Er hat mit Hansa Rostock, Borussia Dortmund, dem Hamburger SV und Bayer Leverkusen für vier verschiedene Bundesligisten gespielt und bringt es auf 330 Einsätze in Deutschlands höchster Spielklasse sowie 95 Tore. Sergej Barbarez ist ein Mann der Bundesliga.

Im vergangenen Sommer erklärte der 37-Jährige seinen Rücktritt vom aktiven Profigeschäft. Beim HSV, wo er von 2000 bis 2006 auf Torejagd ging und zum Publikumsliebling avancierte, schaffte er nun den Sprung in die Funktionärslaufbahn und sitzt im Aufsichtsrat der "Rothosen".

Im Interview mit bundesliga.de spricht Barbarez über seine neue Aufgabe und die sportliche Entwicklung beim HSV. Sein Meisterschaftsfavorit ist aber ein großer Rivale aus dem Süden. Außerdem freut sich der Bosnier über die aktuellen Erfolge seiner Landsleute in der Bundesliga und schielt auf einen Posten in seiner Heimat.

bundesliga.de: Herr Barbarez, wie oft juckt es noch im Fuß, wenn Sie sich die Bundesliga im Fernsehen oder im Stadion ansehen?

Sergej Barbarez: Gar nicht mehr! Aufzuhören war meine eigene Entscheidung, die ich bislang noch nicht bereut habe.

bundesliga.de: Stattdessen sind Sie mittlerweile als Funktionär tätig: Ende Januar wurden Sie in den HSV-Aufsichtsrat gewählt. Was genau Ihre Aufgabe in diesem Gremium?

Barbarez: Das ist eigentlich eine ganz normale Sache, nichts Weltbewegendes. Für mich ist das ein schöner Einstieg. Ich kann dort einige Sachen lernen und sehen, wie das Geschäft hinter den Kulissen abläuft. In erster Linie sind wir natürlich ein Kontrollgremium.

bundesliga.de: Sprechen Sie in diesem Gremium auch über die Transferaktivitäten?

Barbarez: Die Entscheidungen darüber fallen eigentlich schon vorher, aber wir sind natürlich eingebunden und müssen jeden Transfer absegnen.

bundesliga.de: Der HSV hat die Rückrunde mit einem 1:0 gegen Bayern begonnen, hat nur noch zwei Punkte Rückstand auf Tabellenführer Hoffenheim. Spätestens jetzt muss die Meisterschaft doch das erklärte Ziel sein, oder?

Barbarez:(lacht) Das weiß ich nicht, das müssen Sie den Trainer Martin Jol fragen. Ich freue mich über jeden Sieg. Natürlich merkt man schon, dass derzeit jeder im Verein zufrieden ist. Aber alle wissen die Situation richtig einzuschätzen. Es war schön, die Bayern zu schlagen, aber alles Weitere muss man abwarten.

bundesliga.de: Was macht den HSV derzeit so stark? Das System? Der Trainer? Die Einzelspieler?

Barbarez: Da wirken alle Faktoren zusammen. Der neue Trainer hat sich super eingefunden, das ist erkennbar. Die Spieler stehen voll hinter ihm und vertrauen ihm. Das ist schon mal ein sehr guter und großer Anfang.

bundesliga.de: Wie groß ist die Sehnsucht nach dem ersten Titel seit 1983?

Barbarez: Sehr groß! Aber das war sie auch schon, als ich selbst noch beim HSV gespielt habe. Aber ich weiß nicht, welche Ziele der Trainer und die sportliche Leitung abgesprochen haben.

bundesliga.de: Wer ist Ihr Favorit auf die Meisterschaft?

Barbarez: Der FC Bayern, einfach weil sie die Spieler und die Erfahrung haben, um am Ende ganz oben zu stehen. Aber das Titelrennen ist auf jeden Fall spannender geworden. Ich freue mich, dass so viele Mannschaften oben stehen und noch die Chance auf die Meisterschaft haben.

bundesliga.de: Am nächsten Spieltag tritt der HSV in Karlsruhe an. Ein sicherer "Dreier"?

Barbarez: Auf keinen Fall. Ich weiß aus eigener Erfahrung, dass solche Spiele immer am schwersten waren. Aber der Trainer wird die Jungs richtig einstellen. Natürlich fahren wir nach Karlsruhe, um zu gewinnen, das ist der Anspruch des HSV: Aber es wird eine verdammt schwierige Aufgabe.

bundesliga.de: Zvjezdan Misimovic, Vedad Ibisevic und Edin Dzeko haben eine starke Hinrunde gespielt? Was sagen Sie zum Erfolg der bosnischen Fußballer in der Bundesliga

Barbarez: Ich habe immer gesagt: Diese geographische Ecke ist wie eine kleine Goldgrube, was die Qualitäten ihrer Fußballer angeht. Wenn man diesen Spielern noch die europäische - und speziell die deutsche - Mentalität beibringen kann, dann kann man sehr viel mit diesen Jungs erreichen. Mismovic, der in Deutschland aufgewachsen ist, Dzeko, der den Umweg über Tschechien in die Bundesliga gegangen ist, oder Ibisevic, der zuerst in den USA und Frankreich gespielt hat, haben das bewiesen.

bundesliga.de: In ihrer Heimat Bosnien sind Sie nach wie vor ein großer Star. Haben Sie Ambitionen auf den Posten des bosnischen Nationaltrainers?

Barbarez: Natürlich, das wird für mich immer eine interessante Geschichte sein. Ich habe den Job mittlerweile schon drei Mal abgesagt, weil die Situation im Verband nicht so ist, wie ich sie mir vorstelle. Die Politik spielt dort immer noch eine Rolle, daher halte ich mich ein bisschen zurück. Aber natürlich werde ich diese Tür nie zuschlagen, denn es ist mein großer Wunsch, als Trainer dort zu arbeiten.

Das Gespräch führte Denis Huber