München - Das Länderspielwochenende gönnte den Vereinen in der Bundesliga noch einmal eine kurze Verschnaufpause. Ein Durchatmen, ein Innehalten, sozusagen die Ruhe vor dem Sturm. Denn jetzt biegt die Bundesliga auf die Zielgerade der Saison 2010/11 ein, an den verbleibenden sieben Spieltagen der nächsten sechs Wochen fallen Entscheidungen. Im Abstiegskampf, bei der Vergabe der internationalen Plätze und natürlich im Meisterschaftsrennen.

Letzteres möchte Tabellenführer Borussia Dortmund für sich entscheiden und braucht dafür im Topspiel gegen den Dritten Hannover 96 drei Punkte, sonst droht dem Team von Jürgen Klopp ein Herzschlag-Finale mit Bayer Leverkusen. Die "Werkself" lauert mit sieben Punkten Abstand auf Rang 2 und muss am 28. Spieltag in Kaiserslautern ran (alle Spiele ab 15 Uhr im Live-Ticker).

Borussia Dortmund - Hannover 96

Personell ist Borussia Dortmund vor der Partie gegen Hannover gut bestückt: "Es sieht danach aus, als ob es für alle außer Kagawa reichen könnte. Wir haben also die volle Auswahl", verkündet Trainer Jürgen Klopp. Neven Subotic (Fleischwunde am Fuß) und Jakub Blaszczykowski (Muskelverhärtung) waren zwar leicht verletzt von ihren Nationalmannschaften zurückgekehrt, werden aber zur Verfügung stehen. Neben Shinji Kagawa (Mittelfußbruch) fehlt den "Schwarz-Gelben" Florian Kringe (Mittelfußbruch). Am Donnerstag und Freitag legte Klopp das Augenmerk im Training darauf, Abläufe zu festigen, "die Jungs wieder auf unsere spezielle Herangehensweise einzustimmen, auf das, was wir in 99,5 Prozent aller Spiele dieser Saison getan haben".

Klopp weiß um die Stärke der Niedersachsen: "Wir wissen, wie gut Hannover ist und dass sie mit einem herausragend großen Selbstvertrauen antreten." Klopp sagt aber auch: "Hannover hat auswärts nicht so gepunktet wie im eigenen Stadion. Wir wollen unser Spiel durchsetzen." Beide Teams ähneln sich in der Spielanlage. Das Umschalten nach Balleroberung ist die große Stärke. Die Westfalen erzielten 18 Tore nach einem gegnerischen Ballverlust, die Niedersachsen 16. "Da hat Hannover eine herausragende Qualität entwickelt", attestiert Klopp, kennt aber auch das Gegenmittel: "Gegenpressing, den Ball schnell zurückerobern, die entstehenden Räume nutzen."

Auf Seiten der Hannoveraner beginnt Florian Fromlowitz im Tor für den an der Schulter verletzten Ron-Robert Zieler. Zusätzlich fallen Leon Andreasen und Christopher Avevor aus, die sich noch im Aufbautraining befinden. Coach Mirko Slomka strotzt nach den jüngsten Erfolgserlebnissen vor Selbstvertrauen: "Wir sind durchgestartet und rechnen uns was aus in Dortmund". Laut Slomka habe seine Mannschaft auswärts mittlerweile viel entgegenzusetzen und zeige ein ganz anderes Gesicht.




FC Bayern München - Borussia Mönchengladbach

Beim Aufeinandertreffen der besten Offensive und der schlechtesten Defensive ist ein Torreigen beinahe vorprogrammiert. Der FC Bayern hat in dieser Spielzeit bereits 59 Tore markiert, Borussia Mönchengladbach schon 61 kassiert. Bayerns Offensivkünstler Arjen Robben, der bei der Auswärtspartie in Freiburg wegen Oberschenkelproblemen vorzeitig vom Feld musste, ist wieder einsatzbereit: "Ich hatte eine gute Woche. Ich habe jetzt zwei Mal wieder mit der Mannschaft trainiert, es sieht gut aus für Samstag." Ausfallen wird der Belgier Daniel van Buyten, der sich bei der Nationalmannschaft einen Muskelfaserriss zuzog.

