Er ist der Mann der Stunde beim Bundesliga-Tabellenführer Hamburger SV: Piotr Trochowski.

Nicht nur, dass er die deutsche Nationalmannschaft in der WM-Qualifikation gegen Wales zum 1:0-Sieg schoss, auch gegen Schalke war er am Wochenende Torschütze.

Am Ende reichte es im Spitzenspiel zwar nur zu einem 1:1, doch der 24-Jährige ist auch so der große Gewinner der vergangenen Wochen beim HSV.

Aus van der Vaarts Schatten

Der gebürtige Pole ist aus dem Schatten des zu Real Madrid abgewanderten Mittelfeld-Regisseurs Rafael van der Vaart herausgetreten. Die meisten Torschüsse (4) und die meisten Ballkontakte (70) gegen Schalke zeigen exemplarisch die Bedeutung des Nationalspielers im Team des HSV.

"Ja, ich würde sagen, er hat sich freigeschwommen", sagte HSV-Idol Uwe Seeler bei "Premiere", "das Tor in der Nationalmannschaft hat ihm natürlich auch noch einmal einen Schub an Selbstvertrauen gegeben."

Konsequenz der Entwicklung: "Jetzt führt er eine Mannschaft mit sehr viel Selbstvertrauen. Wenn er das die ganze Saison macht, dann können wir auch Meister werden."

"So müssen wir auch auswärts antreten"

Trochowski selbst will sich diesbezüglich noch nicht aus dem Fenster lehnen. "Wir sind an erster Stelle und werden alles dafür tun, da oben zu bleiben. Aber es ist noch viel zu früh, um wir sagen: Wir werden Deutscher Meister."

Am Donnerstag geht es im UEFA-Pokal nach Zilina, vier Tage später kommt es in Hoffenheim zum Duell Tabellenzweiter gegen Tabellenerster. Zwei Spiele, in denen der HSV einen Trochowski in Topform gut gebrauchen kann.

"Viel Druck, viele Torchancen. Genauso müssen wir auch auswärts antreten. Wir sind immer gut für ein zwei Tore und dann kommen wir beide Male mit drei Punkten wieder", prophezeit Trochowski.

"Er hat einen Lauf"

"Troche hat sicher einen kleinen Lauf. Er fühlt sich gut und hat Selbstvertrauen. Und das ist natürlich auch gut für das ganze Team", sagt Trainer Martin Jol.

Trochowski kommt der offensivere Stil unter Jol entgegen. "Wir haben letzte Saison mit Huub Stevens etwas defensiver gespielt", erklärt er. Jetzt unter Jol sei es für ihn einfacher, "nach vorne zu spielen und das Risiko zu suchen. Ich komme mehr zur Geltung."

Auch Trochowskis Stellenwert in der Nationalelf hat sich durch die Entwicklung in dieser Saison verbessert. "Er hat einen klaren Sprung nach vorne gemacht, auch in der Nationalmannschaft", sagt Bundestrainer Joachim Löw.

Lob von Löw

Gegen Wales stand Trochowski seit der EM bereits das fünfte Mal in Folge in der Startelf und es gelang ihm in seinem 17. Länderspiel endlich sein erster Treffer. "Er war immer schon ein guter Fußballer, aber er hat es nicht geschafft, sein ganzes Potenzial auch im Spiel zu zeigen", sagt Löw über den 24-Jährigen, "schön, dass ihm jetzt das Tor gelungen ist."

Apropos Tore. Erstmals zeigte Trochowski am Sonntag gegen Schalke nach seinem Treffer einen besonderen Jubel: einen Salto. Warum? Nun, "ich wollte auch mal zeigen, dass ich 'n Salto kann."

Und was kommt beim nächsten Tor? "Mal gucken", sagt Trochowski, "ich lass mir was einfallen."

Aus Hamburg berichtet Thanh Nguyen