Bremen - Große Erleichterung bei Borussia Dortmund. Dass der Titelverteidiger Werder Bremen an der Weser gleich hat, sorgte für riesen Freude beim BVB-Anhang. Viel wichtiger war für die "Schwarz-Gelben" neben den drei Punkten aber wohl die "Weiße Weste". Denn erstmals seit Anfang November blieb der BVB wieder ohne Gegentor.

"Ich glaube, dass wir in der Beziehung einen großen Schritt nach vorne gemacht haben", stellte Kapitän Sebastian Kehl nach dem Schlusspfiff fest. 20 Treffer haben die Dortmunder in der Hinrunde kassiert. So viele wie noch nie in den ersten 17 Spielen, seit Trainer Jürgen Klopp das Zepter zur Saison 2008/09 übernahm.

Hauptaugenmerk auf der Defensive



"Wir haben in der ersten Saisonhälfte sehr viele Gegentore kassiert. Das wollen wir in der Rückrunde viel besser machen. Dafür haben wir in der Winterpause sehr hart gearbeitet", sagte Innenverteidiger Felipe Santana, der wegen eines Nasenbeinbruchs mit einer Spezialmaske auflief, zu bundesliga.de.

Im Winter-Trainingslager im spanischen La Manga lag das Hauptaugenmerk der schweißtreibenden Arbeit also auf der Defensive. Und die Borussia hat ihre Hausaufgaben offensichtlich sehr gut gemacht.

"Wir haben von der ersten Minute an wieder unseren BVB-Fußball gezeigt. Wir standen kompakt und haben schnell nach vorne gespielt. Wichtig war, dass die Null mal wieder steht. Dass wir vorne Tore machen können, das wissen glaube ich alle", erklärte Kevin Großkreutz, der etwas überraschend von Beginn an auf dem Platz stand.

"Es war wenig drin für Werder"



Die Bremer wurden fast über die gesamten 90 Minuten von den Gästen unter Druck gesetzt. Insgesamt lief die BVB-Elf vier Kilometer mehr als das Werder-Team. Immer wieder wurden Überzahlsituationen geschaffen und der Gegner zum unkontrollierten Pass gezwungen.

"Wir haben die Bremer nicht zur Entfaltung kommen lassen, haben am Ende eiskalt gekontert und die Tormöglichkeiten perfekt abgeschlossen. Es war wenig drin für Werder", frohlockte Kehl.

Und Ilkay Gündogan ergänzte: "Das Gegenpressing machte selbst beim Stand von 3:0 noch Spaß." Gündogan, der dem Spiel im Mittelfeld seinen Stempel aufdrückte, dürfte in dieser Form nur schwer von Rückkehrer Nuri Sahin zu verdrängen sein.

Sahin gibt Comeback



Sahin, der erst kurz vor dem Ende unter tosendem Applaus und Anfeuerungsrufen eingewechselt wurde, freute sich über sein Comeback in der Bundesliga und über die Spielstärke seiner alten, neuen Mannschaft.

"Man hat gesehen, was wir für eine Rückrunde spielen wollen - das war ein Zeichen! Die Jungs haben das überragend gemacht - es hat Spaß gemacht, von draußen zuzuschauen", erklärte Sahin. Zwar beträgt der Rückstand auf Tabellenführer Bayern München nach dem 18. Spieltag weiterhin zwölf Punkte. Doch wenn es eine Mannschaft schaffen kann, diesen Vorsprung einzuholen, dann sicherlich der Deutsche Meister. Denn der Auftritt an der Weser war überlegen und dominant vorgetragen.

Marco Reus, der seine Farben mit einem sehenswerten Freistoß in Führung gebracht hatte, bremste die Lobhudelei etwas ein. "Das perfekte Spiel gibt es nicht. Wir arbeiten daran, dass es immer besser wird. Aber es gibt immer Situationen, die man besser hätte ausspielen können. Genauso war das diesmal auch", so Reus.

Heimspiel gegen Nürnberg steht bevor



Schon am nächsten Freitag bietet sich im Heimspiel gegen den 1. FC Nürnberg erneut eine Chance, sich der Perfektion zu nähern. Trainer Klopp möchte im Hinblick auf eine mögliche Aufholjagd in Richtung Tabellenspitze aber nicht direkt mit in die Diskussion einsteigen.

"Wir werden Woche für Woche einen Strich hinter unsere Arbeit machen und schauen, was wir dafür bekommen haben. Maximale Investition ist die einzige Möglichkeit, die Rückrunde positiv zu gestalten. Und das werden wir versuchen."

Aus Bremen berichtet Michael Reis