Freiburg - Wer häufiger Spiele des SC Freiburg sieht, weiß, dass es kaum ein Team gibt, das anständiger verliert als das Team aus dem Südbadischen. Mögen die Niederlagen, zum Beispiel gegen Schalke oder Wolfsburg auch noch so unglücklich zu Stande gekommen sein - Trainer und Spieler vergessen nie, den Gegner zu beglückwünschen und dessen gute Szenen aufzuzählen

Am Samstagnachmittag hat sich der SC-Tross als höflicher Gewinner gezeigt. Dass der FCK sehr gut, im Grunde sogar besser als das eigene Team gespielt habe, gaben sie alle zu: Stefan Reisinger, Felix Bastians und all die anderen Spieler, die mit freudestrahlendem Blick vor die Mikrofone traten.

Zum dritten Mal einen Rückstand gedreht

So viel Großmut - in Lautern werden sie sagen: Realitätssinn - kann man sich ja auch erlauben, wenn man nach neun Spielen schon 15 Punkte auf dem Konto hat und mit einiger Berechtigung davon ausgehen kann, dass diese Saison deutlich sorgenfreier verläuft als die vergangene. Im Aufstiegsjahr sah der schließlich lange Zeit wie ein sicherer Absteiger aus und konnte sich erst am 33. Spieltag ans rettende Ufer bugsieren. Neuerdings, so scheint es, gewinnt der SC Freiburg sogar Spiele, in denen nicht allzu viel zusammenläuft.

Grund genug, sich an dem zu erfreuen, was aus Freiburger Sicht die Highlights der Partie waren. Es war zum Beispiel aller Ehren wert, wie Felix Bastians gleich zwei Mal weit und hoch in den Rücken der Lauterer Abwehr flankte und dabei ein Mal den derzeit treffsichersten Bundesligaspieler Papiss Demba Cissé (35.) und ein Mal Stefan Reisinger (60.) bediente.

Außerdem hat man zum dritten Mal in dieser Spielzeit einen Rückstand wettgemacht. Es scheint also, als sei das Team gefestigter als noch in der vergangenen Saison, wie nicht nur Trainer Robin Dutt findet: "Wir haben heute gezeigt, dass wir, wenn spielerisch nicht viel geht, auch kämpfen können."

Schweres Programm steht bevor

Und dann wäre da natürlich noch der Mann mit der Rückennummer 9. Papiss Demba Cissé, den die Fans feiern, als sei er bereits seit 20 Jahren an der Dreisam zu Hause. Seinen achten Saisontreffer hat der Senegalese am Samstag erzielt - im neunten Saisonspiel. Kein Wunder, dass sein Trainer gefragt wurde, ob er da den zweiten afrikanischen Bundesliga-Torschützenkönig nach Antony Yeboah (Eintracht Frankfurt) in spe trainiere.

Dutt wollte das nicht ausschließen. Wichtiger als solches Lob sind ihm aber die Charaktereigenschaften des Goalgetters: "Er ist im Training immer sehr sehr ehrgeizig und ruht sich nie auf seinen Lorbeeren aus." Dann schmunzelte der Coach: "Wenn der SC schon mal so viel Geld ausgibt, muss der Betreffende allerdings auch ein Guter sein."

Am Dienstag muss der SC im Pokal bei Energie Cottbus ran - "ein unangenehmer Gegner, der sehr kampfstark ist", wie der verletzte Kapitän Heiko Butscher findet. Danach spielt man gegen Bayern München, Mainz 05 und 1899 Hoffenheim. Gut möglich also, dass sie ihr 15-Punkte-Konto also schon bald gut gebrauchen können.

Aus Freiburg berichtet Christoph Ruf