Bremen - Werder Bremen musste in seinem vierten Vorbereitungsspiel auf die neue Saison der Bundesliga die erste Niederlage hinnehmen. Das Team des neuen Trainers Robin Dutt unterlag bei Drittligist VfL Osnabrück mit 0:1 (0:1). Für Dutt zum jetzigen Zeitpunkt kein Grund zur Beunruhigung.

Der 48-Jährige brachte im Stadion an der Bremer Brücke Cedrick Makiadi erst zur zweiten Halbzeit und verzichtete auf Mehmet Ekici, der den am vergangenen Mittwoch in Zell am Ziller im Test gegen Zweitligist TSV 1860 München (1:1) erlittenen "Pferdekuss" auskurieren sollte, ganz. Zwei Spieler, die in Dutts defensiven Planspielen eine zentrale Rolle einnehmen.

"Wir haben uns herzlich umarmt"



Makiadi stieß im Trainingslager im Zillertal zum Kader und Dutt freute sich über das Wiedersehen mit seinem Wunschspieler. "Wir haben uns herzlich umarmt. Es ist schön, ihn wieder in meiner Mannschaft begrüßen zu dürfen", sagte Dutt. Drei Millionen Euro überwies Werder Bremen für den 29-Jährigen, um ihn vom SC Freiburg loseisen zu können. Weil Dutt davon überzeugt ist, dass Makiadi die Schotten mittschiffs dicht machen kann.

Der gebürtige Kongolese, der in Lübeck aufwuchs, ist eigentlich gelernter Stürmer. Dutt aber funktionierte ihn während der gemeinsamen Zeit im Breisgau (2009 bis 2011) zum "Sechser" um. "Ich war anfangs von diesem Plan überhaupt nicht begeistert. Es brauchte viele und lange Gespräche, bis er mich davon überzeugen konnte, dass er mich im zentral defensiven Mittelfeld für wertvoller hält. Rückblickend würde ich sagen, er hat mich zu meinem Glück gezwungen. Denn durch seine Idee bin ich zu einem Fußball-Strategen geworden", sagte Cedrick Makiadi.

Diese Qualitäten soll er nun bei Werder einbringen und im Duttschen "Defensiv-Puzzle" zum wichtigsten Teilchen werden. Eine Wild-Card für die Startelf sieht Makiadi in der Gunst des Trainers jedoch nicht. "Natürlich ist es schön, wenn der Trainer auf dich baut. Aber ohne Leistung kommt keiner in die Aufstellung", sagte der 177fache Bundesliga-Spieler.

Das neue Werder-Hirn



Dennoch ist Makiadi natürlich zunächst gesetzt. Zumal er seine Rolle total verinnerlicht hat. "Auf meiner Position ist es zunächst wichtig, jede noch so kleine Lücke zu schließen. Denn wenn der Gegner durch die Mitte kommen kann, wird es gefährlich. Bei Ballgewinn gilt es dann aber auch sofort, mit einem gezielten Pass einen eigenen Angriff einzuleiten. Mein Anspruch ist, stets der bessere "Sechser" zu sein, als der Gegner ihn hat."

Umschaltspieler nennt sich so etwas heute und bedeutet viel Laufarbeit. Doch trotz der Anforderungen, die Makiadi an sich selbst stellt, nimmt er auch seine Mitspieler gleich in die Pflicht. "Das ganze Konstrukt funktioniert nur, wenn die beiden offensiven Außen diszipliniert nach hinten arbeiten. Sonst hast du im modernen Fußball keine Chance mehr." Cedrick Makiadi - er vermittelt mit all seinen konkreten Gedanken tatsächlich den Eindruck, als könne er das neue Gehirn im Werder-Spiel werden.

"Ich bin als Sechser groß geworden"



Wer aber wird der Mann neben Makiadi in der von Dutt bevorzugten Doppel-Sechs? Der Trainer, der sich seit seinem Amtsantritt beim vierfachen Deutschen Meister bisher offen, kontaktfreudig und witzig präsentierte, überraschte in den Tagen des Trainingslagers im Zillertal mit der Überlegung, Mehmet Ekici ins zentrale defensive Mittelfeld zurückzuziehen. Für Ekici kein unbekanntes Terrain. In seiner Zeit bei Bayern München II (2007 bis 2010) hat der 23-Jährige damals neben Holger Badstuber ebenso den offensiven Part der Doppel-Sechs gebildet wie dann später auch beim 1. FC Nürnberg (2010/11) neben Jens Hegeler oder Timmy Simons. "Ich bin als 'Sechser' groß geworden und dann von Jahr zu Jahr irgendwie immer weiter nach vorne gerückt. Für mich wäre es also überhaupt kein Problem, wieder vor der Abwehr zu spielen, zumal ich dabei ja ebenso im Zentrum agieren würde", sagte Mehmet Ekici.

Nach Cedrick Makiadi in Freiburg könnte Robin Dutt also eventuell den nächsten offensiven zum defensiven Spieler machen. "Für die Position eines 'Sechsers' braucht es spielstarke Leute mit Verantwortungsbewusstsein für Abwehrarbeit. Wenn ich die in meinem Kader entdecke, dann versuche ich sie auch, von dieser Aufgabe zu überzeugen", sagte Dutt. Ein Indiz für verstärktes Defensivdenken sei die Variante indes nicht. "Wenn ich einen wie Ekici dort hinstelle, dann spricht das eher für das Gegenteil."

Thomas Schulz