Der Rekordmeister will mit einem Heimsieg gegen die "Fohlen" Platz 3 erobern - vorausgesetzt ist ein Patzer von Hannover in Dortmund. FCB-Torjäger Mario Gomez gibt sich vor dem anstehenden Saisonfinale angriffslustig: "Wir werden mit aller Macht versuchen, von den letzten sieben Spielen möglichst viele zu gewinnen, dann werden wir Platz 2 oder 3 erreichen."

Auf Seiten der Gäste möchte man nicht schon wieder von der letzten Chance der Borussen im Abstiegskampf reden, aber eine Niederlage in der Allianz Arena würde die Situation beim Schlusslicht weiter verschärfen. Fünf Punkte Abstand haben die "Fohlen" bereits auf den Relegationsplatz. Geht die Truppe von Lucien Favre in München leer aus, vergrößert sich der Abstand sehr wahrscheinlich. Sportdirektor Max Eberl weiß, wie die Rollen verteilt sind, rechnet seiner Mannschaft dennoch Chancen aus: "Bei allem Respekt vor den Bayern, sie sind klarer Favorit. Aber wir spielen am Samstag 11 gegen 11." Nicht zur Verfügung stehen Jens Wissing (Aufbautraining) und Igor de Camargo (Knieverletzung).




SV Werder Bremen - VfB Stuttgart

Bremens Trainer Thomas Schaaf warnt vor der Partie gegen den VfB Stuttgart davor, "blinden Auges Schlüsse aus dem aktuellen 15. Tabellenplatz des Kontrahenten zu ziehen." Insbesondere vor dem Hintergrund der 0:6-Pleite im Hinspiel: "Es geht um die Konzentration auf diese Partie und dabei alles andere auszublenden. Mein zählender Part ist, was sie leisten könnten." Vor der Partie gegen den VfB plagen Werder Personalsorgen. Die ohnehin lange Ausfallliste der Norddeutschen ergänzt nun noch Claudio Pizarro, der sich gegen den 1. FC Nürnberg die fünfte Gelbe Karte abholte. Neben dem Peruaner müssen die "Grün-Weißen" auf Sebastian Boenisch, Sebastian Prödl (beide Knie-Operation), Naldo (Reha), Philipp Bargfrede (Fersenprellung) und Daniel Jensen (Knochenödem im Knie) verzichten.

VfB-Trainer Bruno Labbadia sieht die gastgebenden Bremer in den letzten Wochen im Aufwind. "Bremen hat in Nürnberg ein sehr gutes Spiel gezeigt. Sie sind dominant aufgetreten. Jetzt muss man aber sehen, wie Werder auf den Ausfall von Claudio Pizarro reagieren wird". Er attestierte Bremen zudem, wieder zur alten Spielstärke zurückgefunden zu haben. Die Ausgangssituation im Kampf um den Klassenerhalt hat sich dem Cheftrainer nach für den VfB nicht geändert: "Wir stecken nach wie vor mitten im Abstiegskampf, auch wenn wir froh sein können, dass wir in den letzten Spielen zehn von zwölf möglichen Punkten geholt haben."

Bei den Schwaben entspannte sich die schwierige Personalsituation der vergangenen Wochen. "Es war schon ein ungewohntes Bild im Training. Endlich standen mal wieder mehr als elf gegen elf Spieler auf dem Platz", freute sich Labbadia. Weiterhin fehlen dem VfB Ermin Bicakcic (Muskelfaserriss), Arthur Boka, Patrick Funk (beide Trainingsrückstand), Philipp Degen (Leisten-Operation) und Johann Audel (Kreuzbandriss).




