Hunderte Fans stürmten mit Schlusspfiff begeistert den Rasen, Torjäger Grafite sank mit Freudentränen in den Augen auf die Knie, nur Felix Magath ließ sich mit dem Jubeln Zeit.

Als der VfL Wolfsburg den letzten Schritt zu seiner historischen ersten Meisterschaft gemacht hatte, ging der Vater des Erfolgs gemächlich in Richtung Mittellinie und nahm etwas abwesend die ersten Glückwünsche entgegen.

"Abschied fällt schwer"

Die obligatorische Bierdusche weckte den scheidenden Trainer wenig später auf, und die Begeisterung auf den Rängen erreichte ihren Höhepunkt. Magath verfiel mit Blick auf die jubelnden Fans in ungewohnte Sentimentalität: "Da fällt der Abschied schon schwer, das ist doch klar."

Die Fans der Niedersachsen dachten nicht an die Zukunft, sie feierten den neuen Meister im Hier und Jetzt. Dabei war der 34. und letzte Auftritt eines Champions absolut würdig. Gegen einen ausgebrannten UEFA-Cup- und DFB-Pokalfinalisten Werder Bremen zelebrierten die "Wölfe" einen auch in dieser Höhe verdienten 5:1 (3:1)-Triumph. Die Konkurrenten aus München und Stuttgart hofften vergeblich auf einen Ausrutscher des Tabellenführers.

Einmal mehr das Sturmduo

Tropfnass und übelriechend zwang sich der zu Schalke 04 wechselnde Magath aber schnell wieder zu Contenance: "Ich wusste, dass wir gegen Werder gut sein würden. Wir haben über die gesamte Saison hinweg stark gespielt und sind verdient Meister geworden. Ich bin heilfroh und glücklich, dass wir das jetzt geschafft haben. " Sprach's und gönnte sich einen ersten Siegesschluck aus einem überdimensionalen Humpen.

Den Schluck hatten sich die "Wölfe" verdient, denn gegen die unglücklichen Gäste, die sich erheblich steigern müssen, wenn sie am kommenden Wochenende in Berlin gegen Bayer Leverkusen das Endspiel um den DFB-Pokal gewinnen wollen, glänzte zum wiederholten Male das Sturmduo Grafite und Edin Dzeko.

Gentner: "Haben an die Meisterschaft geglaubt"

Der Brasilianer erzielte in der 15. und 56. Minute seine Saisontreffer 27 und 28 und krönte sich damit zum Torschützenkönig, der Bosnier setzte in der 74. Minute den Schlusspunkt. Damit ist das Duo mit insgesamt 54 Toren das erfolgreichste Stürmerpaar der Bundesliga-Geschichte.

Doch schon vor dem Nordderby zweifelte in Wolfsburg nach eigenem Bekunden niemand am ersten Titel für einen niedersächsischen Club seit 42 Jahren (Eintracht Braunschweig 1967). "Seit einigen Wochen haben wir alle fest an die Meisterschaft geglaubt", sagte Mittelfeldspieler Christian Gentner und beschrieb die optimistische Gefühlslage in der Auto-Metropole vor dem Saisonfinale.

Untröstliche Bremer

Auch ohne Rathausbalkon ging die Wolfsburger Party nach einem Autokorso in der Innenstadt munter weiter. Auf einer improvisierten Bühne präsentierten sich die "Wölfe" den Fans, die nicht nur im mit 30.000 Zuschauern seit Monaten ausverkauften VfL-Arena, sondern auch auf sieben Großleinwänden mitgefiebert hatten.

Zu diesem Zeitpunkt hatten sich die Bremer längst nach Hause getrollt, die Verärgerung stand den Verantwortlichen ins Gesicht geschrieben. "Ich kann mir nicht erklären, was die Spieler sich dabei gedacht haben", wetterte Werder-Sportdirektor Klaus Allofs. Trainer Thomas Schaaf verwies zwar darauf, dass seine Truppe das 54. Pflichtspiel bestritten hatte, merkte aber auch kritisch an: "Ein 5:1 musste nun nicht unbedingt sein."