München - bundesliga.de lässt im großen Jahresrückblick das spannende Fußball-Jahr 2010 Revue passieren. Lesen Sie nach, was sich im DEZEMBER 2010 ereignet hat: Der Winter hält Einzug in Deutschland mit frostigen Temperaturen und reichlich Schnee und Eis. Der Spielbetrieb in den ganz überwiegend modernen Arenen in der Republik wird dadurch kaum gestört, nur ein Zweitliga- und ein Pokalspiel müssen abgesagt werden. Dafür kommt so mancher Verein kräftig ins Rutschen.

Wer ein halbes Jahr weg war und die Bundesliga nicht verfolgen konnte, wird beim Blick auf die Abschlusstabelle der Vorrunde aus dem Staunen kaum herauskommen. Mindestens die Hälfte der Vereine findet sich auf einem Platz wieder, der so nicht geplant war. Das gilt im Guten wie im Schlechten.

Überraschungsteam Mainz

Wer hätte vor der Saison geglaubt, dass Borussia Dortmund zwei Spieltage vor Ende der Hinserie als Herbstmeister feststeht und einen kaum zu glaubenden Vorsprung von zehn Punkten auf den Tabellen-Zweiten aus Mainz haben würde. Wie bitte, Mainz? Genau, Mainz.

Leverkusen auf Platz 3, okay. Aber dann Hannover 96 zwei Punkte vor Bayern München auf Platz 4? Und auf Position 6 rangiert der SC Freiburg. Der Beinahe-Triple-Champion des Vorjahres umrahmt von Hannover und Freiburg, die vor sechs Monaten so gerade eben die Klasse gehalten haben.

Das sieht ja fast so aus, als wären die Spielergebnisse nach dem Zufallsprinzip ausgewürfelt worden. Wahnsinn. Oder neudeutsch: einfach geil. Diese Saison verläuft bislang so herrlich unberechenbar, dass jeder Spieltag seine eigenen Geschichten schreibt und Sensationen an der Tagesordnung sind.

Gekas schockt den Tabellenführer

Also Dortmund wird Herbstmeister. Die Borussia verliert das erste und letzte Spiel und holt dazwischen 43 von 45 möglichen Punkten. Haarscharf schrammt die Klopp-Truppe am historischen Bundesliga-Rekord der besten Vorrunde aller Zeiten vorbei.

Weil Lucas Barrios in der 87. Spielminute freistehend das Frankfurter Tor verfehlt und im unmittelbaren Gegenzug So geht Dortmund mit zehn statt 13 Punkten Vorsprung in die Rückrunde, in der es international nach dem K.-o. in der Gruppenphase nicht mehr vertreten ist. Leverkusen und Stuttgart machen es besser und sind noch dabei.

In gebührendem Abstand auf Spitzenreiter Dortmund folgt Mainz, das nach dem Startrekord vom September immerhin noch vier weitere Siege einfährt und mit 33 Punkten Zweiter ist vor den punktgleichen Leverkusenern. Hannover 96, das zwischen dem 12. und 16. Spieltag fünf Siege am Stück feiert (Vereinsrekord), überwintert als Vierter noch vor den Bayern.

14 Punkte Rückstand für Bayern

Die Münchener schaffen es an den letzten beiden Runden wenigstens erstmals, zwei Siege hintereinander zu realisieren. Schon schicken sie trotz ihrer 14 Punkte Rückstand wieder ihre Kampfansagen an den Tabellenführer.

Es gibt noch mehr gute Nachrichten aus der bayrischen Landeshauptstadt. Franck Ribery hat wieder zurück zu alter Form gefunden, Bastian Schweinsteiger seinen Vertrag bis 2015 verlängert. In der Champions League qualifiziert sich der FC Bayern mit seiner neuen Rekordpunktzahl von 15 Punkten souverän für das Achtelfinale.

Dort treffen die Bayern auf den frisch gebackenen Weltpokalsieger Inter Mailand (3:0 gegen den afrikanischen Überraschungsfinalisten TP Mazembe Lubumbashi aus der Demokratischen Republik Kongo). Dem deutschen Rekordmeister bietet sich also sehr frühzeitig die Gelegenheit zur Revanche für die Vorjahresfinalniederlage.

Raul schießt Schalke aus dem Keller

Neben den Bayern will auch der FC Schalke 04 in der Champions League weiter für Furore sorgen. Nach dem Gruppensieg freuen sich die "Knappen" auf den FC Valencia. Überhaupt ist der Dezember ein schöner Monat für "Königsblau".