1. FSV Mainz 05 - SC Freiburg

Betrachtet man die Heimbilanz des 1. FSV Mainz 05, könnte das Stadion am Bruchweg die richtige Adresse für ein Freiburger Erfolgserlebnis nach vier Niederlagen in Folge sein. Die Mainzer warten seit November vergangenen Jahres auf einen Heimsieg und holten aus den letzten fünf Spielen zuhause nur einen Punkt. "Wir wollen den Bock endlich mal umstoßen", sagte Mainz' Trainer Thomas Tuchel im Vorfeld der Partie, hebt aber gleichzeitig warnend den Zeigefinger: "Der SC ist sehr unangenehm zu bespielen. Sie sind defensiv sehr diszipliniert, stehen in einer außerordentlichen Kompaktheit und beeindrucken mit außergewöhnlichem Fleiß. Es ist schwer, bei dieser taktischen Disziplin gegen den Ball zu Torchancen zu kommen."

Zudem warnt Tuchel vor der Offensive der Breisgauer, "die extreme Torgefahr ausstrahlt, personifiziert durch Papiss Demba Cisse. Unter dem Strich macht das einen unangenehmen Gegner." Dem FSV stehen Torhüter Heinz Müller (Rippenprellung), Miroslav Karhan (Aufbautraining), Elkin Soto (Oberschenkelzerrung) und Adam Szalai (Kreuzbandriss) nicht zur Verfügung.

Der SC Freiburg strebt im mittlerweile fünften Versuch die 40-Punkte-Marke an. "Wir wollen punkten und wenn man einen Punkt holt, kann man auch drei Punkte holen. Also werden wir auf Sieg spielen", kündigte SC-Trainer Robin Dutt an. Aus seiner Sicht hätten die Niederlagen der jüngsten Wochen ein Stück weit Selbstbewusstsein gekostet und das kehre zurück, wenn man wieder Spiele gewinne. Fraglich sind die Einsätze von Kapitän Heiko Butscher, der unter Nackenproblemen leidet und Oliver Barth, den Rückenschmerzen plagen. Definitiv nicht dabei sind Simon Pouplin (Sprunggelenkverletzung), Jonathan Jäger, Stefan Reisinger (beide Oberschenkelzerrung), Daniel Williams und Tommy Bechmann (beide Trainingsrückstand).




1. FC Kaiserslautern - Bayer 04 Leverkusen

Der 1. FC Kaiserslautern hat mit zwei Siegen in Folge ein Ausrufezeichen im Abstiegskampf gesetzt und in der Tabelle einen Sprung auf Platz 13 gemacht. Jetzt hat die Mannschaft von Trainer Marco Kurz mit Bayer Leverkusen die beste Rückrundenmannschaft zu Gast. Stürmer Srdjan Lakic schließt eine Verlängerung der kleinen Erfolgsserie der Pfälzer auch gegen starke Leverkusener nicht aus: "Wir werden versuchen, das Maximum rauszuholen, dann ist alles möglich." Rechtsverteidiger Florian Dick ist nach einer Grippe wieder voll ins Training eingestiegen. Dafür fallen Flügelspieler Ivo Ilicevic (Bauchmuskelzerrung) und Jan Simunek (Aufbautraining) aus. Der Tscheche Jan Moravek ist von der Nationalmannschaft mit einer Prellung am Sprunggelenk in die Pfalz zurückgekehrt, sein Einsatz ist fraglich.

Bayer-Coach Jupp Heynckeshat vor seinem Wechsel zum FC Bayern im Sommer noch einiges vor mit der "Werkself". "Ich werde emotional bis zum Saisonende bei Bayer 04 aufs Engste mit dem Team und dem Club verbunden sein und bis zum letzten Tag brennen. Wir haben nur ein Ziel, und das ist die direkte Qualifikation zur Champions League. Einen anderen Wunsch habe ich nicht", verspricht Heynckes.

Personell gibt es bei Bayer 04 derzeit nur wenig Grund zur Klage. Nationalkeeper Rene Adler hat seine Muskelverletzung auskuriert und steht gegen Lautern im Leverkusener Kasten. Nicht zur Verfügung stehen Manuel Friedrich und Gonzalo Castro. Castro absolvierte zwar in dieser Woche schon wieder diverse Laufeinheiten, muss sich aber noch ein paar Tage gedulden, ehe er wieder voll ins Teamtraining einsteigen kann.