München - Mit Bayern München und Borussia Dortmund haben unter der Woche auch die beiden Topteams der vergangenen Saison den Trainingsbetrieb wieder aufgenommen. Allerdings fehlen sowohl dem Titelverteidiger als auch dem Rekordchampion eine ganze Reihe von Nationalspielern, die nach der kräftezehrenden EM noch für längere Zeit im Urlaub sind. In der jüngeren Vergangenheit haben vor allem die Bayern unter den Spätfolgen großer Turniere zu leiden gehabt, wie die Fakten der bundesliga.de-Datenbank belegen.

Nach den letzten drei großen Turnieren, der WM 2006, der EM 2008 und der WM 2010, konnten die Bayern keinen Titel gewinnen. Sie mussten jeweils als Titelverteidiger dem VfB Stuttgart (2007), dem VfL Wolfsburg (2009) und Borussia Dortmund (2011) den Vortritt lassen.

Bayern blieb nach den letzten drei Turnieren titellos



Bei der WM 2010 hatte der FC Bayern 13 Spieler abgestellt, die während des Turniers 56 Partien bestritten. In der folgenden Bundesliga-Saison blieben die Münchener chancelos, wurden mit Ach und Krach Dritter und flogen auch in der Champions League als Vorjahresfinalist bereits im Achtelfinale raus.

Ganz ähnlich erging es den Bayern auch nach der EM 2008, bei der acht Profis am Start waren. National und international schnitten die erfolgsverwöhnten Münchener schlechter ab. Nach dem "Sommermärchen 2006" folgte für den FC Bayern sogar die schlechteste Saison (Platz 4) der letzten 15 Jahre.

Allerdings traten die Bayern nach den Turnieren 2000, 2002 und 2004 auch den Beweis an, das es anders geht. Damals gelang es dem Nobelclub von der Säbener Straße, besser abzuschneiden als im Jahr zuvor.

Am Schlimmsten erwischte es Bayer Leverkusen



Was für den FC Bayern gilt, gilt auch für andere Vereine. Den dramatischsten Absturz nach einem Turnier erlebte Bayer Leverkusen nach der WM 2002. Nach drei Zweiten Plätzen schrammten die "Werkskicker" nur ganz knapp am Abstieg vorbei und retteten sich am vorletzten Spieltag der Saison 2002/03 doch noch auf Platz 15. Bei der WM waren zehn Leverkusener beschäftigt, Spieler wie Michael Ballack oder Ze Roberto waren anschließend allerdings zum FC Bayern gewechselt.

Ähnlich erging es dem VfL Wolfsburg nach der WM 2010, bei der neun "Wölfe" im Einsatz waren. Auch der VfL entging der Zweitklassigkeit nur um Haaresbreite. Allerdings war die Fallhöhe des Deutschen Meisters von 2009 nicht ganz so hoch, hatte der VfL doch nach seinem Titelcoup auch nur noch Platz 8 belegt.

Auch an der Weser können sie ein Lied von Negativauswirkungen nach einem Großereignis singen. 2008 war Werder Bremen noch Vizemeister geworden. Acht Spieler trumpften bei der folgenden EM auch auf. Doch in der Bundesliga blieb den Hanseaten zwölf Monate später nur der 10. Platz. Immerhin konnten die Werderaner aber den DFB-Pokal gewinnen.

Wie verkraftet der BVB die vielen Abstellungen?



Der Nordkonkurrent Hamburger SV, der auch traditionell viele Spieler abstellt, hatte nach den letzten Turnieren weniger mit Nachwehen zu kämpfen. Nach der WM 2010 folgte auf Platz 7 Rang 8, nach der EM 2008 landeten die Hanseaten nach Position 4 auf Rang 5. Signifikanter war der Aderlass nach der WM 2006 als die Hamburger vom Champions-League-Platz 3 auf Position 7 abrutschten. Auch wenn die Veränderungen beim HSV nicht sehr dramatisch waren, besser wurde es nach einem Turnier zuletzt nie.

Auch Vereine wie der VfB Stuttgart oder Schalke 04 schnitten nach Endrunden in den Jahren 2004 (Stuttgart von Platz 4 auf 5 verschlechtert) bzw. 2002 (Schalke von Rang 5 auf 7 runter) nicht mehr so erfolgreich ab wie zuvor.

Setzt sich der Trend fort, müssen demnach Bayern München und Borussia Dortmund in dieser Saison auf Rückschläge vorbereitet sein. Das könnte die Chance von Schalke, Gladbach oder Leverkusen sein. Oder von einem Überraschungsteam wie es Stuttgart (2007) oder Wolfsburg (2009) waren. Spannung ist also garantiert.

Tobias Gonscherowski