Sinsheim - Alexander Rosen, der Geschäftsführer Sport der TSG Hoffenheim, geht bei Heimspielen immer kurz vor dem Abpfiff der Spiele von der Tribüne in die Kabine. Auch am Samstag war das so, es stand 1:1 zwischen der TSG Hoffenheim und dem VfB Stuttgart (Spielbericht).

Rosen verfolgte die letzten Sekunden der Partie auf einem Bildschirm, das Übertragungssignal lief dort etwas zeitversetzt zu den realen Ereignissen. Und so kam es, dass Rosen dieses so wichtige 2:1 für seine TSG zuerst durch den Jubel der Fans gehört als es auf dem Bildschirm gesehen hatte. Das hat Rosen danach ziemlich erleichtert erzählt und lachend hinzugefügt: "Danach habe ich erstmal einen lauten Schrei rausgelassen."

TSG-Held Sebastian Rudy

Dieser erste Sieg im Kalenderjahr 2015 ließ die Stimmung der Hoffenheimer innerhalb weniger Sekunden auf Rosenmontagsball-Niveau steigen.

Trainer Markus Gisdol schlug einen Medienmitarbeiter mit seiner Hand so fest in dessen Hand, dass man fast Angst haben musste, der arme Mann habe die Hand gebrochen. Die Fans feierten vor der Kurve mit den Fans, und Siegtorschütze Sebastian Rudy gab auf dem Zaun den Zeremonienmeister. Nach drei Niederlagen zuvor war dieser Erfolg ungemein wichtig für das Selbstverständnis dieser Mannschaft.

Trainer Gisdol sprach von einem "brutal wichtigen" Sieg, auch wenn er sich durch das späte Siegtor auch ein bisschen glücklich anfühlte. Erzwungen hat ihn letztlich Sebastian Rudy, der den Ball im Mittelfeld erkämpfte, zu Kevin Volland weiterleitete und sich dann in jene Position sprintete, von wo aus er VfB-Torwart Sven Ulreich den Ball zur Entscheidung durch die Beine schob. Mit dieser Energieleistung in allerletzter Minute stand Rudy exemplarisch für das Motto, das Gisdol vor dem Anpfiff für seine zuvor drei Mal geschlagene Mannschaft ausgegeben hatte.

Den Kampfanzug anziehen

"Wir wollten den Kampfanzug anziehen, und haben uns vorgenommen, jeden Zentimeter des Platzes zu bearbeiten und alles reinzuwerfen, was da ist", erläuterte Gisdol.

Nach dem glücklichen Ausgang lobte er dieses kämpferische Gesicht seiner Mannschaft, das der Trainer in dieser Ausprägung so zuvor noch nicht gesehen habe, wie er erklärte. Ein besonderes Lob hatte Gisdol auch für Rudy übrig, der ja erstmals in der Rückrunde von Anfang an spielen durfte.

Rudy sei schon letzte Woche bei der Niederlage in Wolfsburg ein Startelfkandidat gewesen, so Gisdol, aber da habe er wegen einer Gelbsperre nicht eingesetzt werden können. Im zentralen Mittelfeld herrsche eben ein großer Konkurrenzkampf, so Gisdol. Weil gegen den VfB Eugen Polanski gelbgesperrt fehlte, agierte Rudy neben Pirmin Schwegler. Und das genau so, wie Gisdol das sehen will: mit Übersicht, kampf- und laufstark und am Ende sogar torgefährlich.

Rudy zollte der ganzen Mannschaft ein Lob, alle hätten eine super Leistung gebracht. Auf dem Zaun bei den Fans als Einpeitscher sei er zum zweiten Mal gewesen, das Humba-Täterä kam ihm ziemlich locker von der Zunge. Und als einer von acht ehemaligen VfB-Spielern im Hoffenheimer Kader genoss er dieses Tor natürlich besonders. Die Konkurrenzsituation sei sehr groß bei der TSG, gab auch Rudy zu seiner persönlichen Situation zu bedenken.

Zurück in der Erfolgsspur?

In der Vorrunde hat er oft rechter Verteidiger gespielt, weil Andreas Beck links aushelfen musste, der mittlerweile gesetzte Südkoreaner Kim fehlte ja oft. Rudys Lieblingsposition ist aber die im zentralen Mittelfeld, wo er seine strategischen Fähigkeiten am besten ausspielen kann. "Jeder muss immer Vollgas geben, sonst spielt man nicht", sagt Rudy.

Ob die TSG nach diesem Last-Minute-Sieg nun wieder in der Erfolgsspur ist, wird sich aber erst zeigen müssen. Spielerisch läuft vieles nicht rund, und wenn Roberto Firmino gerade keinen Geistesblitz hat, passiert vorne derzeit nicht viel. Und hinten wird es personell langsam eng. Gegen Stuttgart pausierte Innenverteidiger Tobias Strobl (Oberschenkelprobleme) und David Abraham humpelte verletzt vom Platz, für ihn kam Jeremy Toljan. Eines jedenfalls stimmt wieder vor dem schweren Auswärtsspiel am kommenden Wochenende beim SC Freiburg: Der Abstand auf Leverkusen auf Tabellenrang sechs wurde auf drei Punkte verkürzt und Selbstvertrauen ist auch wieder da.

Von Tobias Schächter