Köln - Ball und Gegner laufen lassen - so sieht für viele Experten der ideale Fußball aus. Genau diese Vorstellung des Spiels haben die Spieler von Bayern München an diesem Wochenende eindrucksvoll umgesetzt. Während sich Schweinsteiger und Co. 691 Mal erfolgreich den Ball zuspielten, waren die Gäste aus Nürnberg zum Hinterherlaufen verdammt.

Bayern dominierte die Partie mit 72 Prozent Ballbesitz und einer Passquote von über 90 Prozent. So mussten die Münchner nur 108,7 km zurücklegen - der niedrigste Wert des Wochenendes -, während die Franken 116,9 km liefen und dennoch keine Chance hatten.

Schnelles Umschalten als Erfolgsrezept

Ganz anders der Spielentwurf des Tabellenzweiten aus Gelsenkirchen. Lediglich 159 Pässe der Schalker kamen beim Mitspieler an. Nur beim 1. FC Nürnberg waren es noch weniger. Die Quote von 69,7 Prozent erfolgreicher Zuspiele ist sogar die schlechteste des Spieltages. Diese Werte haben allerdings Methode: Anstatt auf eigenen Ballbesitz zu setzen, soll nach Balleroberung schnell umgeschaltet werden. Dies resultiert in einer höheren Anzahl von Risikopässen und führt damit auch zu mehr Fehlpässen. Dementsprechend hatte 1899 Hoffenheim in der Veltins Arena zwar 58 Prozent Ballbesitz, am Spielende aber keine Punkte.

Ähnlich wie die Schalker holten auch Werder Bremen und Hertha BSC ihre Punkte. Das Spiel wurde jeweils den Mainzern und Wolfsburger überlassen und dann schnell in die Spitze gespielt. In Mainz kam der erneut starke Claudio Pizarro so nach einem Ballverlust der Hausherren zu seinem 150. Bundesliga-Tor. Damit liegt der Peruaner in der ewigen Torschützenliste auf dem 13. Rang. Darüber hinaus bereitete der 33-jährige Vollblutstürmer den Bremer Führungstreffer durch Aaron Hunt mustergültig vor.

Leverkusen flink und fleißig

Mit großem Einsatz und mannschaftlicher Geschlossenheit konnte Bayer Leverkusen bereits am Freitagabend bei Robin Dutts altem Arbeitgeber in Freiburg gewinnen. Die Leverkusener setzten 188 Mal zum Sprint an - so häufig wie keine andere Mannschaft. Ihre Laufleistung von 123,9 km wurde nur vom ebenfalls fleißigen aber glücklosen Gegner aus Freiburg übertroffen. Die Spieler aus dem Breisgau spulten sogar 124,5 km ab.

Die individuelle Krone sicherte sich mit Lars Bender allerdings ein Leverkusener, der mit 13,6 km eine Saisonbestleistung aufstellte. Sein Teamkollege Sidney Sam war mit 31 Sprints der Eifrigste in dieser Kategorie. Die Punkte der "Werkself" kamen vielleicht etwas glücklich zustande, waren aber hart erkämpft. Dies spiegelt sich auch in der Zweikampfbilanz wider, denn die Spieler aus dem Rheinland konnten 55,4 Prozent der Zweikämpfe für sich entscheiden.

Marco Reus bärenstark

Auch in den anderen Stadien spielte die Zweikampfstärke an diesem Wochenende eine entscheidende Rolle: Hertha BSC war die einzige Mannschaft an diesem Spieltag, die trotz negativer Zweikampfbilanz drei Punkte holen konnte. Ansonsten gewannen immer die zweikampfstärkeren Teams. Beeindruckend Effektiv präsentierte sich am Sonntag der 1. FC Köln: Beim 3:0-Heimsieg gegen den FC Augsburg benötigten die Kölner lediglich fünf Torschüsse für ihre Treffer.

Ein heißer Kandidat für den Spieler des Spieltages ist sicherlich der Gladbacher Marco Reus, der im Heimspiel gegen Hannover 96 wie entfesselt agierte. Er gab sieben Torschüsse ab - der Topwert des Spieltages -, spulte ein für einen Angreifer sensationelles Pensum von 11,4 km ab, war mit 60 Ballkontakten immer anspielbereit und gewann 60,9 Prozent seiner Zweikämpfe. Nebenbei schoss er beide Treffer zum 2:1-Erfolg seiner Borussia. Mehr geht eigentlich kaum. Hannover hat in diesen Szenen auch Ball und Gegner laufen lassen - allerdings sicher anders, als Mirko Slomka sich das vorgestellt hatte.

Florian Reinecke