München/Bremen - Nach dem Wechsel von Mesut Özil zu Real Madrid ist im Mittelfeld von Werder Bremen ein Vakuum entstanden, das nun andere füllen müssen.

Besonders hoch sind die Erwartungen an Aaron Hunt. "Ich habe auch vor dem Wechsel von Mesut schon viel Verantwortung übernommen", sagt der 24-Jährige bei bundesliga.de. Er denke nicht, dass es durch den Weggang Özils mehr geworden sei. Im Interview spricht der Kreativspieler über das Duell gegen den FC Bayern, seine neuen Mitspieler und die langjährige Problemzone der Bremer.

bundesliga.de: Werder hat eine deutliche Niederlage in Hoffenheim und einen ungefährdeten Sieg gegen Köln in den Beinen. Welche Lehren hat die Mannschaft aus der Auftaktpleite gezogen, die die positive Reaktion bewirkt haben?

Aaron Hunt: Mit der 1:4-Niederlage in Hoffenheim sind wird natürlich denkbar schlecht in die Saison gestartet. Allerdings haben wir in den Champions League Qualifikationsspielen gegen Genua und auch im Spiel gegen den 1.FC Köln gezeigt, dass wir es besser können. Wir stehen eben noch am Anfang der Spielzeit und die richtige Form muss sich deshalb erst noch finden. Das ist ein ganz normaler Prozess.

bundesliga.de: Normalerweise ist Bayern München bei Heimspielen klarer Favorit. Doch Werder hat seit vier Jahren Bremen in der Bundesliga nicht mehr in München verloren. Wie erklären Sie sich das?

Hunt: Ich denke, das hängt entscheidend damit zusammen, dass wir uns auch in München nicht nur hinten reinstellen, sondern immer versuchen unsere offensive Spielweise durchzubringen. Wir wissen um unsere Stärke und brauchen uns auch vor den Bayern nicht zu verstecken, sondern fahren nach München, um dort etwas Zählbares zu erreichen. Das ist auch dieses Mal wieder der Fall.

bundesliga.de: In Kaiserslautern hat sich der FC Bayern verwundbar gezeigt. Welche Rolle spielt es für den Samstag, dass Sie den Münchnern so früh in der Saison begegnen?

Hunt: In der vergangenen Saison haben wir zu einem Zeitpunkt in München gespielt, der ähnlich früh war. Damals war es der zweite Spieltag und wir beim 1:1-Unentschieden einen Punkt geholt. Dennoch denke ich, dass es keine Rolle spielt, wann man gegen Bayern spielt. Die Mannschaft ist immer stark und die Spiele sind immer heiß umkämpft.

bundesliga.de: Nach dem Wechsel von Mesut Özil kommt Ihnen in puncto Offensivesprit noch mehr Verantwortung zu. Wie gehen Sie damit um?

Hunt: Ich habe auch vor dem Wechsel von Mesut schon viel Verantwortung übernommen und denke nicht, dass es durch den Weggang eines einzelnen Spielers mehr geworden ist. Bei uns müssen immer alle Spieler, die auf dem Platz stehen, Verantwortung zeigen, das gilt auch für mich. Deshalb beschäftige ich mich nicht explizit damit nicht, sondern versuche der Mannschaft bestmöglich weiterzuhelfen.

bundesliga.de: Inwiefern kann Ihnen Neuzugang Wesley bei der Spielgestaltung in München schon eine Hilfe sein? Was macht sein Spiel aus?

Hunt: Wesley ist erst seit zwei Wochen bei uns und deshalb ist es natürlich schwer, seine Spielweise zu bewerten. Man sieht allerdings schon im Training, dass er ein technisch gut ausgebildeter Spieler ist und man mit ihm gut kombinieren kann. Darüber hinaus ist er ein lockerer Typ, der vor allem durch seine freundliche Art auffällt.

bundesliga.de: Die linke Abwehrseite war jahrelang eine Problemzone bei Werder. Welchen Eindruck macht Mikael Silvestre bislang im Training auf Sie und wie kann er die Abwehr stabilisieren?

Hunt: Bei Mikael ist es ähnlich. Er ist sogar noch kürzer bei uns als Wesley, aber auch er ist ein sehr positiver Typ. Vor allem mit seiner Erfahrung wird er vor allem den jungen Spielern, aber auch der ganzen Mannschaft weiterhelfen. Er hat sich gut integriert und übernimmt auch im Training schon viel Verantwortung, indem er viel mit seinen Nebenleuten spricht und hilfreiche Anweisungen gibt.

bundesliga.de: Wie schwer wiegen die Ausfälle von Per Mertesacker und Claudio Pizarro?

Hunt: Der Ausfall von Per Mertesacker wiegt natürlich schon schwer. Dadurch, dass auch Naldo nicht zur Verfügung steht, fällt derzeit unsere gesamte etatmäßige Innenverteidigung aus, aber Sebastian Prödl hat schon in den letzten Spielen gezeigt, dass auch auf ihn Verlass ist. Claudio hat auch in der vergangenen Saison schon einige Male gefehlt und da wurde deutlich, wie wichtig er für unser Spiel ist. Beides sind Spieler, die über außergewöhnliche Qualität stehen. Aber es bringt nichts zu jammern, sondern wir müssen mit den Spielern auskommen, die uns zur Verfügung stehen. Und auch dann haben wir noch eine sehr starke Mannschaft.

Die Fragen stellte Martin van de Flierdt