Es gibt wohl kaum eine andere Bundesliga-Mannschaft, die so froh ist über die Länderspielpause wie 1899 Hoffenheim. Durchschnaufen ist angesagt im Kraichgau, nachdem sich am vergangenen Wochenende gegen Hannover 96 schon wieder zwei Spieler verletzt haben. Mit ein bisschen Glück sind zum nächsten Spiel einige Verletzte wieder fit, darunter Sejad Salihovic und Demba Ba.

Doch es steht außer Frage: Das hoch gelobte Hoffenheimer Offensivspiel kann mit insgesamt sechs Ausfällen von Leistungsträgern nicht mehr so erfolgreich sein wie noch in der Hinrunde. Mit Vedad Ibisevic, Sejad Salihovic, Demba Ba und Chinedu Obasi fehlen allein vier Spieler, die bis zum 25. Spieltag 40 der 52 Hoffenheimer Tore erzielt haben, und obendrein 24 Vorlagen gaben.

Kein Wunder, dass sich Trainer Ralf Rangnick gar nicht darüber aufregen kann, dass das Spiel gegen Hannover nur 2:2 endete. "Die Enttäuschung über die Verletzten überwiegt den Punktverlust", sagte er nach dem Spiel.

Gegen Hannover drei Spieler verloren

Denn nun ist auch die Abwehr betroffen. Innerhalb von 40 Spielminuten verlor Hoffenheim einen Innen- und einen Rechtsverteidiger. Matthias Jaissle wird mit einem Kreuzbandriss für den Rest der Saison fehlen, und auch Andreas Ibertsberger wird wegen eines Bänderrisses längere Zeit ausfallen.

Das Mittelfeld hat sich indes selbst reduziert: Luiz Gustavos Tätlichkeit gegen Arnold Bruggink könnte eine längere Sperre nach sich ziehen, zumal der Brasilianer in dieser Saison bereits drei Spiele gesperrt war.

Als 1899 Hoffenheim Herbstmeister wurde, da hatten viele eine Vision vor Augen: Einen Aufsteiger in der Champions League. Doch nun muss sich Hoffenheim wohl eher nach unten orientieren, zumal wichtige Spieler immer noch fehlen werden, wenn die Mannschaft in den nächsten Wochen gegen Gegner wie den Hamburger SV, Hertha BSC, den VfL Wolfsburg und den FC Bayern spielen muss.

Sieben sieglose Spiele

Was den Tabellenstand angeht, so zehrt die Mannschaft immer noch von ihrer guten Hinrunde. Zwar rechnet kaum noch jemand damit, dass Hoffenheim in das spannende Meisterrennen eingreifen kann. Doch immerhin steht man noch auf einem UEFA-Pokalplatz, und das, obwohl in den vergangenen zehn Spielen nur ein Sieg gefeiert werden konnte. Doch ausgerechnet der Lokalrivale VfB Stuttgart ist nun in Lauerstellung und liegt nur noch einen Punkt hinter dem Aufsteiger. Deshalb ist nun der gesamte Kader gefragt. Hoffenheims Manager Jan Schindelmeiser hat betont, dass man allen jungen Spielern das Vertrauen aussprechen muss, wenn sie eingesetzt werden.

Wieviel Knoff-Hoff hat Hoffenheim?

Bisher haben sie ihre Sache auch gut gemacht: In der Abwehr spielte der gerade 19 gewordene Fabricio, der für Jaissle kam, eine passable zweite Halbzeit. Vorne schoss Wellington acht Minuten nach seiner Einwechslung sein zweites Saisontor.

Die aggressive und offensive Spielweise der Mannschaft scheint auch von jenen umgesetzt werden zu können, die bisher noch nicht zu den Leistungsträgern zählten. Durch die verletzungsbedingten Rochaden aber wird sich zeigen, wie viel das Spielsystem zum Erfolg beigetragen hat, und wie viel die verletzten Angreifer mit ihrem Talent für Tore. Auf Hoffenheimer Überraschungen sollte man aber auf jeden Fall immer eingestellt sein.