Die letzten Minuten seiner aktiven Laufbahn verbrachte Frank Baumann angespannt und zugleich hoffnungsvoll an der Seitenlinie. Rund eine Minute nach dem Führungstreffer durch Mesut Özil wurde Bremens Kapitän im DFB-Pokalfinale gegen Leverkusen angeschlagen ausgewechselt.

An die Rolle des Zuschauers wird sich der 28-malige deutsche Nationalspieler erst noch gewöhnen müssen. Doch zumindest bescherte ihm sein Abschied vom aktiven Fußball einen weiteren Titel mit Werder.

Über das Pokalfinale mit all seinen emotionalen Momenten spricht Baumann mit bundesliga.de. Weiterhin erklärt er seine neue Aufgabe als Assistent der Bremer Geschäftsführung, spricht über Werders Saison in der Bundesliga und ist sich sicher, dass Bremen in der kommenden Saison auch ohne ihn wieder erfolgreich spielen wird.

bundesliga.de: Herr Baumann, waren Sie vor oder während Ihres letzten Spiels als Profi nervös?

Frank Baumann: Ich war nicht mehr oder weniger nervös als vor anderen Spielen auch. Ich habe im Vorfeld eigentlich keinerlei Gedanken daran verschwendet, dass dies mein letztes Spiel sein würde, sondern habe einfach meine Konzentration auf das Pokalfinale sehr hoch gehalten. Es war ein unheimlich wichtiges Spiel für uns, denn wir konnten uns mit dem Titel international qualifizieren.

bundesliga.de: Hätten Sie sich einen schöneren Abschied vom aktiven Fußball wünschen können?

Baumann: Ich denke nicht. Es war ein sehr gelungener Abschied mit dem Titel und dazu noch der tollen Atmosphäre in Berlin. Pokalfinalspiele sind immer noch etwas Besonderes. Es war ein sehr schöner Abschied.

bundesliga.de: Sie mussten im Pokalfinale leicht verletzt ausgewechselt werden. Wie schwer war es, die restliche Partie von der Bank aus zu beobachten?

Baumann: Die Zeit auf der Bank war schon ziemlich schwer für mich. Man ist zum Zuschauen verdammt und hofft natürlich, dass die anderen das knappe Ergebnis über die Zeit bringen. Ich war allerdings sehr zuversichtlich, dass uns dies gelingen würde und die Jungs haben das Spiel ja dann auch souverän zu Ende gebracht.

bundesliga.de: Sie sind erst 33 Jahre alt, also eigentlich noch im besten Fußballeralter. Warum haben Sie sich dennoch zum Ende Ihrer aktiven Laufbahn entschieden?

Baumann: Das mit dem besten Fußballeralter ist relativ. Ich bin jetzt knapp 34 Jahre alt. Da muss man sich schon Gedanken machen, wie man seine Zukunft gestalten will. Ich habe mir das in den vergangenen Monaten ausgiebig überlegt und hatte eben das Gefühl, dass jetzt ein guter Zeitpunkt wäre, um Schluss zu machen. Ich wollte gehen, solange ich noch einigermaßen vernünftig über den Platz laufen kann. Ich habe die Zeit sehr genossen und der Abschluss war natürlich auch für mich persönlich sehr gut. Jetzt freue ich mich auf einen neuen Lebensabschnitt.

bundesliga.de: Sie waren immer eine Art rechte Hand von Trainer Thomas Schaaf auf dem Platz. Wie sehr hat er Sie und Ihr Leben geprägt?

Baumann: Unter Thomas Schaaf hatte ich meine besten Jahre als Fußballer. Ich bin im Alter von 24 Jahren nach Bremen gekommen und habe die kompletten zehn Jahre, die ich nun hier bin, mit Schaaf zusammen im Verein verbracht. Wir haben gute Erfolge feiern und uns in der Spitze der Bundesliga etablieren können. Hinzu kam der eine oder andere Titel, den wir gewonnen haben. Thomas Schaaf war daher natürlich eine sehr wichtige Person in meiner Fußballerkarriere.

bundesliga.de: Sie bleiben Werder auch weiterhin als Assistent der Geschäftsführung treu. Können Sie schon etwas zu Ihren Aufgabenbereichen sagen?

Baumann: Die Aufgaben, die Klaus Allofs allein bewerkstelligt, werden immer mehr. Letztendlich bin ich da, um ihn zu unterstützen und natürlich auch, um von ihm zu lernen. Ich werde Klaus Allofs in allen Aufgabenfeldern, die er bis jetzt allein bearbeitet hat, zur Seite stehen. Das ist eine sehr umfangreiche Arbeit. Es freut mich natürlich, dass der Verein mir die Möglichkeit gibt, meine Laufbahn nach der Fußballerkarriere auch bei Werder beginnen zu können.

bundesliga.de: Was macht Werder Bremen Ihrer Meinung nach aus?

Baumann: Werder Bremen ist ein sehr seriöser Verein, der erstklassig wirtschaftet. Mit relativ bescheidenen Mitteln hat sich der Club an die Spitze gekämpft und in der Bundesliga etabliert. Aus meiner Sicht ist Werder auch ein sehr sympathischer Verein, der auch sehr viele Fans hat. Das konnte man gerade erst beim Pokalfinale in Berlin wieder sehen. Es ist eine Ehre, dass ich hier zehn Jahre aktiv spielen konnte und jetzt auch die Möglichkeit bekomme, in der Geschäftsstelle mitzuwirken.

bundesliga.de: Trotz des Triumphs im DFB-Pokal hat Bremen in der Bundesliga eine schwierige Saison hinter sich. Denken Sie, die Mannschaft wird in der kommenden Saison wieder eine gewichtigere Rolle spielen?

Baumann: Ich glaube schon. Wir haben in den Jahren vor dieser Saison zur absoluten Spitze der Bundesliga gehört. Leider konnten wir die Erfolgserlebnisse vergangener Jahre in dieser Saison nicht wiederholen - zumindest nicht in der Bundesliga. Wir werden natürlich alles dran setzen, dass wir nächste Saison wieder erfolgreicher sind. Wir wollen wieder erfolgreich in der Bundesliga spielen und uns vielleicht auch wieder für die Champions League qualifizieren.

bundesliga.de: Dank des Siegs im DFB-Pokal ist Werder auch kommende Saison international dabei. Wie wichtig ist diese Tatsache für eine Spitzenmannschaft wie Bremen?

Baumann: Das ist sehr wichtig für den Verein. Es kann finanziell lukrativ und interessant werden. Vor allem für die Spieler - sowohl für die, die hier sind als auch für eventuelle Neuzugänge, die hier dann eine noch bessere sportliche Perspektive sehen, als sie ohnehin schon gegeben ist.

bundesliga.de: Abschließende Frage. Gibt es neben dem DFB-Pokalsieg zum Abschied noch einen Moment in Ihrer Karriere, den Sie als absolutes Highlight herausheben würden?

Baumann: Das "Double" 2004 war sportlich und auch von den Emotionen her gesehen das Highlight meiner Karriere.

Das Gespräch führte Sebastian Stolz