Lyon - Ein Blick in die Historie der Champions League lässt eigentlich keinen Zweifel aufkommen: Olympique Lyon geht favorisiert in die Partie gegen den FC Schalke 04 (ab 20:30 Uhr im Live-Ticker). Felix Magath, der Trainer der "Knappen", fühlt sich in dieser Rolle auch sichtlich wohl. "Wir spielen gleich beim großen Favoriten auf den Gruppensieg. Etwas Besseres kann uns gar nicht passieren", erklärte er auf der Pressekonferenz vor der Partie.

Doch so ganz dürfte die Rollenverteilung nicht stimmen. Zwar haben die Franzosen in der "Königsklasse" deutlich mehr Erfahrung. Vergleicht man jedoch die Qualität der Kader, so messen sich die Kontrahenten sicherlich auf Augenhöhe. "Schalke hat eine sehr starke Mannschaft und ist ähnlich offensiv ausgerichtet, wie wir es sind. Es wird eine offene Partie", glaubt auch Lyons Neuzugang Jimmy Briand.

Die Partie am Abend im Stade de Gerland ist nicht nur im Hinblick auf die Qualifikation fürs Achtelfinale enorm wichtig. Auch für das weitere Abschneiden in der Liga könnte das Ergebnis Signalwirkung haben. Denn sowohl für OL als auch für S04 ist der Start in die Saison missglückt. Während die Lyonnais immerhin fünf Punkte aus fünf Spielen auf dem Konto verbuchen konnte, warten die Schalker nach drei Spieltagen immer noch auf den ersten Punktgewinn. "Mit einem Erfolgserlebnis in der Champions League können wir positiv in die nächsten Ligaspiele gehen", erklären so dann auch Briand und Schalkes Kapitän Manuel Neuer unisono.

Personelle Situation:

Ausgerechnet für die ohnehin schon schwächelnde Viererkette der Schalker muss sich Trainer Felix Magath etwas einfallen lassen. Christoph Metzelder musste nach seiner Auswechslung wegen Leistenproblemen in Hoffenheim auch für Lyon passen. Da der Japaner Uchida mit einem gebrochenen Zeh von der Länderspielreise heimkehrte, und ebenfalls ausfällt, wird auf der rechten Abwehrseite wieder ein neuer Spieler sein Glück versuchen. Die besten Karten für einen Einsatz dürfte der erfahrene Hans Sarpei haben. Seinen Part auf der linken Seite würde dann Lukas Schmitz einnehmen. In der Innenverteidigung hält Magath weiter große Stücke auf Benedikt Höwedes und Nicolas Plestan.

Das Mittelfeld überzeugte in Hoffenheim - trotz des 0:2. Jones, Moritz und Rakitic dürften aber dieses Mal von Farfan anstatt Edu Unterstützung erhalten. Im Angriff geht kein Weg an Huntelaar und CL-Rekordtorjäger Raul vorbei.

Lyon plagen wie Schalke Sorgen in der Defensive. Abwehrchef Cris ist gesperrt und zu allem Überfluss ging die Genesung von Aly Cissokhos Oberschenkel nicht so schnell voran wie gewünscht. Der erst 18-Jährige Timothee Kolodziejczak soll es deshalb auf der linken Seite gegen Farfan richten. Die Chance für Schalke?

In der Offensive sind die Hausherren ähnlich wie die Gäste auch nicht ganz zufrieden. Zwar ist der Angriff mit Top-Stürmer Lisandro Lopez und dem 22-Millionen-Euro-Neuzugang Yoan Gourcuff exzellent besetzt, aber bislang harmonierte das Duo noch nicht. Der Angriff dürfte aber neben Torhüter Hugo Lloris als Prunkstück bei "Les Gones" - den Kindern - gelten.

Form:

Drei Spiele, zwei Tore, null Punkte - eine ernüchternde Bilanz für die Schalker. Aber eine richtige Enttäuschung macht sich noch nicht breit. Denn angesichts vieler, vieler Neuzugänge ist es für die Mannschaft schwierig, sich innerhalb weniger Wochen zu finden. "Uns tut es gut, dass wir alle drei, vier Tage ein Spiel haben. Denn so kann man sich besser einspielen", erklärte Neuer.

Trainer Magath macht trotz der Pleitenserie aber eine positive Entwicklung aus - vor allem in der Abwehr. "Höwedes und Plestan haben mir in Hoffenheim schon gut gefallen. Deshalb bin ich zuversichtlich, dass sie auch in Lyon gut spielen werden. Unsere Defensive wird sich auf jeden Fall verbessern."

Nach dem 1:1 am 5. Spieltag gegen die Außenseiter von AFC Valenciennes macht sich beim Olympique Lyon Ernüchterung breit. Sogar die Fans nach der mageren Ausbeute von fünf Punkten auf die Barrikaden. Aber wie Magath glaubt auch Lyon-Coach Claude Puel an eine Wende zum Guten. "Ich bin von unseren Möglichkeiten überzeugt", lautet seine Ansage.

Zahlen und Fakten:

Für Lyon und Schalke ist es die erste Begegnung in einem Pflichtspiel.

Schalke verlor die vergangenen drei Champions-League-Spiele allesamt und konnte auswärts nur eine der letzten neun Partien gewinnen (sechs Niederlagen, zwei Remis). Am 3. Oktober 2007 gab es einen 2:0-Sieg bei Rosenborg Trondheim. Bislang haben die "Königsblauen" alle ihre drei Auftaktspiele in der Champions League verloren.

Lyon nimmt zum elften Mal in Folge an der Champions League teil. Dabei erreichte das Team in den letzten sieben Jahren immer die K.o.-Phase.

Das sagen die Protagonisten:

Schalke-Trainer Felix Magath: "Dass wir auswärts beim Favoriten antreten, ist das Beste, was uns in dieser Situation passieren kann. Wir sind in der Bundesliga nicht so gut gestartet. Aber das gilt ja auch für Olympique, die noch keine Bäume ausgerissen haben. Deshalb sind die Startbedingungen sind für beide Teams gleich."

Manuel Neuer: "Olympique ist sicherlich Favorit. Aber wir wollen in der Gruppe ein Wörtchen mitreden und uns qualifizieren. In Lyon machen wir hoffentlich den ersten Schritt in die Richtung."

Nicolas Plestan: "Die Stimmung wird ganz anders sein als in der Bundesliga. Die Stadien sind auch nicht so modern. Lyon ist sicherlich der Favorit."

OL-Trainer Claude Puel: "Die Champions League ist ein ganz anderer Wettbewerb. Die Spieler werden ganz anders gefordert. Es wird ein offenes Match. Beide Mannschaften haben sehr viel Qualität im Kader.

Jimmy Briand: "Das wird ein Fest. Jeder in der Mannschaft freut sich auf solche Spiele. Ich hoffe, dass wir gegen Schalke einen Schritt nach vorne machen."

Die voraussichtlichen Aufstellungen:

Lyon: Lloris - Reveillere, Diakhate, Lovren, Kolodziejczak - Toulalan, Makoun - Briand, Gourcuff, Bastos - Lisandro Lopez

Schalke: Neuer - Sarpei, Höwedes, Plestan, Schmitz - Jones, Moritz - Farfan, Rakitic - Raul, Huntelaar

Schiedsrichter: Ivan Bebek (Kroatien)