Frankfurt/Main - Michael Ballack verzichtet auf das ihm angebotene Abschiedsspiel gegen Brasilien: Einen Tag nach seiner Ausbootung aus der deutschen Nationalmannschaft attackierte der 34 Jahre alte Mittelfeldspieler von Bayer Leverkusen Bundestrainer Joachim Löw.

"Ich habe im Urlaub erfahren, dass der Bundestrainer nicht mehr mit mir plant", sagte Ballack: "Form und Inhalt der Mitteilung sind leider bezeichnend dafür, wie sich der Bundestrainer mir gegenüber seit meiner schweren Verletzung im Sommer letzten Jahres verhalten hat."

Löw hatte am Donnerstag via Pressemitteilung seine Entscheidung gegen den "Capitano" öffentlich erklärt.

"Ein längst vereinbartes Freundschaftsspiel jetzt als Abschied zu deklarieren, ist aus meiner Sicht eine Farce. Ich weiß, dass ich meinen Fans dieses Spiel eigentlich schuldig bin, aber ich kann dieses Angebot nicht annehmen", sagte ein enttäuschter Ballack am Freitag.

DFB verteidigt Vorgehen

"Es ist schade, dass Michael so reagiert", sagte DFB-Generalsekretär Wolfgang Niersbach in einer ersten Reaktion. "Seit Ende März stand der Bundestrainer ständig mit ihm in Kontakt und hat in aller Offenheit mit ihm über seine sportliche Situation geredet, weil er das verdient hat." Das Angebot eines Abschiedsspiel hätten "alle, besonders Joachim Löw, total ehrlich gemeint".

Laut Löw habe Ballack in dem Gespräch Ende März aber "durchaus Verständnis" für die Sichtweise der Nationalmannschaftsführung gezeigt. "Im Interesse aller ist eine ehrliche und klare Entscheidung angebracht", sagte Löw.

Nach DFB-Darstellung kannte Ballack seit dem Gespräch am 30. März Löws Meinung über seine sportliche Zukunft. Es seien damals Stillschweigen und nach einer Bedenkzeit ein neues Gespräch vereinbart worden. Dieses sei nach den letzten Länderspielen nicht in die Tat umgesetzt worden, weil der Kontakt nicht zustande gekommen sei.