Dortmund - Mit dem überlegenen 2:0-Sieg über St. Pauli hat Borussia Dortmund seine Spitzenstellung in der Bundesliga untermauert - und jeglichem Krisengerede eine klare Absage erteilt, meint Marcel Schmelzer.

Echten Power-Fußball bescheinigt Dortmunds Linksverteidiger seiner Mannschaft im Interview mit bundesliga.de. Zudem verrät Schmelzer, warum die Mannschaft sich über vergebene Großchancen genau so wenig den Kopf zerbricht wie über die Deutsche Meisterschaft - und warum die Partie beim FC Bayern am Samstag für den BVB ein ganz normales Spiel ist.

bundesliga.de: Marcel Schmelzer, nach zwei Unentschieden gab es gegen St. Pauli wieder drei Punkte. Sind Sie ein wenig erleichtert?

Marcel Schmelzer: Wir haben nie an dem gezweifelt, was wir können. Und wir haben immer an uns und unsere Leistung geglaubt. Zweifel sind eher von außen herein getragen worden. Aber diesen Kopf haben wir uns nie gemacht, den man uns vielleicht einreden wollte. Eine Krise hat es bei uns nie gegeben. Trotzdem war es natürlich wichtig, die drei Punkte diesmal zu behalten, und das absolut verdient. Wir haben gegen St. Pauli wieder unseren starken Fußball gezeigt. Das war wieder echter Power-Fußball mit sehr vielen Torchancen.

bundesliga.de: Der BVB war über 90 Minuten absolut dominant. Hatten Sie St. Pauli als bestes Team der Rückrunde und nach dem Derbysieg über den HSV stärker erwartet?

Schmelzer: St. Pauli musste am Mittwoch gegen den HSV spielen, jetzt am Samstag gegen uns, vielleicht sind sie "englische Wochen" in ihrer Situation nicht so gewohnt. Das könnte eine Erklärung sein. Aber wir haben auch wirklich sehr stark gespielt und es ihnen damit von der ersten Minute an sehr schwer gemacht. Wenn wir so konsequent Fußball spielen, wie wir es uns vornehmen und diesmal wieder umgesetzt haben, dann wird es für jeden Gegner schwer, gegen uns zu gewinnen.

bundesliga.de: Kam der frisch verlegte Rasen dem BVB-Spiel entgegen?

Schmelzer: Man hat gesehen, dass wir wieder besser kombinieren konnten und viel Tempo in unseren Aktionen hatten. Das hat uns im letzten Spiel in Kaiserslautern ein wenig gefehlt. Dort gab es aufgrund des unebenen Platzes kaum die Möglichkeit zu längeren Ballstafetten. Gegen St. Pauli sah das schon wieder deutlich besser aus.

bundesliga.de: Gemangelt hat es in den letzten Spielen auch an der Chancenverwertung. Gegen St. Pauli standen nach einer halben Stunde wieder sieben Großchancen zu Buche, aber kein Tor. Kamen da auch bei Ihnen ein paar Sorgen auf?

Schmelzer: Nein, überhaupt nicht! Wenn wir uns da einen Kopf machen, dann erzielen wir gar keinen Treffer mehr und spielen uns auch keine Chancen mehr heraus. Da musst du einfach die Ruhe bewahren und konzentriert bleiben. Wir haben vor dem Spiel solche Situationen angesprochen. Und wir waren uns einig, dass wir nicht nachlassen dürfen und werden, auch wenn der Ball wieder nicht über die Linie will.

bundesliga.de: St. Pauli-Keeper Thomas Kessler hat einige Mal hervorragend reagiert. Fühlten Sie sich da nicht an Manuel Neuer erinnert, der vor 14 Tagen Schalke einen Punkt gegen den BVB gerettet hat?

Schmelzer: Das stimmt, Kessler hat sehr gut gehalten. Aber wichtig war für uns einfach, dass wir weitermachen und uns Chance um Chance erarbeiten. Wenn wir nicht locker lassen und unsere Linie und unser Tempo beibehalten, dann klappt es auch irgendwann, was man ja gesehen hat. Im Übrigen ist es doch normal, dass man nicht jede Möglichkeit nutzt. Da müssen wir uns wirklich keine Gedanken machen und das müssen vor allem auch unsere Stürmer nicht. Ich bin mir ganz sicher, dass wir an Lucas Barrios und Robert Lewandowski noch viel Freude haben und von ihnen noch viele Tore sehen werden.

bundesliga.de: Gedanken darf und muss man sich jetzt aber langsam ernsthaft über die Deutsche Meisterschaft machen, oder?

Schmelzer: (lacht) Da hat sich durch den Sieg über St. Pauli nichts an unserer Einstellung geändert. Wir denken weiter von Woche zu Woche und von Spiel zu Spiel. Was dabei am Ende herauskommt, sehen wir dann, wenn es so weit ist.

bundesliga.de: Dann lassen Sie uns über das nächste Spiel sprechen: Am Samstag geht es zum Gipfeltreffen beim FC Bayern München. Ist das auch für Sie ein besonderes Spiel?

Schmelzer: Wir wissen, dass es vor allem für die Öffentlichkeit etwas Besonderes ist. Aber für uns ist es eigentlich nur ein weiteres Spiel, das wir unbedingt gewinnen wollen. Warum sollten wir jetzt mehr Druck haben als sonst? Wir zeigen an jedem Wochenende, dass wir frei von Druck sind und einfach nur unseren Fußball spielen wollen. Da mag jetzt in den nächsten Tagen noch so viel geredet und geschrieben werden - uns beeinflusst das eigentlich gar nicht.

Das Gespräch führte Dietmar Nolte