Sein Klub 1. FC Köln feierte bereits im Februar das Vereins-Jubiläum, 60 Jahre alt wurde der dreimalige deutsche Meister.

Nun steht für Präsident Wolfgang Overath ein neuralgischer Jahrestag an, der in den Köpfen der Menschen stets mit dem Erreichen des Rentenalters verbunden wird: Der Weltmeister von 1974, große Spielmacher von einst und jetzige FC-Präsident feiert am Montag seinen 65. Geburtstag.

"Habe dem FC viel zu verdanken"

Von Ruhestand kann beim 81-maligen Nationalspieler allerdings keine Rede sein. Overath ist drahtig wie eh und je, spielt zweimal die Woche Fußball, repräsentiert von seiner Heimatstadt Siegburg aus weiter den Sportartikelriesen adidas, setzt sich für Menschen in Notlagen ein und kämpft unermüdlich für den FC.

"Als junger Mensch tendiert man immer zu den großen Klubs in der Region, und da gab es für mich nur den FC. Ich habe dem Verein viel zu verdanken. Der FC ist für mich immer eine Herzensangelegenheit. Ich mache das hier ehrenamtlich und kann so dem Verein etwas zurückgeben", sagt der Jubilar.

Teil der Mission ist vollbracht

2004 übernahm Overath das Amt des Vorsitzenden, in einer schwierigen Lage für den FC. 2005 der Aufstieg, 2006 wieder der Abstieg, dann die geglückte Heimkehr des Wunschtrainers Christoph Daum, zwei Jahre zweite Liga und im Sommer die Rückkehr ins Oberhaus.

Ein Teil der Mission ist vollbracht, nun soll der FC sich wieder in der Bundesliga etablieren und mittelfristig da hinkommen, wo er zu Beginn der Profi-Karriere Overaths einmal war.

"Als die Bundesliga gegründet wurde, hatte der 1. FC Köln in Deutschland den Status, den Bayern München heute hat. Damals haben sich die Spieler in den anderen Vereinen noch in der Garage umgezogen, da hatten wir schon das Geißbockheim", erzählt Overath.

Meistertitel in der Debütsaison

1963 wechselte der Mittelfeldspieler vom Siegburger SV 04 zum damals frischgebackenen deutschen Meister Köln und holte in der ersten Bundesliga-Saison, seiner ersten Profispielzeit, als 20-Jähriger direkt den Titel.

Nach dem Rücktritt von 54er-Weltmeister Hans Schäfer übernahm Overath sofort die Führungsrolle. Er war schon in jungen Jahren ein Alpha-Tier.

Machtkampf mit Weisweiler

Diese Eigenschaft, die Führungsrolle zu beanspruchen und selbstverständlich auch die Verantwortung für alles zu übernehmen, führte 1977 zum Ende seiner außergewöhnlichen Karriere. Hennes Weisweiler hatte es nicht mit Stars, für die Trainerlegende stand immer die Mannschaft im Vordergrund.

Overath nimmt diesen Konflikt, aus dem er als Verlierer hervorging, in der Retrospektive sportlich. "Ich sehe es positiv. Damals hätte ich den Absprung nicht geschafft, das Maß nicht gefunden. Weisweiler war einer der größten Trainer in der Zeit. Dass er mit den Führungsspielern nicht klar kam, war vielleicht seine Schwäche", erzählt Overath.

543 Pflichtspiele (118 Tore) machte er für den FC, davon 409 in der Bundesliga (83 Tore). 17-mal traf er in der Nationalmannschaft, für Deutschland nahm er an den WM-Turnieren 1966, 1970 und 1974 teil.

Soziales Engagement und Familie

Aber Overath hat Zeit seines Lebens immer über den Tellerrand hinausgeblickt, setzt sich besonders für Obdachlose in Köln und Siegburg ein.

1994 gründete er - im Wesentlichen aus eigenen finanziellen Mitteln - den Overath-Fonds, durch den Menschen in sozialen Notlagen schnelle, wirksame und unbürokratische Hilfe erhalten, wenn gesetzliche Möglichkeiten ausgeschöpft sind. Außerdem organisiert er mit den Altinternationalen Fußballspiele für Hilfsbedürftige. Auch ehemaligen Kollegen greift er unter die Arme, so unter anderem seinerzeit dem alkoholkranken Werner Biskup.

Für sein soziales Engagement erhielt Overath ("Weil ich etwas vom großen Glück zurückgeben will, das ich in meinem Leben gehabt habe") die Ehrenbürgerschaft der Stadt Siegburg und jüngst das Bundesverdienstkreuz erster Klasse. Über all dem steht aber die Familie, Ehefrau Karin, Adoptivtochter Silvana und die Söhne Sascha und Marco. "Die Familie geht für mich immer vor. Immer."