Köln - Langsam aber sicher neigt sich das Jahr dem Ende und so ist ein jeder Bundesligist natürlich darum bemüht, seine Fans mit einer ordentlichen Vorstellung in die Winterpause zu entsenden. Drei Punkte sollten es da schon sein und bitte, wenn möglich, am besten auch noch in schönem Fußball verpackt.

Bei solch einer Wunschliste lässt sich ein wahrer Senor, wie Raul einer ist, natürlich nicht zwei Mal bitten. So hatte die Nummer 7 des FC Schalke 04 für die Fans in der VELTINS-Arena die rechten Gaben im Sack, oder besser gesagt im Fuß.

Raul schenkt ein

Der Spanier lief im Spitzenspiel des 17. Spieltags nicht nur zur Hochform auf, er brillierte. Starke 10,99 Kilometer Wegstrecke belegen, dass er seine neun gewonnenen Zweikämpfe (37,5 Prozent) nicht nur im Angriff erfolgreich gestaltete, sondern das ein oder andere Mal auch hinten ausgeholfen hat.

Geradezu traumhaft ist Rauls Passquote, die mit 92,54 Prozent beinahe makellos ist. Nicht nur beinahe, sondern tatsächlich perfekt liest sich die Torschussstatistik des 34-Jährigen. Drei Mal suchte er gegen Bremens Tim Wiese den Abschluss, drei Mal jubelte er im Anschluss mit dem königsblauen Anhang.

Engagierte Dortmunder

Nicht weniger beeindruckend trat Borussia Dortmund am letzten Spieltag der Hinrunde auf. Der Deutsche Meister musste beim SC Freiburg ran und bot beim Tabellenletzten eine wahrhaft meisterliche Leistung. Beeindruckend sind die 121,72 erlaufenen Kilometer des BVB, der somit den zweitbesten Wert des Wochenendes stellt und "unüberraschender" Weise vier Profis unter den Top 10 der fleißigsten Spieler vorweist.

Während die beiden Sechser Ilkay Gündogan und Sebastian Kehl den 7. Platz teilen (beide 12,34 km), tummeln sich zwei Kreativspieler weiter vorne: Kevin Großkreutz, Torschütze des 3:1, "fraß" sich 12,5 km durch den Breisgauer Rasen (Rang 4) und absolvierte nebenbei auch noch die meisten Sprints aller Profis (35). Noch 340 Meter weiter und somit mehr als jeder andere Bundesliga-Profi lief Shinji Kagawa. Der Japaner trug sich an diesem Nachmittag zwar nicht in die Torschützenliste ein, legte aber das 1:0 durch Robert Lewandowski auf.

Hannover verpasst Chance zum Anschluss

Enger als bei diesen beiden Partien der Revier-Clubs Schalke und Dortmund ging es am Sonntag zu. Beide Spiele waren hart umkämpft, und nur Nuancen entschieden über Punkte unterm Gabentisch. Jeweils einen Zähler gab es für Hannover 96 und den 1. FC Kaiserslautern. Bei den Pfälzern dürfte die Freude über diesen wohl größer sein, als bei den Niedersachsen, die gerne näher an den Europa-League-Plätzen überwintert hätten.

Der Einsatz bei der Truppe von Mirko Slomka stimmte jedenfalls, was die stärkste Laufleistung des Spieltags belegt (121,82 km). Doch die "Roten Teufel" hielten dagegen (120,91 km) und wurden am Ende mit dem 1:1 und dem 16. Punkt der Saison belohnt. Gesichert hat den Adam Nemec mit seinem Tor zum Ausgleich in der 68. Minute. Der Stürmer wurde von Marco Kurz zu Beginn des zweiten Durchgangs eingewechselt und spielte eine starke Partie. Zwei Torschüsse, sechs gewonnene Zweikämpfe (37,5 Prozent) sowie 5,44 km Laufdistanz sammelte der Tscheche über 45 Minuten - da gibt's nichts zu mäkeln.

Herrmann lässt Gladbach weiter träumen

Wenig Grund zu Kritik gibt es auch in Mönchengladbach. Die Borussia hat sich am 17. Spieltag mit 1:0 gegen den 1. FSV Mainz 05 durchgesetzt und weist sehr gute 33 Punkte vor. Diese Marke wurde in der vergangenen Spielzeit erst am 33. Spieltag geknackt! Anstatt wie vor genau einem Jahr mit der "roten Laterne" in die Winterpause zu gehen, rangiert Gladbach auf Platz 4 und darf sich mit dem inoffiziellen Titel "Bayernjäger Nummer drei" schmücken.

Damit der Abstand zum Rekordmeister und Tabellenführer, der Freitagabend mit dem 3:0 gegen den 1. FC Köln vorgelegt hatte, wieder auf vier Zähler zusammenschmelzen konnte, musste der VfL hart arbeiten und hatte auch etwas Glück nötig. Die Rheinhessen liefen fast genauso viel wie die "Fohlen", die auf den wiedergenesenen Marco Reus zurückgreifen konnten (Mainz: 113,49 km - Gladbach: 113,79 km), entwickelten aber mehr Torgefahr als die Mannschaft von Trainer Lucien Favre (12:7 Torschüsse). Einzig das Glück im Abschluss wollte sich bei Maxim Choupo-Moting und Co. Nicht einstellen.

Ganz anders die Rheinländer. Nachdem Sami Allagui in der 1. Minute für den ersten Aufreger gesorgt hatte, wollte sich die Heimelf nicht lange bitten lassen und versenkte den zweiten Torschuss direkt im Kasten von FSV-Keeper Christian Wetklo. Mittelfeldspieler Patrick Herrmann, der mit 10,8 km drittstärkster Gladbacher war, erzielte das einzige Tor des Abends, das der schwarz-weißen Borussia und ihren Fans die schönste Bescherung seit 35 Jahren bereitet.

Gregor Nentwig