Köln - Als Aufsteiger war der 1. FC Köln mit dem bescheidenen Ziel Klassenerhalt in die Saison gestartet. Am Ende der Hinrunde steht fest: Dieses Ziel ist mehr als realistisch. Auch, wenn es vor allem im Offensivspiel noch viel Luft nach oben gibt. Ein Mann macht aber Hoffnung: Marcel Risse.

Die große Schwachstelle der Kölner ist mit einem Blick auf die Tabelle schnell ausgemacht. 17 Tore in 17 Spielen bedeuten die zweitschlechteste Bilanz der Liga. Einzig der Hamburger SV (neun Treffer) strahlte noch weniger Gefahr aus. Zwar setzt Coach Peter Stöger wie schon in der 2. Bundesliga auch im Oberhaus auf eine gut geordnete Defensive und schnelles Umschaltspiel, doch 158 Torschüsse in der Hinrunde sind auch für diese Taktik arg wenig.

In der Hinrunde fehlte die Spritzigkeit

Einer, der dem lahmenden Offensivspiel mehr Leben einhauchen könnte, ist Mittelfeldmann Marcel Risse. Der 25-Jährige stand zwar in den ersten zwölf Spielen der Saison auf dem Platz, fand aber nicht wirklich zu seinem Spiel. Mitte der Hinrunde wurde Risse zu allem Überfluss von einer Knie-Operation gestoppt. In den letzten vier Partien konnte er zwar mitkicken, ließ aber die für sein Spiel so essentielle Schnellkraft und Spritzigkeit vermissen.

Wie wichtig Risse für das Umschaltspiel der Kölner sein kann, bewies er mit starken neun Treffern und vier Vorlagen in der vergangenen Saison in der 2. Bundesliga. Und auch im Wintertrainingslager hinterließ er bereits einen nachhaltigen Eindruck. Beim 1:0-Erfolg im Florida-Cup (zum Video) setzte er gemeinsam mit Slawomir Peszko auf den Außen eben die Akzente, die dem Kölner Angriffsspiel in der ersten Halbserie abgingen.

Unermüdlich beackerte Risse seine linke Seite und bereitete den Siegtreffer mit einem butterweichen Chipp in den Lauf des Polen vor. Auffällig war auch, dass Risse sein Spiel nicht nur klassisch über die Seite definierte, sondern auch häufig den Weg in die Mitte und damit den eigenen Abschluss suchte.

Endlich das Phlegma ablegen

Seine Torgefahr aus der zweiten Reihe könnte für die abschlussschwachen Kölner in der Rückrunde noch Gold wert sein. Einzig der Langzeitverletzte Patrick Helmes verfügt im Kader über eine ähnlich starke Schusstechnik wie der ehemalige Mainzer.

Seine Qualitäten als Spieler und Persönlichkeit auf und neben dem Platz sind unbestritten, dass wissen sie auch am Geißbockheim. “Wir sind davon überzeugt, dass sich Marcel Risse zu einem Eckpfeiler unseres Kaders entwickeln wird", sagte Sportdirektor Jörg Jacobs damals bei der offiziellen Vorstellung. Bis heute ist ihm der endgültige Durchbruch noch nicht gelungen.

Mit nun 25 Jahren steht er an einem wichtigen Punkt in seiner Karriere. Er muss das Phlegma der fehlenden Konstanz ablegen. Zu oft wechselten sich in seiner Bundesliga-Laufbahn Licht und Schatten ab. Verein und Trainer setzen dennoch voll auf den beidfüßigen Mittelfeldspieler. Jetzt ist es an ihm, endlich den nächsten Schritt zu gehen.

Thomas Ziemann

Hinweis: In der Serie "Die Verbesserer" werden Spieler vorgestellt, die mit ihren Fähigkeiten ihre Mannschaft in der Rückrunde noch stärker machen oder entscheidend nach vorne bringen können.