Null-Tore-Stürmer Wayne Rooney zerbricht sich den Kopf über seine Flaute, den traditionellen Elfmeter-Versagern zittern schon die Knie.

Während der vermeintliche Star-Angreifer Rooney im WM-Camp der englischen Nationalmannschaft von Teammanager Fabio Capello eine Seelenmassage erhielt, brach bei Keeper David James vor dem Achtelfinale gegen Deutschland am Sonntag in Bloemfontein die Panik vor einem möglichen Elfmeterschießen aus (So. ab 15:30 Uhr im Live-Ticker).

Das englische Trauma

"Ich hoffe, dass wir das nicht erleben. Wir wollen das Spiel in 90 Minuten gewinnen, spätestens in der Verlängerung. Ein Elfmeterschießen ist zwar auch ein möglicher Ausgang der Partie, aber dann könnte man auch eine Münze werfen", sagte der 39 Jahre alte Schlussmann vom Premier-League-Klub FC Portsmouth am Freitag in Rustenburg.

Viermal ist England seit 1990 bei großen Turnieren aufgrund von Niederlagen im Elfmeterschießen gescheitert. Bei der WM 1990 und der EM 1996 jeweils im Halbfinale gegen Deutschland, bei der EM 2004 und der WM 2006 jeweils im Viertelfinale an Portugal.

Nur James ehrlich beim Reizthema

"Vor vier Jahren waren wir nicht gut genug über die Schützen informiert. Jetzt ist das anders. Wir wissen alles über die Deutschen. Aber man kann seine Hausaufgaben machen und Videos studieren - eine hundertprozentige Erfolgsgarantie gibt es nicht", sagte James, der als einziger Spieler ehrlich mit dem Elfmeter-Phlegma des Fußball-Mutterlandes umging.

Wie groß die Angst der Engländer vor einem neuerlichen K.o. im Shootout ist, beweist Capello bereits seit über einem Monat. Denn die bislang ziemlich zahmen Löwen üben schon seit dem Beginn der WM-Vorbereitung vor fünf Wochen täglich den Schuss aus elf Metern. Falls am Sonntag einmal mehr zu einem Elfmeterschießen kommt, sollen Rooney, Chelsea-Profi Frank Lampard, Kapitän Steven Gerrard sowie Gareth Barry und James Milner erste Wahl von Capello sein.

"Trainieren seit unserem ersten Trainingslager"

"Wir trainieren bereits seit unserem ersten Trainingslager in Österreich jeden Tag Elfmeterschießen. Wir sind alle bereit und uns sicher, dass wir auch gegen Deutschland ein Elfmeterschießen gewinnen werden", sagte Angreifer Jermain Defoe, der die Three Lions mit seinem Siegtor gegen Slowenien in die Runde der letzten 16 geschossen hatte.

Die englischen Boulevardmedien versuchen bereits mit Hilfe von Statistiken, den Spielern die Angst zu nehmen. Laut der Tageszeitung "The Sun" hat der englische Kader eine Erfolgsquote aus elf Metern von 80 Prozent, das deutsche Aufgebot dagegen nur eine von 79 Prozent. "Germans Wurst at Penalties", lautete die Schlagzeile.

Nicht ohne Stolz erwähnt die Zeitung, dass Torwart James zuletzt neun von 29 Elfmetern parierte, was eine Quote von 37,9 Prozent ergibt. DFB-Schlussmann Manuel Neuer dagegen hielt vier von elf Strafstößen - eine Quote von 36,4 Prozent. Verschwiegen wurde, dass die DFB-Auswahl bei Weltmeisterschaften eine Erfolgsquote von 97 Prozent, England aber nur eine von 50 Prozent hat.

Rooney wie eine "Pitbull-Primadonna"

Die Torquote von Rooney liegt derweil bei der WM bei genau null Prozent. Die Daily Mail schrieb über den Angreifer von Manchester United: "Rooney wirkt verloren: Er scheint an seine eigene Publicity zu glauben und zugleich von ihr erdrückt zu werden."

Im Trainerstab wird ebenfalls gemunkelt, dass Rooney von seinem Weg abgekommen sei. Der 24-Jährige würde sich im englischen WM-Camp verhalten wie eine "Pitbull-Primadonna". So soll Rooney ständig Nebenkriegsschauplätze eröffnen, weil er unzufrieden mit sich selbst ist.

Am Freitag nahm sich Capello den Stürmer noch mal zur Brust, damit bei Rooney, der seine Knöchelprobleme überwunden hat, der Knoten bei der WM doch noch platzt. "Das Problem ist in seinem Kopf. Aber das werden wir lösen", sagte Capello.

Die voraussichtliche Mannschaftsaufstellung:

1 James - 2 Johnson, 6 Terry, 20 King, 3 Ashley Cole - 4 Gerrard, 8 Lampard, 14 Barry, 16 Milner - 10 Rooney, 19 Defoe