Leverkusen - Bayer Leverkusen hat eine Chance verpasst. gegen Hertha BSC ließen die Rheinländer am Wochenende fahrlässig Punkte liegen. Die Qualifikation zur Europa League droht für den Vizemeister jetzt zur Zitterpartie zu werden.

Es war ein Rückfall in überwunden geglaubte Zeiten der Ära des vor etwas mehr als zwei Wochen entlassenen Trainers Robin Dutt. Wieder einmal verspielte Bayer Leverkusen eine scheinbar sichere Führung, zum dritten Mal in dieser Saison bereits im eigenen Stadion einen 2:0-Vorsprung. Das zarte Pflänzchen Hoffnung, das durch den keineswegs überzeugend herausgespielten 3:1-Erfolg gegen den abgeschlagenen Tabellenletzten 1. FC Kaiserslautern gewachsen war, droht wieder zu verwelken.

Entscheidung am 34. Spieltag



Rudi Völler schwant schon Böses. "Es wird am 34. Spieltag in Nürnberg ein Endspiel um die Europa League geben. Da bin ich sicher", sagte der Bayer-Sportdirektor. Statt sich mit einem "Dreier" beinahe schon vorentscheidend von der Konkurrenz abzusetzen, bleibt die "Werkself" mittendrin im "Schneckenrennen" um die Europa-League-Plätze.

Da aber auch die Konkurrenz aus Hannover, Wolfsburg, Bremen und Hoffenheim alles andere als Angst und Schrecken verbreitet, führt Leverkusen das Feld der Unentschlossenen immer noch als Tabellen-Sechster an. Und selbst Platz 7 würde in dieser Saison für das internationale Geschäft noch reichen.

Ordentlich statt sehr gut



Für das neue Trainergespann Sascha Lewandowski und Sami Hyypiä war das Remis gegen Hertha jedenfalls der erster Dämpfer in ihrer kurzen Amtszeit. Mit einem Sieg hätte die Ausbeute aus ihren ersten drei Bundesliga-Spielen sieben Punkte betragen, ein akzeptables Ergebnis. So ist die Bilanz getrübt. Denn wer nach Europa will, muss seine beiden Heimspiele gegen die beiden aktuell schlechtesten Mannschaften der Bundesliga ohne wenn und aber gewinnen. Noch dazu, wenn man wie Leverkusen gegen die Hertha in Führung liegend in Überzahl agiert.

Entsprechend ernüchtert zog Sascha Lewandowski ein erstes Fazit. "Mit einem Sieg hätten wir eine gute Woche richtig rund machen können", ärgerte sich der Coach. "Wir hätten einen Riesenschritt in die richtige Richtung gemacht. Es wäre der Abschluss einer sehr guten Woche gewesen. Das ist nicht gelungen. So war es nur eine ordentliche Woche."

So muss der immer noch amtierende Vizemeister auf dem Weg nach Europa an den letzten drei Spieltagen noch anspruchsvolle Aufgaben meistern. Am kommenden Wochenende geht es nach Hoffenheim, danach im eigenen Stadion gegen Hannover und zum Abschluss dann wie von Rudi Völler bereits angesprochen nach Nürnberg.

Bayer vor schwerer Aufgabe



Mut macht aber die ausgezeichnete Bilanz gegen Hoffenheim (sechs Siege, ein Unentschieden in den bisherigen sieben Spielen). "Wir müssen unsere Schlampigkeit der letzten Heimspiele in Hoffenheim abstellen", fordert Rudi Völler. "Ich bin da auch zuversichtlich, weil wir das auswärts komischerweise besser machen als zuhause."

Bayer Leverkusen würde gut daran tun, die Qualifikation vor dem finalen Spieltag sicherzustellen. Denn mit Nürnberg verbindet die "Werkself" nicht die besten Erinnerungen. Vor zehn Jahren verspielte Bayer dort am vorletzten Spieltag die Meisterschaft, vor zwei Jahren endete im Frankenstadion die Serie von 24 Spielen ohne Niederlage. Und auch beim letzten Auftritt verlor Leverkusen mit 0:1.

Allerdings gab es 2003 in Nürnberg auch einmal ein Happy End. Damals siegte Bayer mit 1:0 und feierte. Den Klassenerhalt. So schlimm steht es in diesem zum Glück nicht um die Rheinländer ...

Aus Leverkusen berichtet Tobias Gonscherowski