Köln - Seit mehr als 50 Jahren lockt die Bundesliga jährlich Millionen Fans in die ausverkauften Stadien. Manche erleben dabei ganz Besonderes - bundesliga.de präsentiert die skurrilsten, witzigsten und außergewöhnlichsten Fanstorys rund um die Bundesliga.

Start mit Hindernissen

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Das Bundesliga-Spiel zwischen dem 1. FC Köln und dem FC Bayern München begann am 6. Oktober 1973 mit kleiner Verspätung. Bevor der Schiedsrichter anpfeiffen konnte musste die Polizei noch zwei 17-jährige Fans von einem Bau-Kran am Rande des ausverkauften Stadions an der Rad-Rennbahn holen. Einer von ihnen war der spätere Fernseh-Journalist und Autor Peter Stützer, glühender Fan des 1. FC Köln.

Ein Plakat geht um die Welt

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Wohl kein Fan hat je deutlicher zum Ausdruck gebracht, wer sein Lieblingsspieler ist. In Anlehnung an den Basketball-Superstar Michael Jordan, den alle "Air Jordan" nannten, erfand Frank Niemann, Fan des Hamburger SV, 1995 die Marke "Air Bäron" – gewidmet dem fast zwei Meter großen HSV-Stürmer Frank Bäron. Auf einem 4,50 Meter langen und 80 Zentimeter hohen Transparent, das zuweilen erneuert werden musste, stand der Schriftzug bei den HSV-Spielen zu lesen. Aber nicht nur da. Obwohl es Bäron nie in die Nationalmannschaft schaffte, hing das Transparent bei deren Auftritten in über 50 Ländern. Auch weit nach Bärons Karriereende 2000. Zwischen Niemann und Bäron entstand eine Freundschaft, kein Wunder bei so viel Sympathie-Werbung.

Tierisches Ritual

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Bei Heimspielen des MSV Duisburg gab es für einige Spieler in den Sechzigern und Siebzigern eine besondere Überraschung. Ein Bauer, der MSV-Fan war, überreichte zuweilen Hasen oder Hühner an Spieler von Gast- und Heimmannschaft. Am 31. Oktober 1975 wurde sogar Franz Beckenbauer beehrt – mit einem Fasan.

Fan-Eigentor

Im Frühjahr 2009 trafen sich der HSV und Werder Bremen binnen 18 Tagen gleich vier Mal - in Bundesliga, DFB-Pokal und Uefa-Cupl. Im Rückspiel des internationalen Wettbewerbs wurde der HSV das Opfer seiner eigenen Fan-Choreographie. Nach deren Ende flogen nicht mehr benötigte Blätter aufs Feld und damit sie besser fliegen, wurden manche zu Kugeln geformt. Dann passierte das: Etwas mehr als 80 Minuten waren gespielt, als die "Papierkugel Gottes" ins Spiel eingriff. HSV-Verteidiger Michael Gravgaard wollte rund zwei Meter vor der eigenen Torauslinie einen Querpass in Richtung seines Torhüters Frank Rost spielen. Ein eigentlich einfacher Pass. Doch Sekundenbruchteile, bevor der Däne den Ball spielen wollte, rollte dieser über das unscheinbare Hindernis, stieg leicht in die Luft. Gravgaard, mitten in der Bewegung, traf den Ball unkontrolliert mit dem Schienbein und verursachte eine Ecke. Aus der resultierte prompt ein Tor, der HSV verlor 2:3 und schied im Halbfinale aus. Die Papierkugel hat es ins Werder-Museum geschafft.

Der Navigator

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Als Arminia Bielefeld und Darmstadt 1978 gemeinsam aufstiegen, trafen sie in der Bundesliga erstmals aufeinander. In der 2. Bundesliga hatten sie noch in getrennten Staffeln (Nord und Süd) gespielt. Was zur Folge hatte, dass der Arminen-Busfahrer im Herbst 1978 das Böllenfalltor nicht fand. Arminen-Trainer Otto Rehhagel handelte praktisch, ließ an einer Bushaltestelle halten und einen 14-jährigen Jungen mit Darmstadt-Schal einsteigen. Im Austausch gegen Autogramme der Insassen gab es eine präzise Wegbeschreibung. Die Welt ohne Navi – irgendwie menschlicher.

Bank-Dank

Wenn die Mannschaft des FC Bayern in den frühen Achtzigern vom Tegernsee ins Stadion fuhr, verabschiedete sie immer ein geistig behinderter Fan, der sich auf einen Hügel stellte und seine Bayern-Fahne hisste. Nach dem Gewinn der Meisterschaft 1981 nahmen sie ihn spontan im Bus mit und ließen ihn sogar auf der Bank sitzen – aus Dank für seine Zuneigung.

Nobelpreisträger auf der Tribüne

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Am 20. Februar 2000 gingen die überraschten Blicke der Zuschauer beim Heimspiel des SC Freiburg gegen Borussia Dortmund (1:1) auf die Haupttribüne. Dort saß der berühmte Schriftsteller und Literatur-Nobelpreisträger Günter Grass (2013 verstorben) - und outete sich mit SC-Schal plötzlich als Fan der Breisgauer. Dabei lebte er in Lübeck. Auf der Buchmesse 1999 hatte er von seiner Liebe für den SC berichtet, nun wurde es Zeit, sie näher kennen zu lernen. Den Schal bekam er übrigens geschenkt, die Liebe kam auf anderen Wegen. Sein Sohn lebte in Freiburg, das stellte die Nähe her – auch noch auf die alten Tage. Grass: "Ich finde ehrlichen Fußball gut".

Von Udo Muras

Teil II der skurilsten Fangeschichten