Ausgerechnet gegen Tabellenführer Leverkusen will Hertha BSC am Freitag (ab 20 Uhr im Live-Ticker / Liga-Radio) seine Negativserie beenden. "Warum nicht", meint Manager Michael Preetz: "Wir müssen unseren Frust jetzt auf dem Platz in Energie umsetzen."

Fünf Punkte in der Liga, erst ein Sieg, acht Zähler Abstand bis zum Nichtabstiegsplatz - für Preetz kein Grund, den Kopf schon jetzt in den Sand zu stecken: "Oft liegt es an Kleinigkeiten, die Situation zu drehen. Die Vereine in der Bundesliga sind eng zusammen."

Kompakte Abwehr macht Mut

Ihren neuen Mut schöpfen die Berliner aus der Niederlage beim FC Schalke 04 am vergangenen Spieltag. "Diese Partie hat gezeigt, dass es in jedem Spiel möglich ist zu punkten - auch für uns. Über 90 Minuten war kein Unterschied zu erkennen wie zwischen einem Tabellendritten und einem 18. der Liga", meint Preetz.

Tatsächlich hatte die Hertha auf Schalke ein anderes Auftreten als noch eine Woche zuvor bei der Heimpleite gegen Frankfurt. Die Mannschaft war defensiv gut organisiert und stand zumeist so sicher, dass sie dem Gegner das Leben schwer machte. Für den Trainer ist das auch ein Rezept gegen den offensivstarken Spitzenreiter. "Wir wollen Bayer nicht ins Spiel kommen lassen", kündigt Friedhelm Funkel an.

Kritik an der vor allem defensiv ausgerichteten Taktik will die Hertha nicht gelten lassen. "Die defensive Spielweise liegt uns einfach mehr", bekennt Fabian Lustenberger freimütig. Und auch Maximilian Nicu winkt ab: "Die Kritik, wir würden ein Spiel zerstören, haben wir in der letzten Saison auch gehört. Wenn wir drei Punkte holen, ist es egal, was die gegnerischen Trainer sagen."

"Müssen Tore schießen"

Da Hertha aber zurzeit kaum etwas erspart bleibt, ist es fast logisch, dass Funkel seine Defensive erneut umbauen muss. In Schalke ersetzte Christoph Janker den gelbgesperrten Kapitän Arne Friedrich - und sah Gelb-Rot. Da Friedrich wegen Leistenbeschwerden erneut auszufallen droht, muss nun wohl Kaka ran - es wäre erst sein zweiter Saisoneinsatz. Eine eingespielte Abwehr sieht anders aus.

Trotz der Umstellungen in der Defensive drückt der Schuh aber nach wie vor mehr in der Offensive. An einem konstruktiven Aufbauspiel und an Torgefahr mangelte es den Berlinern in den vergangenen Wochen. Dass Gegner Leverkusen die beste Abwehr der Liga stellt, macht die Aufgabe nicht einfacher. "Wir müssen durchschlagskräftiger werden und Tore schießen. Dass wir gegen eine gute Defensive nicht viele Chancen bekommen, ist klar, aber die müssen wir nutzen", fordert Preetz.

Rückrundenstart schon im Kopf

Der Fokus auf Bayer und das letzte Vorrundenspiel gegen Bayern ist das eine, der Blick auf die Rückrunde das andere. Denn auch bei Friedhelm Funkel kreisen die Gedanken schon jetzt um den Auftakt im neuen Jahr. "Wir wollen im Winter zwei, drei neue Spieler holen und dann eine Aufholjagd starten", hat der Coach in diesen Tagen noch einmal bestätigt: "Wenn wir im Januar gut aus den Startlöchern kommen, können wir aus dem Negativlauf der Hinrunde einen positiven Lauf machen."

Voraussetzung: Der Abstand zum rettenden Ufer wird bis Weihnachten nicht zu groß. Und dazu müssten tatsächlich Punkte her gegen Bayer oder Bayern. Wie sagte es doch Maximilian Nicu so schön: "Unsere Situation ist blöd, aber nicht aussichtslos. Es hilft nicht, wenn wir uns jetzt verstecken und die Tür abschließen."

Dietmar Nolte