Freiburg - Nicht alles passte am Samstag Nachmittag zur Klischeevorstellung von einem Saisonausklang in Freiburg. Es regnete in Strömen, es war kalt und windig, das Wetter sperrte sich also schon mal mächtig gegen einen Beitrag zum in den frühen Neunzigern geprägten Bild von den "Breisgau-Brasilianern".

Doch als kurz nach dem Schlusspfiff die Saisonabschlussfeier hinter der Nordkurve begann, hatte dennoch kein Sympathisant der Freiburger Lust, sich die Laune verderben zu lassen.

"Wollten eigentlich zum Abschluss drei Punkte"

Warum auch? Schließlich hatte der SC Freiburg selbst bei der 0:1-Niederlage gegen Bayer Leverkusen lange Zeit gut mitgehalten und sich ein Lob aus berufenem Mund redlich verdient: "Wenn wir heute nicht eine absolute Topleistung abgeliefert hätten", gab Leverkusen-Coach Jupp Heynckes zu Protokoll, "hätten wir gegen diese gut organisierte Mannschaft nicht gewonnen."

Das fand auch Julian Schuster, der frisch gebackene Torschütze des Monats April: "Wir wollten eigentlich zum Abschluss nochmal drei Punkte holen. Schade, dass es nicht geklappt hat, aber man muss sich bewusst machen, was für eine außergewöhnliche und tolle Saison wir gespielt haben."

Lob von Gegner und Vergänger Heynckes

Sein Coach Robin Dutt, der ja bekanntlich in der kommenden Saison Heynckes' Nachfolger in Leverkusen wird, schwieg derweil und genoss, was sein Kollege lobte, als er ins Detail ging: "Laufstärke", "konsequentes Pressing", "gute Ballzirkulation". All das hatte er - wie die anderen Augenzeugen im badenova-Stadion auch - bei den Gastgebern gesehen.

Zu Bemäkeln gab es allerdings auch etwas. Bei einer besseren Chancenverwertung wäre am Samstag Nachmittag nämlich durchaus auch ein Pünktchen drin gewesen. Doch Papiss Demba Cisse (37.) und Jan Rosenthal (64.) vergaben die beiden entscheidenden Möglichkeiten zum Ausgleich.

Ohrenbetäubender Applaus für Dutt

Und obwohl Dutt nicht unrecht hatte, als er betonte, dass "ein Punkt vielleicht auch nicht unverdient gewesen wäre" - bei Bratwurst, Freibier und Hip-Hop-Musik interessierte das weder die Fans, noch die Spieler, die sich sichtlich gut gelaunt feiern ließen. Die Festivitäten hatten im Breisgau quasi mit dem Schlusspfiff begonnen. Applaus gab es für die offiziell verabschiedeten Spieler wie Jonathan Jäger, Ömer Toprak und Tommy Bechmann, ohrenbetäubend wurde dieser, als der scheidende Coach vor die Kurve trat. Der war sichtlich gerührt und stimmte eine "Humba" an.

Am Ende eines engagierten Auftrittes, am Ende einer nahezu optimal verlaufenen Saison steht Rang 9 - ein Platz am unteren Ende der oberen Tabellenhälfte also. Und mithin weit mehr als der bloße Klassenerhalt, den die Fans bereits während des Spiels immer wieder feierten ("Nie mehr zweite Liga...").

Realistische Erwartungshaltung

Dass die Erwartungshaltung im Breisgau an der Fanbasis realistisch ist, dürfte keinen so freuen wie Manager Dirk Dufner, der zuletzt immer wieder mahnte, dass "unsere Fans auch in Zukunft ein bisschen Leidensfähigkeit mit ins Stadion nehmen" sollten. Doch die Bereitschaft dazu ist in der Freiburger Nordkurve offenbar tief verinnerlicht. Und das trotz einer Saison, in der man lange Zeit Tuchfühlung zum internationalen Geschäft hatte.

Und fast hätte es am Schluss ja auch doch noch geklappt, über die Fairplay-Wertung ins internationale Geschäft zu kommen. Zwar blieb der SC auch nach dem 34. Spieltag der fairste Bundesligaverein, der sich nicht sportlich für die Euro League qualifiziert hat. Doch Deutschland verfehlte den zusätzlichen Qualifikationsplatz, für den man unter den drei fairsten Ländern hätte abschneiden müssen.

Christoph Ruf