Dortmund - Ein letztes Mal noch hat Jürgen Klopp mit einer tiefen Verbeugung vor seinem Publikum die Kappe gezogen, ein letztes Mal noch ist er mit geballter Faust vor der Südtribüne in die Luft gesprungen. Das Stadion feierte den scheidenden Trainer nach dem Schlusspfiff minutenlang mit Sprechchören und stehenden Ovationen - und der bekannte später: "Da waren Tränen dabei. Es war nicht leicht, ein Kerl zu bleiben."

Das Spiel gegen Bremen war längst abgepfiffen, aber niemand wollte nach Hause. Alle waren geblieben, alle standen auf ihren Plätzen - und das ganze Stadion feierte seinen Trainer für sieben Jahre Fußballmärchen. "Jürgen Klopp, Jürgen Klopp, Jürgen Klopp…", dröhnte es immer wieder von den Rängen. Schon vor dem Anpfiff hatte die Gelbe Wand von Borussia Dortmund den Trainer mit einer beeindruckenden Choreographie hochleben lassen und auch ganz plakativ gesagt: "Danke Jürgen!"

"Habe versucht, jedem Einzelnen zu winken"

Und jetzt, nach dem Abpfiff, stand Jürgen Klopp dort auf dem grünen Rasen, versuchte, seiner Gefühle trotz Tränen in den Augen Herr zu bleiben und grüßte auf seiner ganz persönlichen Ehrenrunde hinauf zu den Fans. "Ich habe versucht, jedem Einzelnen zu winken. Jeder darf sich bewunken fühlen", stellte er hinterher lächelnd fest (Infografik: Sieben Jahre Jürgen Klopp beim BVB).

Und Jürgen Klopp hatte vorgebeugt für diesen Moment. Diesen einen Augenblick, in dem das Kapitel Borussia Dortmund zumindest vor heimischem Publikum erst einmal zu Ende ist. Eine Videobotschaft hatte er an die Fans verfasst, um das zu sagen, was ihm wichtig war. Das verhinderte zwar auf beiden Seiten den ganz großen emotionalen Ausbruch, doch anders hätte er selbst es nicht hinbekommen, gestand Klopp. "Ich bin froh, dass ich so clever war, die Ansprache dieses Mal im Vorfeld zu machen", erinnerte der Trainer an seinen Abschied aus Mainz, als ihm vor tränenerstickter Stimme kaum ein Satz über die Lippen gekommen war.

Dieses Mal also schaffte er es per Aufzeichnung, dem Verein und seinen Fans noch einmal eine Liebeserklärung zu machen: "Dieses Stadion ist ein außergewöhnlicher Ort und zwar, weil ihr alle ihn dazu macht. Ich habe jede Minute hier genossen und nehme einen großen Sack voller positiver Erinnerungen mit." Von ganzem Herzen wolle er dafür Danke sagen - und das in typischer Klopp-Manier nicht ohne flapsigen Spruch: "Es war eine ganz große Ehre, für diesen Verein tätig gewesen zu sein - und bei dem einen oder anderen Erfolg, den wir gefeiert haben, zumindest nicht gestört zu haben."

Spieler stehen Spalier für Jürgen Klopp

Auch seine Mannschaft klatschte noch einmal Beifall, bevor man sich gemeinsam auf eine letzte Ehrenrunde machte. Noch ein letztes Mal Sprechchöre, noch ein letztes Mal donnernder Applaus - sogar aus dem Bremer Fanblock, der Jürgen Klopp ebenfalls seinen Respekt bekundete. Und noch ein letztes Mal blitzte wieder dieser typische Schalk auf, der zu diesem sympathischen Typen gehört wie der BVB zu Dortmund. Als seine Spieler samt aller Verletzten und Reservisten zum Abgang Klopps in die Katakomben auf dem Rasen ein Spalier bildeten, schritt der Trainer das ab - um dann hinter den Rücken schnell noch einmal auf den Platz zu laufen und das Ganze zu wiederholen.

"Niemals geht man so ganz…" sang Trude Herr dazu aus den Lautsprechern. Und da gibt es ja zumindest auch noch dieses eine Spiel am nächsten Wochenende in Berlin, in dem Jürgen Klopp mit der Borussia wieder den DFB-Pokal nach Dortmund holen kann. Dann würden sie einen Tag später alle noch einmal gemeinsam feiern - Trainer, Mannschaft und Hunderttausende auf den Straßen der Stadt. Wie sagt doch Jürgen Klopp in seiner Videobotschaft? "Idealerweise sehen wir uns nächsten Sonntag in der Innenstadt. Ich hätte da großen Bock drauf!"

Aus Dortmund berichtet Dietmar Nolte

Interaktive Infografik: Sieben Jahre Klopp beim BVB