
Eintracht Frankfurt: Erfolgreich mit Risiko-Fußball
Köln – Manchmal dauert es eine ganze Weile, bis eine Mannschaft nach einem Trainerwechsel die Philosophie des neuen Coaches verinnerlicht hat und konstant gute Ergebnisse einfahren kann. Die Fans von Eintracht Frankfurt hatten nach der deutlichen 0:5-Niederlage im Supercup gegen den FC Bayern München und dem 1:2 im Pokal beim SSV Ulm sicherlich ein wenig Angst, dass dies bei Adi Hütter und der SGE der Fall sein würde. Nach sieben Spieltagen ist diese Sorge aber verflogen. Die Eintracht ist zurück in der Erfolgsspur – und das mit einem ganz anderen Stil als im vergangenen Jahr unter Niko Kovac.
Beim alleinigen Blick auf die Tabelle gleichen sich die Bilder: Vor einem Jahr startete Frankfurt mit drei Siegen, einem Unentschieden und drei Niederlagen in die Saison. Auch in dieser Spielzeit stehen die Hessen mit derselben Bilanz da. Aber das ist schon das Ende der Parallelen. Denn der Spielstil ist unter dem neuen Coach Adi Hütter mittlerweile ein anderer.
Mehr Tore unter Adi Hütter
Für die schnelle Analyse der Unterschiede reicht eigentlich ein Blick auf die Tordifferenz. 6:6 lautete die im vergangenen Jahr, 12:11 in diesem. Doppelt so viele Treffer stehen also zu Buche. Diese Bilanz ist umso beeindruckender, wenn man bedenkt, dass die Eintracht die wenigsten Torschüsse aller Teams abgegeben hat (60).
Von dieser Bilanz aber darauf zu schließen, dass die gute Torquote eher Zufall ist, wäre ein Fehler. Die Eintracht wählt ihre Abschlüsse unter Hütter einfach nur mit Bedacht. Denn trotz der wenigsten Torschüsse haben die Hessen die viertmeisten Großchancen herausgespielt (11). Acht dieser Gelegenheiten münzten Haller, Rebic und Co. zu Toren um. Die Quote von 73 Prozent ist die beste der Bundesliga.
Um in gefährliche Situationen zu kommen, spielt Frankfurt viele Risikopässe. Die Passquote von 74 Prozent ist die niedrigste der Bundesliga und spiegelt das ebenso wider wie der niedrige Ballbesitz von 44 Prozent. Nach dem 0:5 im Supercup erzielte die Hütter-Elf auf diese Weise in jedem der zehn Pflichtspiele mindestens einen Treffer.
Offensivtrio trifft nach belieben
Gegen Fortuna Düsseldorf winkt nun der vierte Pflichtspielsieg in Serie. Das war der Eintracht zuletzt vor über sechs Jahren gelungen. Diesmal muss Adi Hütter dabei auf den gesperrten Ante Rebic verzichten, der Teil des effektivsten Angriffs der Bundesliga ist. An elf der zwölf Bundesliga-Tore waren Sebastian Haller, Luka Jovic und eben Rebic direkt beteiligt. Für die acht Bundesliga-Treffer benötigte das Sturmtrio lediglich 22 Torschüsse. Keine andere Offensivabteilung ist derart kaltschnäuzig.
Dabei hat gerade Luka Jovic noch einmal einen großen Schritt gemacht. Der 20-Jährige war in der Vergangenheit zumeist Joker, stand aber von den letzten vier Bundesliga-Begegnungen zwei Mal in der Startelf. Der hochveranlagte Angreifer bringt es dabei auf eine Trefferquote von historischen Dimensionen: In den bislang 1141 Bundesliga-Minuten seiner Karriere erzielte der Serbe zehn Tore. Der Schnitt von 114 Minuten pro Erfolgserlebnis wird von allen Spielern der Bundesliga-Geschichte mit mehr als 25 Einsätzen nur von Gerd Müller und Robert Lewandowski übertroffen.
Offensivstark und zweikampffreudig
Die Eintracht verlässt sich aber auch unter Hütter nicht nur aufs spielerische Element, sondern ist nach wie vor auch äußerst giftig in den Zweikämpfen. Im Schnitt bestritt die SGE an den ersten sieben Spieltagen 209 direkte Duelle pro Partie – mehr als jedes andere Team. Gerade das Umschaltverhalten nach Ballverlust funktioniert trotz bereits elf Gegentreffern sehr gut. Frankfurt ist eines von fünf Teams, die in dieser Saison noch kein Tor nach einem Konter hinnehmen mussten.
Mit Eintracht Frankfurt wird also auch in den kommenden Wochen zu rechnen sein. Adi Hütter hat daran einen großen Anteil, denn es ist nicht selbstverständlich, dass er der Mannschaft nach über zwei Jahren unter Niko Kovac so schnell seine eigene Handschrift verleihen konnte. Und diese Handschrift steht für mehr Tore und Risiko im Offensivspiel.
Florian Reinecke
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