff die beste oder zumindest bessere Verteidigung?

Labbadia: Nein, bei uns muss einfach jedes Rädchen ins andere greifen, damit wir so funktionieren wie im Moment. Vieles ist genau abgestimmt und jeder muss sich eine gewisse taktische Disziplin aneignen, für die Mannschaft und für die Defensive. Stürmer müssen zwar nicht in den eigenen Strafraum, aber sie müssen eben ein Stück nach hinten mitarbeiten. Gleichzeitig werden sie dafür belohnt, indem sie mehr Chancen erhalten. Das halte ich für unser Rezept und Erfolgsgeheimnis. Gegen einen hochdisziplinierten Gegner wie Schalke 04 haben wir zum Beispiel gezeigt, dass wir nicht nur durch die Offensive auftrumpfen, sondern auch schnell umschalten und gegen den Ball arbeiten.