Bayern München wird 2:0 geschlagen, in Mainz 1:0 gewonnen, der 1. FC Köln . Schon peilt Schalke-Trainer Felix Magath in der Bundesliga wieder mindestens Platz 5 an, von dem die Gelsenkirchener allerdings noch sieben Punkte getrennt sind.

Während Schalke nach einem katastrophalen Start die Kurve kriegt, fällt Werder Bremen brutal ab. Zermürbt vom andauernden Verletzungspech und zahlreichen Niederlagen läuft an der Weser nicht viel zusammen. Mit unterirdischen 19 Punkten geht es vorerst nur noch darum, nicht noch in akute Abstiegsgefahr zu geraten.

Labbadias Premiere misslingt spektakulär

In der befindet sich das prominenteste Sorgenkind der Liga. Der VfB Stuttgart schreibt Bundesliga-Geschichte, in dem er der erste Verein ist, der bereits zwei Trainer vor der Winterpause entlässt. Nach Christian Gross muss auch Jens Keller seine Koffer packen.

Die Rettung soll jetzt Bruno Labbadia gelingen. Doch der Einstand misslingt. Gegen Bayern München kassieren die Schwaben ihre 11. Saisonniederlage. Mit nur 12 Punkten auf dem Konto und fünf Zählern Rückstand auf Platz 15 geht es in die Rückrunde.

Neben dem VfB befinden sich auch die rheinischen Traditionsvereine in großen Nöten. Beim Schlusslicht Borussia Mönchengladbach kämpft Trainer Michael Frontzeck bislang vergeblich gegen ein brutales Verletzungspech, haarsträubende Defensivfehler und zahlreiche Undiszipliniertheiten seiner Truppe an. Die Borussia hält am Trainer fest.

Aufsteiger überzeugen

Etwas besser steht der 1. FC Köln da. Aber mit Platz 16 kann in der Domstadt auch niemand zufrieden sein. Allerdings punktet die Mannschaft unter dem neuen Trainer Frank Schaefer und hält den Anschluss an den FC St. Pauli, der noch über dem Strich steht.

Auch der andere Aufsteiger, der 1. FC Kaiserslautern, absolviert eine gute Vorrunde. Zufrieden überwintern auch Vereine wie der 1. FC Nürnberg, Eintracht Frankfurt oder 1899 Hoffenheim. Die Erwartungen nicht erfüllen können der mittelmäßige Hamburger SV und der enttäuschende VfL Wolfsburg auf Platz 13.

Aue überrascht in der 2. Bundesliga

In der 2. Bundesliga steht der FC Augsburg auf Platz 1 vor Hertha BSC und Energie Cottbus. Allerdings kann Erzgebirge Aue das Trio noch überholen, wenn es sein Nachholspiel gegen den FSV Frankfurt gewinnt. Wieder Hoffnung schöpft auch der VfL Bochum unter Friedhelm Funkel, der die letzten vier Spiele gewinnt. In Bielefeld droht dagegen nach 14 Niederlagen in 17 Partien der bittere Gang in die Drittklassigkeit.

Im internationalen Fußball dominieren die üblichen Verdächtigen Barcelona, Manchester United oder der AC Mailand. Überraschendes geschieht dagegen bei der Vergabe der kommenden Fußball-Weltmeisterschaften. Mit den Gastgebern Russland (2018) und vor allem Katar (2022) setzen sich zwei Außenseiter durch. Es hagelt Kritik.

Kuriosität des Monats

Neulich erinnerte die Düsseldorfer Stadionzeitung "Fortuna aktuell" wieder einmal an eine Sternstunde des Traditionsvereins, die über 30 Jahre zurückliegt. 1978 war es, als die Fortuna im Europapokal der Pokalsieger im Achtelfinale den FC Aberdeen auf ihrem Weg ins Endspiel ausschaltete.

Bei den Schotten saß ein gewisser Alex Ferguson auf der Bank, der später auch, 1983, mit eben jenem FC Aberdeen den Europacup gewinnen sollte. Wie, wird jetzt mancher fragen, der Ferguson war mal woanders Trainer als bei Manchester United? In der Tat.

Im Dezember feiert also jener inzwischen geadelte Sir Alex Ferguson ein stolzes Jubiläum. Seine 8.811 Tage auf der Trainerbank bei ManU bedeuten einen neuen Rekord. Seit über 24 Jahren coacht der Schotte den Topclub und damit länger als sein legendärer Vorgänger Sir Matt Busby. 45 Titel gewann er in der Zeit. Wir gratulieren.

Tobias Gonscherowski


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